Pentagon erforscht nicht-tödliche Geschosse
Schleim, Schall und Gestank als Waffen

Stinkbomben, glitschiger Schleim, schmerzhafter Schall: Wenn die Grenzen zwischen Freund und Feind verschwimmen, sollen neue Waffen den amerikanischen Soldaten das Leben retten. Das Pentagon entwickelt zurzeit nicht-tödliche Waffen für den Einsatz in Krisengebieten.

WiWo/AP SAN DIEGO. Bei den meisten Projekten handelt es sich um Variationen herkömmlicher Schusswaffen - etwa Gewehrkugeln aus Wachs, die auf der Haut explodieren. Andere Entwicklungen der US-Forscher erinnern an Ideen aus Science-Fiction-Romanen. So arbeitet ein Unternehmen in San Diego an einem batteriebetriebenen Schallgewehr, das einen ohrenbetäubenden Lärm macht. Nach Angaben der Firma American Technology könnte das Gewehr gegen Flugzeugentführer eingesetzt werden, ohne eine Beschädigung der Maschine und Verletzungen der Passagiere zu riskieren.

In San Antonio haben Marineinfanteristen Wissenschaftler beauftragt, einen sprühfähigen Schleim zu entwickeln, der Treppen und Bürgersteige glatt wie Eis machen soll. Und das Pentagon bat Forscher in Philadelphia, nach dem schlimmsten Gestank der Welt zu suchen.

Den Anstoß zur Entwicklung wirksamer, aber nicht tödlicher Waffen gab der Einsatz der US-Streitkräfte in Somalia 1992 und 1993. Dort gerieten die Soldaten in Wohngebieten unter Beschuss, wo auch Zivilisten den Feuergefechten ausgesetzt waren.

Die Waffen der Zukunft gehen weit über Tränengas und Gummigeschosse hinaus. Sie machen sich für die Abwehr von Feinden Körperreflexe zunutze, wie das Bedürfnis zum Rückzug in einer schmerzhaften Lage. "Der Gedanke ist, sich auf alle fünf Sinne und die Fähigkeit zu laufen zu konzentrieren", sagte Hauptmann Shawn Turner von der Abteilung für nicht-tödliche Waffen im Pentagon.

Dem Programm steht jährlich ein Budget in Höhe von 25 Millionen Dollar zur Verfügung. Ein Teil der Mittel floss an ein Forschungszentrum in Philadelphia, das nach dem am meisten abstoßenden Gestank suchte. Nach einer zweijährigen Testphase mit Probanden aus der ganzen Welt stellte sich heraus, dass "eine Zusammenstellung menschlicher Abfälle" den besten Effekt erzielt, wie die Leiterin der Studie, Pamela Dalton, erklärte. "Das ist ziemlich furchtbar. Wir haben nur wenige Leute gefunden, die das riechen konnten, ohne eine Reaktion zu zeigen."

Giftig sei das Gemisch aber nicht. Nach Angaben Turners sind die meisten Projekte geheim. Einige befinden sich noch im frühen Entwicklungsstadium, andere sollen jedoch schon in den kommenden Jahren an die Truppen ausgeliefert werden.

Die Marineinfanteristen, die weltweit für den Schutz der US-Botschaften zuständig sind, setzen auf glitschigen Schleim, um mit feindlichen Gruppen fertig zu werden. Der Schleim, der auf Asphalt, Beton, Grass und Holz gesprüht werden soll, wird den Soldaten ab 2003 zur Verfügung stehen.

Das Pentagon gab in den vergangenen zehn Jahren rund 40 Millionen Dollar für die Entwicklung einer Langstreckenwaffe aus, die Feinden ohne Verletzungen Schmerzen zufügt. Das Ergebnis ist eine Waffe, die elektromagnetische Wellen auf die Schmerzrezeptoren unter der Haut abfeuert. Sie soll etwa im Jahr 2009 einsatzbereit sein. "Es fühlt sich an, als würde man eine Hand auf eine Glühbirne legen", sagte Turner.

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