Peking-Ente
Willige Handlanger

"25 000 Journalisten werden sich frei in Peking bewegen und berichten können. Das ist eine Revolution und wird ein bleibendes Vermächtnis dieser Spiele sein." Das sagte der IOC-Präsident Jacques Rogge in einem Interview am 17. Juli 2008. Die Revolution bleibt aus, das bleibende Vermächtnis wird es so nicht geben.
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Dass die Olympischen Spiele an der Menschenrechtslage in China etwas ändern würden, haben von vornherein nur Utopisten geglaubt. Auch eine echte Freiheit der Berichterstattung stand schon längst nicht mehr zur Debatte - etwa dürfen sich Journalisten auf dem Tiananmen-Platz, dem Ort des Massakers von 1989, nur zu abgesprochenen Uhrzeiten aufhalten und dort keine Interviews führen. Mögliche chinesische Gesprächspartner werden seit Wochen brutal unter Druck gesetzt. Nun ist deutlich geworden, dass die Organisatoren dem IOC nicht einmal symbolische Erfolge zuzugestehen bereit sind.

Ihre unnachgiebige Haltung in der Frage des freien Internetzugangs für die Journalisten verdeutlicht vor allem eines: Peking scheut keine Machtprobe - und gewinnt bislang noch jede. Die Appeasementpolitik der Herren der Ringe ist gescheitert. Ohnehin war sie nur ein Mantel, um zu kaschieren, dass es bei der Vergabe der Spiele nach Peking in erster Linie um materielle Interessen ging.

Erfolgt ist diese noch in der Amtszeit des moralfreien Strippenziehers Juan Antonio Samaranch. Sein Nachfolger Jacques Rogge muss sich allerdings ankreiden lassen, unter seinem Mantra der "stillen Diplomatie" die Weltöffentlichkeit belogen zu haben. Wie sein Pressechef jetzt einräumte, hat es die vermeintliche Vereinbarung über den freien Internetzugang nie gegeben. Die willigen Handlanger des IOC haben den Chinesen im Gegenteil das Recht zur Zensur offenbar explizit eingeräumt.

Schafft Rogge, der heute in Peking erwartet wird, nicht noch eine Wende, steht seine Riege keinen Deut besser da als Chinas Regime. Auf die olympische Bewegung warten finstere Wochen, und was immer das Vermächtnis der Spiele am Ende sein wird: Es ist in vollem Umfang selbst verschuldet.

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