Peking macht mit eigenem 3G-Standard Ernst
Siemens winkt Milliardengeschäft in China

China macht mit der Einführung des eigenen Mobilfunkstandards der dritten Generation (3G) TD-SCDMA ernst: Die Regierung wird von der lokalen Telekomindustrie am Mittwoch auf einer Konferenz in Peking Unterstützung der Technologie fordern.

mg/olm PEKING. Unter Leitung von Vizepremier Wu Bangguo sowie den Ministern für Informationstechnologie und Wissenschaft und dem Chef der staatlichen Planungskommission soll die Branche darauf eingeschworen werden, TD-SCDMA zum Durchbruch zu verhelfen. Entwickelt wurde der neue Standard vom lokalen Hersteller Datang gemeinsam mit Siemens und der staatlichen China Academy of Telecommunications. TD-SCDMA soll sich als einer von künftig zwei oder drei 3G-Standards in China durchsetzen - neben dem europäischen UMTS und dem in den USA, Japan und Südkorea verbreiteten CDMA2000.

Seit ein paar Monaten mehren sich die Anzeichen, dass Peking auf den neuen heimischen Standard setzt. "Wir sind optimistischer als bisher, dass diese Technologie in China angenommen wird und von dort aus in den Weltmarkt gehen wird", sagt Peter Borger, Leiter von Siemens-Telekom in China.

Bis Ende dieses Jahres dürfte die Volksrepublik die Schwelle von 200 Millionen Mobilfunkkunden überschreiten. Welchen 3G-Standards China Priorität gibt, wird weitreichende Auswirkungen auf die Telekom-Industrie weltweit haben. Das Marktpotenzial des Landes für 3G, Netze, Infrastruktur und Handys eingerechnet, schätzen Branchenkenner auf bis zu 100 Mrd. $. Konzerne wie Nokia, Ericsson, Motorola, Qualcomm und Lucent, für die China längst ein Schlüsselmarkt ist, erwarten vom Aufbau von UMTS- beziehungsweise CDMA2000-Netzen einen dringend benötigten Umsatzschub. Dieser dürfte aber umso geringer ausfallen, je größer der Anteil von TD-SCDMA an den künftigen Mobilfunknetzen des Landes wird. Siemens darf sich hingegen freuen: Eigenen Angaben zufolge halten die Münchener die Mehrheit der Urheberrechte an der Technologie. Gemeinsam mit Datang dürften sie zu den wichtigsten Lieferanten zählen.

Die Kosten für den Aufbau eines landesweiten TD-SCDMA-Netzes beziffern Branchenkenner auf 5 bis 6 Mrd. $. Zusätzlich verschlingt die technische Entwicklung des Standards reichlich Geld. Siemens Mobile-Vorstand Lothar Pauly kündigte erst vorige Woche in Schanghai an, weitere 50 Mill. $ für TD- SCDMA freizumachen. a nach Einschätzung von Branchenkennern neben Aufbau und Modernisierung der Netze für GSM, UMTS und CDMA2000 die Einführung einer neuen Technik chinesische Unternehmen überfordert, erwartet die Branche, dass die Regierung dem neuen Standard auch finanziell unter die Arme greift.

Dass die Zuversicht für den "China-Standard" in jüngst sprunghaft gestiegen ist, liege auch daran, dass die Regierung bei Vergabe der Frequenzbereiche für 3G ein relativ großes Spektrum für TD-SCDMA reserviert hat, so ein deutscher Telekom-Manager in Schanghai.

Datang will nun die Entwicklung von Handys und Netzausrüstung für die neue Technologie forcieren und hat dafür Know-how von Philips gekauft. Ende 2003 sollen Prototypen TD-SCDMA-fähiger Geräte auf den Markt kommen. Die Einführung der neuen Technologie wird in China nicht vor 2004 erwartet.

Unklar ist indes, welche Mobilfunkanbieter die Technologie verwenden sollen. Marktführer China Mobile macht sich für UMTS stark. Rivale Unicom will sein CDMA-Netz demnächst auf eine 3G-fähige Version aufrüsten. Für 2003 rechnen Analysten mit der Vergabe einer dritten und vierten Mobilfunklizenz an die Festnetz-Betreiber China Telecom und Netcom. Diese könnten an den TD-SCDMA gekoppelt werden. Allerdings sollen beide Unternehmen an die Börse gebracht werden, wie bereits Unicom und Mobile. Doch Aktionäre dürften beim Einsatz einer unerprobten 3G-Technik auf die Barrikaden gehen, prophezeit Craig Watts von Norson Telecom Consulting in Peking.

Quelle: Handelsblatt

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