Peres weist Vorschlag Arafats für neuen Gipfel zurück
Israelische Armee rückt erneut in Palästinensergebiet ein

Die israelische Armee ist am Sonntag erneut in palästinensisches Autonomiegebiet vorgedrungen. Bei dem Angriff in der Nähe von Bethlehem wurden Krankenhausangaben zufolge ein Palästinenser getötet und weitere 21 verletzt, unter ihnen zwei Kinder. Wenige Stunden zuvor waren bei einem Bombenanschlag in einem Vorort von Tel Aviv vier Menschen leicht verletzt worden.

afp BETHLEHEM/TEL AVIV. Zu dem Attentat bekannte sich die radikale Palästinenserorganisation "Brigaden der Rückkehr". Einen Vorstoß von Palästinenserpräsident Jassir Arafat zu einem neuen israelisch-palästinensischen Gipfeltreffen wies der israelische Außenminister Schimon Peres zurück. Zuvor müsse die Gewalt in den Autonomiegebieten ein Ende haben, sagte er.

Die israelische Armee drang nach Angaben palästinensischer Sicherheitskräfte kurzzeitig mit Panzern bis zu 200 Meter in das Autonomiegebiet von Beit Dschala vor. Nach einem Feuergefecht seien die Soldaten wieder abgezogen. Dabei geriet ein 45-jähriger Mann zwischen die Fronten und wurde getötet. Arafats Fatah-Bewegung teilte mit, es handle sich um eines ihrer Mitglieder.

Bei der Explosion an einer Bushaltestelle in Tel Aviv erlitten vier Menschen leichte Verletzungen durch umherfliegende Splitter. Ein fünfter Passant kam mit einem Schock ins Krankenhaus.

Ein neues Gipfeltreffen sei vor einem "Waffenstillstand" undenkbar, sagte Peres. Arafat hatte am Samstag eine Neuauflage des Gipfels von Scharm el Scheich gefordert. Dort sollten beide Seiten den Bericht der Mitchell-Kommission über die Ursachen der Gewalt in Nahost diskutieren. Im ägyptischen Badeort Scharm el Scheich hatten sich Israeli und Palästinenser vergangenen Oktober auf einen umfassenden Maßnahmen-Katalog zur Beendigung der Gewalt geeinigt. Diese Maßnahmen wurden aber nie umgesetzt.

Scharon will Mittel für jüdischen Siedlungsbau aufstocken

Die Kommission unter Vorsitz des ehemaligen US-Senators George Mitchell hatte ihren Bericht am Freitag den Nahost-Konfliktparteien übergeben. Sie fordert Israel darin auf, den Bau aller jüdischen Siedlungen zu stoppen. Ferner verlangt die Kommission von den Palästinensern, alle "Terroristen" an weiteren Anschlägen gegen Israel zu hindern.

Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon äußerte sich am Sonntag kritisch über den Bericht. Mit ihm werde es keinen Stopp des jüdischen Siedlungsbaus in den Autonomiegebieten geben, versicherte Scharon nach einer Kabinettssitzung. Nach einem Bericht der Zeitung "Haaretz" will der Regierungschef die für den Siedlungsbau vorgesehenen Mittel sogar um umgerechnet rund 800 Mill. DM (gut 400 Mill. Euro) aufstocken. Die palästinensische Führung hält den Bericht der Mitchell-Kommission hingegen "in zahlreichen Punkten" für "annehmbar", wie ein Sprecher der Autonomiebehörde mitteilte.

Die Vereinigten Staaten und die Europäische Union kündigten an, sie wollten sich auch weiterhin für einen Frieden im Nahen Osten einsetzen. Die EU-Außenminister stellten sich bei ihrem Treffen im schwedischen Nyköping hinter den jüngsten ägyptisch-jordanischen Friedensplan. Er sieht ein Ende der Gewalt sowie vertrauensbildende Maßnahmen zwischen beiden Seiten vor. US-Außenminister Colin Powell hatte zuvor betont, Washington spreche sowohl mit Israel und den Palästinensern als auch mit Ägypten und Jordanien über "einen Vorschlag für künftige Verhandlungen".

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