Pentathlon
Auf der Kippe: Überleben ist beim Fünfkampf sechste Disziplin

Es ist wohl die ungewöhnlichste Sportart bei den Spielen: Die modernen Fünfkämpfer müssen mit der Pistole und dem Degen umgehen können, Schwimmen, Laufen und Springreiten beherrschen. Doch der Pentathlon gilt manchem IOC-Mitglied als zu wenig publikumswirksam.

HB PEKING. Es war ein echter Misttag für Wallach Chuchu. Es regnete im "Olympic Sport Center" und der sandige Boden im Stadion der modernen Fünfkämpfer hatte sich in einen unschönen Modder verwandelt. Auf Springen hatte Chuchu unter diesen Bedingungen wahrlich keine Lust. Und zu allem Überfluss taten auch noch die Schienenbeine weh.

Mehrere Stangen hatte das Pferd bei seinem ungewollten Ritt über den Hindernis-Parcours mitgenommen - was wiederum Reiter Eric Walther tief betrübte. Am Ende belegte der Weltmeister von 2003 den 16. Platz. Knapper verpasste Teamkollege Steffen Gebhard das ersehnte Edelmetall. Nur elf Sekunden fehlten dem 27-Jährigen nach dem abschließenden Geländelauf auf Bronze.

Gold gewann Vielseitigkeits-König Andrej Moisejew aus Russland, der seinen Ritt im frenetische Jubel der 20 000 Zuschauer beendete. Und vielleicht ist Moisejew der Vorletzte einer ruhmreichen Ahnenreihe von olympischen Siegern. Denn der moderne Fünfkampf kämpft seit Jahren ums Überleben. Das Wort "modern" trägt er nur deshalb noch im Namen, weil sich Pierre de Coubertin, der Gründer der Olympischen Spiele, einstmals von den Spielen der Antike abzusetzen hatte. Pistolen und Degen waren in Griechenland bekanntlich noch nicht gebräuchlich.

Doch ansonsten ist nicht mehr viel modern in der auch als Pentathlon bekannten Sportart. Schon 1912 in Stockholm war der aus Pistolenschießen, Degenfechten, Schwimmen, Springreiten und einem Geländelauf bestehende Mehrkampf erstmals im Programm. Damals galt die von Coubertin persönlich erfundene Disziplin als eine Hommage an den in seiner Vielseitigkeit "perfekten Athleten". Doch nicht nur Lobbyisten von Golf oder Rugby gilt der moderne Fünfkampf als zu sperrig, zu wenig publikumswirksam und zu wenig hochglanztauglich. Lieber heute als morgen sähen ihn auch viele IOC-Funktionäre ersetzt durch etwas Populäreres.

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