Pekings Reformstau schafft ungeahnte Einfallstür für ausländische Investoren
Geldmangel macht China interessant

Lahmende Reformen, schwindsüchtige Kassen und schwache Börsen eröffnen ausländischen Investoren in China ungeahnte Perspektiven. Die Reform der Staatsbetriebe geriet zuletzt wieder ins Stocken.

mg PEKING. Um 9,1 % fielen die Gewinne der Staatsfirmen im ersten Quartal des Jahres. Doch die lokalen Kapitalquellen, mit denen die Löcher der Staatswirtschaft gestopft werden können, versiegen. Die Staatsbanken werden von faulen Krediten erdrückt und geben nur zögernd neue Kredite aus.

Die Börsen in Shenzhen und Schanghai erleben einen fortgesetzten Kursrutsch, weil Chinas Börsianer eine Flutwelle von neuen Aktien aus staatlichen Publikumsgesellschaften auf sich zu rollen sehen. "Deren Ausgabe hat sich verlangsamt und wird noch weiter zurück gehen", beruhigte zwar am 7. Juni der Vorsitzende der Börse Schanghai, Geng Liang, das 60 Millionen umfassende chinesische Börsenvolk. Doch woher soll das Kapital für Reformen kommen, wenn nicht von Banken und Börsianern? Von ausländischen Investoren, lautet immer öfter die Antwort.

Der Kapitalmangel in China zwingt die Offiziellen des Landes zu einer nicht geahnten Charme-Offensive gegenüber ausländischen Investoren. Sie könnte interessante Perspektiven eröffnen. So schätzen Experten, dass 90 % der 143 meist staatlichen Flughäfen in China im vergangenen Jahr Verluste einfuhren. "Wir werden aggressiv neue Kanäle für ausländisches Kapital öffnen und mehr ausländische Direktinvestitionen holen", sagt Bao Peide, der Vizeminister von Chinas ziviler Luftfahrtbehörde CAAC. Bao gab vor wenigen Tagen auch zu erkennen, dass in Kürze das Anteilslimit für ausländische Airlines an chinesischen Fluglinien von derzeit 35 auf 49 % angehoben werden könnte. Die Entscheidung hierzu könne "innerhalb von Monaten fallen", sagte Bao am Rande des IATA-Jahrestreffens Anfang Juni in Schanghai.

Die Boomstadt Guangzhou gegenüber Hongkong arbeitet gerade nach Angaben ihres Vizebürgermeisters Lin Heyuan eine Serie von Anreizen für ausländische Investoren aus, damit diese sich stärker an Staatsbetrieben beteiligen. Vorgesehen sind unter anderem Mehrheitsbeteiligungen in einigen Industrien sowie höhere Gewinnbeteiligungen. Die Provinz Yunnan im äußersten Südwesten Chinas lobt sogar ein regelrechtes Kopfgeld für jeden aus, der ausländische Investoren - vor allem für die Energiewirtschaft - gewinnt. Wer Direktinvestitionen bis zu 1 Mill. $ anzieht, bekommt 1 % davon ausgezahlt. Bis zu 10 Mill. $ werden mit 0,7 % Prämie belohnt.

Für Investitionen in Chinas westlichem Hinterland wurden schon Ende 2001 besondere Anreize ausgelobt. Ausländische Banken sollen dort Vorzugsbedingungen im Geschäft mit der lokalen Währung erhalten. In der Bauwirtschaft sind Mehrheitsbeteiligungen erlaubt. Der Eisenbahn- und Frachtsektor soll stärker geöffnet werden.

Dass hinter diesen Beispielen eine Strategie steckt, beweist das Weißbuch, das die staatliche Planungskommission in Peking herausgab. Es sieht eine stärkere Einbindung ausländischer Investoren in die Reform der Staatswirtschaft vor. "Die jüngsten Statements sind ein klarer Hinweis, dass die Regierung mehr ausländische Beteiligung wünscht", sagt Dick Wang bei DBS Vickers in Schanghai.

Quelle: Handelsblatt

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