Peres räumt Differenzen mit Scharon ein
Mindestens 16 Tote bei Bombenschlag in Jerusalem

Ein palästinensischer Selbstmordattentäter hat am Donnerstag in einem Jerusalemer Restaurant mindestens 15 weitere Menschen mit in den Tod gerissen. Fast 90 Menschen wurden bei dem zweitschwersten Anschlag gegen Israel seit Beginn der Intifada vor zehn Monaten zum Teil lebensgefährlich verletzt, wie Rettungsdienste mitteilten.

AP/AFP JERUSALEM. Zu der Bluttat bekannte sich die Organisation Islamischer Dschihad. Regierungen weltweit, die Europäische Union und UN-Generalsekretär Kofi Annan sowie Palästinenserpräsident Jassir Arafat verurteilten das Attentat.

Der Sprengsatz explodierte gegen Mittag in der Altstadt, als das an einer belebten Kreuzung gelegene Pizza-Lokal voll besetzt war. Der Minister für öffentliche Sicherheit, Usi Landau, sprach im israelischen Rundfunk von 17 Toten. Ein Sprecher der Jerusalemer Polizei erklärte dagegen, bei dem Anschlag seien 15 Menschen getötet worden, darunter der Attentäter. Unter den Toten sind anderen Angaben zufolge auch fünf oder sechs Kinder. Mittlerweile ist ein weiteres Kind den schweren Verletzungen erlegen, womit die Zahl der Opfer auf 16 gestiegen ist. Am 1. Juni waren bei einer Bombenexplosion vor einer Discothek in Tel Aviv 21 Menschen getötet worden.

Die Umgebung des Restaurants war übersät mit Trümmern, Stühlen und Glassplittern. Viele Menschen lagen weinend auf dem Bürgersteig. Krankenwagen eilten zum Tatort. Die Polizei sperrte das Gebiet weiträumig ab. Der stellvertretende Polizeichef von Jerusalem, Ilan Franco, sagte, der Sprengsatz sei mit Nägeln gefüllt gewesen, um die Explosion verheerender zu machen.

Die Organisation Islamischer Dschihad bekannte sich in einem Fax an das Beiruter Büro der Nachrichtenagentur AP zu dem Anschlag. In dem Schreiben wurde ein 23-jähriger Mann als Attentäter genannt. Die Tat sei "ein Teil unserer Antwort auf die feigen Morde" an Palästinensern, hieß es weiter.

Der Jerusalemer Bürgermeister Ehud Olmert sagte, das Land befinde sich im Kriegszustand. Die Stadtverwaltung und die israelische Regierung würden jeden ergreifen und töten, der für den Terror verantwortlich sei, kündigte Olmert an. Vor dem Restaurant riefen junge Israelis `Tod den Arabern". Sie trugen T-Shirts mit der Aufschrift `Keine Araber - keine Angriffe".

Der palästinensische Informationsminister Jassir Abed Rabbo sagte, die palästinensische Führung sei entschieden gegen jedwede Gewalt gegen Zivilisten. Zugleich warf er dem israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon vor, die Gewalt provoziert zu haben. Scharon sei für die gezielte Ermordung zu Palästinensern und damit auch für die jüngste Eskalation verantwortlich.

Peres räumt Differenzen mit Scharon ein

Die Bundesregierung verurteilte den Terroranschlag `auf das Schärfste". Bundesaußenminister Fischer forderte die Palästinenser auf, alles zu tun, um den Terror zu unterbinden. Der Anschlag führe allen Beteiligten vor Augen, dass die Kette von Gewalt und Gegengewalt durchbrochen werden müsse. Allein Verhandlungen könnten dauerhafte Sicherheit für alle Beteiligten schaffen.

Auch die USA und Russland verurteilten die Bluttat. Ein Sprecher von Präsident George W. Bush, Scott McClellan, sagte, die Tragödie zeige, dass der Kreis der Gewalt durchbrochen werden müsse und beide Seiten wieder miteinander verhandeln müssten. Das russische Außenministerium forderte ebenfalls ein Ende der Gewalt.

Der israelische Außenminister Schimon Peres bestätigte kurz vor der Explosion `Differenzen und Streit" mit Ministerpräsident Scharon über die Palästinapolitik. Scharons Vorbedingung für die Wiederaufnahme der Friedensgespräche, ein vollständiges Ende der Gewalt, spiele den Extremisten in die Hände, deutete Peres im israelischen Rundfunk an.

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