Peres kritisiert Abbruch der Beziehungen zu Arafat als kurzsichtig
Israel setzt Rundumschlag in Palästinensergebieten fort

Die israelischen Streitkräfte drangen mit Panzern und Bulldozern in Hebron und drei Dörfer im Westjordanland ein und erschossen dabei sechs Palästinenser. Der israelische General Gerschon Jizchak sprach von der größten "Aufräumaktion" seit Beginn der neuen Intifada vor 15 Monaten. Der israelische Außenminister Schimon Peres kritisierte unterdessen die Entscheidung von Ministerpräsident Ariel Scharon, die Beziehungen zu Jassir Arafat und dessen Autonomieregierung abzubrechen als kurzsichtig.

ap JERUSALEM. Er habe Scharon bei der Sitzung des Sicherheitskabinetts gefragt, was denn geschehen werde, wenn Arafat verschwinde, erklärte Peres der Tageszeitung "Jediot Achronot": "Wenn wir Arafat hier verjagen, werden wir Probleme mit der ganzen arabischen Welt bekommen und Ägypten und Jordanien werden die Beziehungen zu uns abbrechen." Einige der Angriffe auf Ziele in den palästinensischen Gebieten ließen ihn "erschaudern", sagte Peres in dem Interview. Er bleibe aber in der Regierung, weil er die Hoffnung auf einen Durchbruch noch nicht aufgegeben habe.

Arafat bleibt für die Europäische Union im Nahost-Konflikt weiterhin der Ansprechpartner auf Seiten der Palästinenser. Dies machten die Staats- und Regierungschefs der Union am Freitag auf dem Gipfel auf Schloss Laeken in Brüssel deutlich, wie Außenminister Joschka Fischer mitteilte. Es sei allein Sache der Palästinenser zu entscheiden, wer sie repräsentieren solle.

EU über Lage im Nahen Osten sehr besorgt

Über die Lage im Nahen Osten sei die EU sehr besorgt, sagte Fischer weiter und forderte, beide Seiten müssten der Gewalt abschwören und an den Verhandlungstisch zurückkehren. Bei der Besetzung von Teilen Hebrons sowie der Dörfer Dura, Salfit und Assira Aschmalia wurden mehrere Häuser zerstört und rund 30 Personen festgenommen. Dabei kam es in Salfit zu einem Gefecht mit palästinensischen Polizisten, bei dem sechs von ihnen erschossen wurden.

Im Gazastreifen drangen israelische Soldaten in ein Flüchtlingslager ein und zerstörten zehn Häuser und eine Fabrik, die in der Nähe einer jüdischen Siedlung lagen. Der Arafat-Berater Nabil Abu Rdeneh erklärte: "Das ist ein umfassender Krieg gegen das palästinensische Volk, seine gewählte Führung und den Friedensprozess." Der US-Gesandte Anthony Zinni versucht weiter zu vermitteln und traf sich am Donnerstagabend mit Scharon.

Auf Antrag arabischer Staaten kam am Donnerstag der Weltsicherheitsrat in New York zusammen. Die Antragsteller forderten die Verabschiedung einer Resolution, in der Israel zur Beendigung der Gewalt gegen die Palästinenser und zur Schaffung eines Kontrollmechanismus aufgefordert wird. Der palästinensische UN-Botschafter Nasser el Kidwa forderte eine Abstimmung über die Resolution am Freitag. Doch machte der amerikanische UN-Botschafter James Cunningham deutlich, dass die USA wie schon drei Mal zuvor erneut gegen die Resolution stimmen würden.

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