Pentagon-Sprecher nennt Kampf gegen Taliban "extrem schwierig"
Taliban: US-Armee setzt Streubomben ein

Ungeachtet internationaler Kritik hat die US-Luftwaffe nach Taliban-Angaben an der Front in Afghanistan erstmals Streubomben eingesetzt. Ziel der Bombardements seien die Positionen der radikalislamischen Miliz nördlich von Kabul gewesen, sagte der Chef der Taliban-Nachrichtenagentur Bachtar, Abdul Hanan Hemat, am Donnerstag. Bei der Bombardierung der südlichen Stadt Kandahar sei zudem ein vollbesetzter Bus mit bis zu 50 Passagieren getroffen worden, sagte Taliban-"Bildungsminister" Amir Chan Muttaki.

afp KABUL/WASHINGTON. Alle Insassen seien bei dem Angriff gestorben. Eine unabhängige Bestätigung dafür gab es zunächst nicht. Rund 1000 Exil-Afghanen forderten zum Abschluss einer zweitägigen Konferenz in Pakistan die USA zu einem baldigen Ende der Angriffe und der Suche nach einer politischen Lösung auf.

Mehrere der an der Front abgeworfenen US-Streubomben seien nicht explodiert, sagte Hemat. Unter anderem sei der ehemalige sowjetische Luftwaffenstützpunkt Bagram sowie die Umgebung der strategisch wichtigen Stadt Masar-i-Scharif angegriffen worden. Streubomben bestehen aus bis zu 200 mit Kugeln gefüllten Sprengsätzen. Nach Einschätzung von Experten enden zehn Prozent als Blindgänger und werden so wie Landminen zur Gefahr für die Zivilbevölkerung. Die US-Luftwaffe hatte in dieser Woche ihre Angriffe auf Frontstellungen der Taliban intensiviert, um die Truppen der oppositionellen Nordallianz zu unterstützen. Bislang wurden jedoch nur leichte Geländegewinne rund um Masar-i-Scharif gemeldet.

Das US-Verteidigungsministerium räumte ein, dass der Kampf gegen die Taliban "extrem schwierig" sei. Die Taktik der radikalislamischen Milizen, sich in Dörfern, Wohnvierteln und Moscheen unter die Bevölkerung zu mischen, erschwere den USA die Kriegsführung, sagte Konteradmiral John Stufflebeem, der stellvertretende Einsatzleiter im Generalstab. Die US-Armee werde "sehr methodisch" vorgehen müssen und benötige dafür Zeit. Der britische Admiral und Verteidigungsstabschef Michael Boyce sagte der "Financial Times", Großbritannien und die USA würden ihre Angriffe auch im moslemischen Fastenmonat Ramadan fortsetzen.

Bei US-Luftangriffen auf die Umgebung der westlichen Stadt Herat wurden nach Taliban-Angaben seit Mittwochabend insgesamt mindestens 36 Menschen getötet. Mehr als 20 Menschen seien in dem Dorf Ischak Salaiman ums Leben gekommen, als sie nach ihren Abendgebeten die Moschee verließen, sagte Hemat der Nachrichtenagentur AFP. In einem zweiten Dorf wurden laut einer AIP-Meldung 16 Zivilisten getötet und 25 weitere verletzt. Beide Berichte konnten nicht überprüft werden. Die Taliban luden die Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) zur Besichtigung der Schäden durch die US-Luftangriffe ein. Eine Delegation solle das Ausmaß der Zerstörung begutachten, sagte der Taliban-"Bildungsminister" Muttaki der afghanischen Nachrichtenagentur AIP.

Zum Abschluss einer zweitägigen Konferenz in Pakistan forderten rund 1000 führende Exil-Afghanen die Regierung in Washington auf, die Angriffe auf Afghanistan "so früh wie möglich" einzustellen. Die USA und ihre Verbündeten sollten "den Weg für eine politische Lösung und Verständnis bereiten", um das Leben unschuldiger Menschen zu schützen und das Land nicht weiter zu zerstören, hieß es in der in Peshawar veröffentlichten Abschlusserklärung. In dem Acht-Punkte-Papier forderten die Delegierten in Anspielung auf den saudisch-stämmigen Fundamentalistenführer Osama bin Laden "Ausländer, die die afghanische Gastfreundlichkeit ausnutzen" auf, das Land zu verlassen. Die Konferenz warnte zudem vor einem Machtvakuum nach dem möglichen Sturz der Taliban.

Nach dem Willen von US-Außenminister Colin Powell sollen die Vereinten Nationen nach einem Sturz der Taliban-Miliz vorübergehend die Verwaltung Afghanistans übernehmen. Die UNO werde voraussichtlich eine "bedeutsame Präsenz" in Kabul haben, sagte Powell am Mittwoch (Ortszeit) in Washington.

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