Pentagon will Angaben vorerst nicht bestätigen
Gerüchte um US-Bodentruppen

Nach zehn Tagen unvermindert heftiger Luftangriffe auf Afghanistan steht nach Meinung von Militärs im benachbarten Tadschikistan möglicherweise der Einmarsch von US- Bodentruppen kurz bevor. Das US-Verteidigungsministerium gab keine Stellungnahme ab. Der afghanische Talibanführer Mullah Mohammad Omar zeigte sich im Kampf gegen die USA siegesgewiss und forderte seine Miliz zum Märtyrertod auf.

afp TEHERAN/WASHINGTON. Erstmals seit dem Beginn der Angriffe auf Afghanistan vor eineinhalb Wochen haben die USA iranischen Angaben zufolge Bodentruppen eingesetzt. In der Nähe der Taliban-Hochburg Kandahar seien US-Soldaten gelandet, berichtete der iranische Staatsrundfunk am Mittwoch. Das Washingtoner Verteidigungsministerium wollte den Bericht vorerst nicht kommentieren. Der britische Premierminister Tony Blair sagte, die USA bereiteten "mehr und weiterreichende militärische Aktionen" gegen die Taliban vor. In der Nacht griffen US-Kampfflugzeuge nach Angaben der afghanischen Opposition erstmals die Frontlinie der Taliban nördlich von Kabul an. In der Hauptstadt sei eine Schule getroffen worden. US-Außenminister Colin Powell bemühte sich in Indien um die Stärkung der Anti-Terror-Allianz.

Der iranische Rundfunk berichtete unter Berufung auf «informierte Kreise», US-Hubschrauber seien von der pakistanischen Grenze auf afghanischem Staatsgebiet gelandet und hätten Soldaten bei Kandahar abgesetzt. Nähere Angaben wurden zunächst nicht gemacht. Ein Vertreter des Pentagon bestätigte lediglich Pressemeldungen, wonach auf dem US-Flugzeugträger "Kitty Hawk" Hubschrauber-Landetruppen stationiert worden seien. Der Flugzeugträger war als Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September von Japan aus ins Arabische Meer entsandt worden, allerdings ohne einen Großteil seiner Kampfjets an Bord.

Die USA setzten laut Augenzeugen beim Angriff auf Kabul erneut einen Tiefflieger vom Typ AC-130 ein. Diese Bomber dienen üblicherweise der Unterstützung von Bodentruppen. Ein Sprecher der Nordallianz sagte, US-Kampfflugzeuge bombardierten die Taliban-Front bei Schohi in der Provinz Kapisa etwa 65 Kilometer nordwestlich von Kabul. Die Nordallianz drängte die USA wiederholt zu Angriffen auf die Taliban-Front. Erst wenn diese aufgeweicht sei, könnten die oppositionellen Truppen zum Sturm auf die Hauptstadt ansetzen.

Ein UN-Sprecher sagte, in Kabul sei eine Bombe in eine Schule eingeschlagen. Sie sei jedoch nicht explodiert. Er könne nicht sagen, ob sich zum Zeitpunkt des Einschlags Kinder in der Schule aufgehalten hätten. In Kandahar wurden laut der Taliban-Nachrichtenagentur Bachter mehr als 20 Zivilisten getötet.

Blair betonte in einer Rede vor dem Londoner Unterhaus, durch die Angriffe sei den Luftstreitkräften sowie den Kommando- und Kontrollzentren der Taliban "maßgeblicher Schaden" zugefügt worden. Dies gelte auch für die Ausbildungslager der El-Kaida-Organisation des mutmaßlichen Top-Terroristen Osama bin Laden.

US-Außenminister Powell und der indische Innenminister Lal Krishna Advani unterzeichneten ein Rechtshilfeabkommen zur Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terrorismus. Im Gespräch mit dem arabischen Fernsehsender El Dschasira rechtfertigte Powell die Angriffe auf Afghanistan. Er bedauerte, dass sich Opfer unter Zivilisten in keinem Krieg vermeiden ließen. US-Präsident George W. Bush warnte in Washington seine Landsleute davor, dass der Kampf gegen den Terrorismus mehr als zwei Jahre dauern könne.

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