Pentagon: Ziel war das irakische Radarsystem
USA greifen Ziele in der Nähe von Bagdad an

Reuters/ap WASHINGTON/BAGDAD. Amerikanische und britische Kampfflugzeuge haben am Freitag fünf irakische Stellungen in der Nähe der irakischen Hauptstadt Bagdad angegriffen.

US-Präsident George W. Bush, der sich zurzeit auf einer Mexiko-Reise aufhält, sprach von einer "Routinemission zur Durchsetzung der Flugverbotszone über dem Süden Iraks". "Es war eine Mission, über die ich informiert war und die ich autorisiert habe", sagte er.

Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums handelte es sich um die ersten Angriffe auf Ziele außerhalb der Flugverbotszone im Süden Iraks seit Dezember 1998. Alle amerikanischen und britischen Flugzeuge seien zurückgekehrt. Sie hätten die Flugverbotszone nicht verlassen, sondern die Waffen aus der Distanz abgefeuert.

Bedrohung von US-Flugzeugen durch Radaranlagen

Nach Darstellung des Pentagons lagen die angegriffenen Radar- und Luftabwehrstellungen nördlich des 33. Breitengrades, der die Grenze der südlichen Flugverbotszone markiert. An der Operation, die insgesamt zweieinhalb Stunden gedauert habe, seien 24 Maschinen beteiligt gewesen, teilte Generalleutnant Gregory Newbold mit. Ziel seien irakische Kommandostellungen gewesen, die Radaranlagen kontrollierten. Diese seien in jüngster Zeit technisch modernisiert worden und hätten US-Flugzeuge bedroht.

In Bagdad heulten kurz vor 19.00 Uhr erstmals die Luftschutzsirenen. In der Stadt wurde der Lärm von Luftabwehrgeschützen gehört. Gegen 19.38 Uhr verkündeten Sirenen das Ende der Angriffe. Das letzte Mal, dass in Bagdad die Luftschutzsirenen heulten, war am 24. Februar 1999. Damals griffen US-Flugzeuge Ziele in den Außenbezirken der Stadt an. Es gab dabei mehrere Tote und Verletzte.

Amerikanische und britische Flugzeuge kontrollieren die von den Alliierten eingerichteten Flugverbotszonen im Norden und Süden Iraks. Diese Zonen wurden nach dem Golfkrieg 1991 zum Schutz der dort lebenden Minderheiten eingerichtet. Irak hat die Beachtung des Flugverbots aufgekündigt, nachdem das Land im Dezember 1998 vier Tage lang amerikanischen und britischen Luftangriffen ausgesetzt war.

Der Angriff am Freitag erfolgte nicht einmal einen Monat nach dem Amtswechsel im Weißen Haus. Er schien nach Ansicht von Beobachtern aber nicht unbedingt auf einen Wechsel in der amerikanischen Irakpolitik unter dem neuen Präsidenten George W. Bush hinzudeuten. Auch unter US-Präsident Bill Clinton war die Maßgabe, jedes Ziel anzugreifen, dass ein alliiertes Flugzeug bei der Durchsetzung der Flugverbots im Norden und Süden Iraks bedrohe. Bushs Kabinett gehören einige Schlüsselfiguren des Golfkriegs von 1991 an, darunter Ex-General Colin Powell als Außenminister und Dick Cheney als Vizepräsident.

Härteren Kurs angekündigt

Der neue amerikanische Außenminister Colin Powell hatte nach seinem Amtsantritt angekündigt, einen härteren Kurs als die Vorgängerregierung unter Präsident Bill Clinton gegen Irak einzuschlagen. Das Land weigert sich, UNO-Inspektoren ins Land zu lassen, die die vom Irak zugesagte Vernichtung von Massenvernichtungswaffen überprüfen sollen. Zuletzt hatte es im Streit um die Waffeninspektionen im Dezember 1998 im Rahmen der Operation "Wüstenfuchs" Luftangriffe der USA und Großbritanniens auf den Irak gegeben.

Irak meldet mehrere Verletzte

Bei dem Überaschungsangriff hat es nach offiziellen irakischen Angaben Verletzte gegeben. Das vom Sohn des irakischen Präsidenten Saddam Hussein, Uday, betriebene Jugendfernsehen des Iraks meldete am Freitagabend, bei dem Luftangriff auf Bagdad seien mehrere Zivilisten verletzt worden. Gezeigt wurden Bilder aus dem El Jarmuk-Krankenhaus in der irakischen Hauptstadt, auf denen acht Personen zu sehen waren, darunter Frauen und Kinder. Die USA und Großbritannien haben bisher nichts über die Angriffsfolgen gesagt.

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