Pentagon setzt sich rund um das Kaspische Meer fest
USA weiten Einfluss auf Kosten Moskaus aus

Die Militäreinsätze der USA gegen den Terror rücken näher an Europa heran. Washington setzt nun auch in Georgien Soldaten ein, die offiziell nur beraten und ausbilden sollen. Die USA stoßen damit - nach Zentralasien - in eine weitere Einflusszone Russlands vor. Und wieder einmal geht es auch ums Öl.

DÜSSELDORF. Im Kampf gegen den Terror haben die USA einen weiteren Nebenschauplatz eröffnet: Nach Afghanistan und den Philippinen erwägt Washington, bis zu 200 Elitesoldaten in Georgien zu stationieren. Fünf US-Militärberater nahmen am Mittwoch in Tiflis Gespräche auf, um eine Kooperationsvereinbarung mit Georgien, Aserbaidschan und Armenien vorzubereiten.

Die US-Spezialisten sollen eine georgische Eingreiftruppe für Anti-Terror-Einsätze vorbereiten, teilte das Verteidigungsministerium in Tiflis offiziell mit. Es dementierte Spekulationen, amerikanische und deutsche Elite-Einheiten machten im Pankisi-Tal im Norden des Landes Jagd auf Angehörige des El-Kaida-Netzes von Top-Terrorist Osama bin Laden. Auch Berliner Regierungskreise wiesen jedes militärische Engagement in der Kaukasusrepublik klar zurück. Bundeswehrsoldaten sind aber seit Jahren im Rahmen einer Uno-Beobachtermission in Georgien, die den Waffenstillstand in der autonomen Teilrepublik Abchasien überwacht.

Russland beobachtet wachsenden Einfluss Washingtons mit Misstrauen

Russland, das Georgien gegen dessen Willen als Einflussbereich betrachtet, beobachtet den wachsenden Einfluss Washingtons mit Misstrauen. "Eine Stationierung von US-Truppen könnten die schwierige Lage in der Region weiter verschärfen", kritisierte Verteidigungsminister Igor Iwanow am Mittwoch. Der Kreml warnt seit langem, dass sich unter den tschetschenischen Rebellen auch muslimische Extremisten mit Kontakten zur El Kaida befinden und schürt Gerüchte, Terroristen aus Afghanistan seien in die Kaukasusregion geflüchtet. Tschetschenische Kämpfer nutzen das Pankisi-Tal an der Grenze als Rückzugsgebiet. Dorthin sind auch rund 7 000 Tschetschenen vor den Gewalttaten russischer Soldaten geflohen.

Unter dem Banner des Anti-Terror-Kampfes waren die USA bereits in Mittelasien in russisches Einflussgebiet vorgedrungen. Anders als in Usbekistan, Tadschikistan und Kirgistan sollen jetzt jedoch erstmals US-Militärs in einer GUS-Republik tätig werden, die direkt an Russland grenzt. Auch wirtschaftliche Interessen spielen beim Gerangel der Großmächte in der Region eine handfeste Rolle: Während Afghanistan für den Export der Gas- und Ölvorräte der Region in Richtung Asien eine Schlüsselstellung hat, ist Georgien für den Transit gen Westen entscheidend. Unter Druck der USA hatte sich das führende Ölkonsortium Aserbaidschans für den Bau einer Pipeline vom Kaspischen Meer durch Georgien in die Türkei entschieden. Damit würde Russlands Monopol im Pipelinenetz der Region gebrochen.

US-Soldaten sollen georgische Streitkräfte ausbilden

In Washington heißt es, die Soldaten sollten ähnlich wie auf den Philippinen die georgischen Streitkräfte ausbilden. Endgültig beschlossen worden sei die Entsendung der Soldaten noch nicht. Doch sei davon auszugehen, dass schon bald einige Dutzend Mitglieder der Spezialkräfte nach Georgien geschickt würden.

Die USA haben Georgien bereits zehn Kampfhubschrauber geliefert und Militärpersonal für die Ausbildung der georgischen Piloten abgestellt. Georgiens Präsident Eduard Schewardnadse hatte im Dezember bei einem Besuch von US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld um Hilfe bei der Bekämpfung moslemischer Rebellen sowie bei der Modernisierung seiner Armee gebeten.

Der früherer sowjetische Außenminister Schewardnadse führt das Land seit dem Ende des Bürgerkriegs 1992. Der heute 74-jährige brachte dem verarmten Land ein Minimum an Stabilität, konnte die Konflikte mit den abtrünnigen Regionen Abchasien und Südossetien aber nicht lösen. Der Selbstmord von Nugsar Sadjaja, enger Vertrauter von Schewardnadse und Chef des Nationalen Sicherheitsrates, hatte erst am Montag ein Schlaglicht auf die instabile Lage des Landes geworfen. Eine Woche zuvor hatte die Opposition Sadjaja vorgeworfen, an einer Serie von politischen Morden beteiligt zu sein.

Mitarbeit: Ralf Neukirch

Georg Watzlawek
Georg Watzlawek
Handelsblatt Online / Ressortleiter Wirtschaft und Politik
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