Peres zuversichtlich
Israel zieht Truppen aus Ramallah ab

Israel hat in der Nacht zum Mittwoch seine Truppen aus der palästinensisch verwalteten Stadt Ramallah im Westjordanland abgezogen. Augenzeugen beobachteten, wie im Schutze der Dunkelheit Panzer, gepanzerte Mannschaftswagen und Jeeps aus der vor zwei Wochen besetzten Stadt abrückten.

Reuters RAMALLAH. Die israelische Armee war in Ramallah sowie fünf weitere Palästinenser-Städte im Westjordanland eingerückt, nachdem am 17. Oktober erstmals ein israelischer Minister von radikalen Palästinensern bei einem Anschlag getötet worden war. Der israelische Vorstoß hatte zu scharfer Kritik der USA als dem wichtigsten Verbündeten Israels geführt. Die USA drängen auf ein baldiges Ende der seit 13 Monaten anhaltenden Gewalt in den besetzten Gebieten.



Bereits in der vergangenen Woche hatte die israelische Armee ihre Truppen aus Bethlehem und dem benachbarten Beit Dschala abgezogen. Am Montag folgte der Abzug aus der palästinensisch verwalteten Ortschaft Kalkilja. In den Ortschaften Tulkarm und Dschenin hingegen standen auch am Mittwoch noch israelische Truppen. Zudem wurden die Blockaden in vielen palästinensischen Gebieten aufrechterhalten.

Bewohner von Ramallah beobachteten den Abzug, der um Mitternacht (MEZ) begann und etwa eine Stunde andauerte. Bei Sonnenaufgang lagen in den Straßen umgestürzte Strommasten und Verkehrsschilder. Der Asphalt war unter dem Gewicht der Panzer demoliert worden. Nach dem Abzug nahmen palästinensische Sicherheitskräfte die Stellungen der israelischen Einheiten ein. Die Zentrale der Elite-Einheit "Force 17" von Palästinenser- Präsident Jassir Arafat war völlig zerstört.

Der Vorstoß der israelischen Armee war die Reaktion auf die Ermordung des israelischen Tourismus-Minister Rehawam Seewi durch militante Palästinenser. Mit dem Einmarsch wolle man weitere Anschläge verhindern, argumentierte die israelische Armee. Israel hatte auch die Auslieferung von Seewis Attentätern gefordert. Raanan Gissin, Berater des Ministerpräsidenten Ariel Scharon, hatte als Voraussetzung für den kompletten Abzug genannt, dass die Palästinenser-Regierung sicher stelle, dass von den betreffenden Gebieten aus keine Anschläge mehr auf Israel verübt würden.

Gleichzeitig hatte Gissin einen Strategiewechsel gegen palästinensische Extremisten angekündigt. Umfangreiche militärische Maßnahmen würden durch gezielte Operationen gegen potenzielle Angreifer ersetzt werden, sagte Gissin. Wegen der gezielten Tötung von militanten Palästinensern hatte Israel in der Vergangenheit ebenfalls schon internationale Kritik auf sich gezogen. Die Palästinenser hatten die Tötung von Mitgliedern radikaler Organisationen als politisch motivierte Morde verurteilt.

Der Palästinenser-Aufstand in den besetzten Gebieten hält seit September des vergangenen Jahres an. Die USA bemühen sich um eine Entspannung der Lage im Nahen Osten. Gleichzeitig werben sie um die Unterstützung arabischer und islamischer Staaten für ihre Anti-Terror-Koalition.

Der israelische Außenminister Schimon Peres äußerte sich zuversichtlich über den weiteren Friedensprozess. "Wenn die Dinge weitergehen, wie sie sollten, besteht eine gute Chance, den Friedensprozess wiederherzustellen", sagte Peres nach einem Treffen mit seinem französischen Kollegen Hubert Vedrine in Paris. Peres war am Montag am Rande einer Konferenz der Mittelmeerstaaten mit Arafat zusammengekommen. Am Dienstag kündigte der Sozialdemokrat Peres Verhandlungen mit seinem konservativen Koalitionspartner Scharon über eine gemeinsame Friedensinitiative an.

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