Pelz ist wieder angesagt: Chef im Wolfspelz

Pelz ist wieder angesagt
Chef im Wolfspelz

In diesen kalten Zeiten braucht Mann ein dickes Fell. Die meisten tragen es nach innen.

Felle für alle Fashion-Fälle verspricht das Branchenblatt "Textil-Mitteilungen" frierenden Frauen für diesen Winter und nimmt Bezug auf die starke Präsenz von Fuchs, Nerz und anderem Getier auf den jüngsten Modenschauen von Mailand, Paris und New York. Auch dem Mann stechen beim Durchblättern der sich um sein Äußeres bemühten Magazine haarige Anzeigenkampagnen von René Lezard, Baldessarini, Strellson oder Giorgio Armani ins Auge. Hier ein Besatz auf dem Kragen, dort eine Kapuzenumrahmung, mal ein aufwendiges Innenfutter.

Allerdings eher noch selten ist das dicke Fell sichtbar und flächendeckend als Mantel zugeschnitten. "Das ist dem Mann normalerweise auch nicht zu empfehlen, es sei denn, er ist ein extrem maskuliner Typ. Pelzmäntel sind doch stark feminin besetzt", findet etwa Doris Hartwich, Designerin einer eigenen Männerkollektion.

Wie Hosenanzug, Smoking, sogar Sportklamotten ist das in seiner Assoziation urmännliche Element Fell längst von den Frauen übernommen worden. Doris Hartwich selbst kann dem Echtpelz wenig abgewinnen, es sei denn, er stammt von Tieren wie Lämmern, die in artgerechter Haltung aufwachsen und nicht allein zum Schmuck des Menschen gezüchtet werden. Dennoch erkennt sie eine gewisse Tendenz zum Pelz. "Er passt gut in das Wohlfühlthema, in den Wunsch, sich einhüllen zu wollen." Cocooning, der Kuscheltrend in Krisenzeiten, zeigt sich auch längst fellflächendeckend im Bereich der Heimtextilien.

Winfried Rollmann vom Pariser Trendbüro "Seasons" will das Thema in der Mode gar nicht so hoch angesetzt wissen. "Wir können für den Mann auf keinen Fall von einem Pelz-Boom sprechen", bremst er die Euphorie mancher Anbieter. Gleichwohl sieht er gute Chancen für das Lammfell, "weil es den Casual-Gedanken sehr gut umsetzt", sowie im Accessoire-Bereich Fell an Mütze und Schal. Und: "Der Parka gehört zu den feinsten Stücken dieses Winters, und ein ordentlicher Parka braucht eine mit Fell abgesetzte Kapuze."

Ethische Bedenken, die sich noch vor wenigen Jahren in der "Lieber nackt als mit Pelz"-Kampagne einiger Topmodels für die Tierschutzorganisation PETA ausdrückten, hat das Modevolk längst wieder abgelegt. Dieselben Models, die damals protestierten, laufen heute für Pelzhäuser über den Steg. Und wenn ein PETA-Aktivist mit einem "Fur kills"-Transparent in der Hand den Laufsteg stürmt und von Jean-Paul Gaultiers Ordnungskräften zuerst mit einer Felldecke bedeckt und anschließend abgeführt wird, applaudiert das Publikum.

Seite 1:

Chef im Wolfspelz

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%