Performance auf dem Fußballplatz
Torbejubler als freischaffende Künstler

Luca Toni schraubt wie wild am Ohr, Mario Gomez spielt den Torero, Meisterspieler Leonardo klettert in Brasilien den Pfosten hoch und feiert auf der Latte stehend, beim Afrika-Cup wird getanzt wie wild und mit Schuhen jongliert. Die Fußball-Stars haben aus dem Torjubel immer häufiger eine Performance.

HB KARLSRUHE. Jubel, Trubel, Heiterkeit wird es auch bei der Europameisterschaft heißen: Der Kreativwettbewerb „Wer feiert sich am schönsten?“ läuft vom ersten Treffer an. Joachim Löw gefällt's, dass die Profis längst nicht mehr wie früher nur die Arme hochreißen. „Natürlich. Fußball ist ein sehr emotionales Spiel - da sollte man auch emotional jubeln können“, sagte der Bundestrainer der Nachrichtenagentur dpa. „Man darf bei aller Ernsthaftigkeit, Wichtigkeit und bei aller Akribie nie vergessen: Fußball soll auch Spaß machen.“ Bremens Brasilianer Diego findet „wirklich“, dass man diesen Moment, wo sich die Kugel ins Netz senkt, mit einem Orgasmus vergleichen kann. „Ein Tor vor vollen Rängen in einem wichtigen Spiel - ich wüsste nicht, wie man das anders beschreiben könnte“, sagte er der Zeitschrift „11 Freunde“.

Dennoch behält so mancher Profi in dem ersehnten Moment kühlen Kopf und spult sein Ritual ab. Die Geste von Bundesliga- Torschützenkönig Toni kennt mittlerweile jeder Fan: „Avete capito?“ - sinngemäß: „Habt ihr alle gesehen, wie genial das war?“ soll seine Drehbewegung mit der Hand bedeuten. Brasiliens Superstar Ronaldinho ging einst mit dem Surfergruß auf Eroberungskurs, schwimmt aber inzwischen nicht mehr auf der Erfolgswelle. Auch den Salto von Miroslav Klose sah man zuletzt kaum noch, doch bei der EM kann der Bayern-Angreifer wieder seine Treffer- und Turnkünste unter Beweis stellen. Beim Afrika-Cup jonglierte Ägyptens Mohamed Zidan mit seinen Schuhen, beim HSV bekam er dafür kein Bein auf den Boden.

„Fußballfreude ist anstrengend geworden. Schon wirkt mancher Kicker, als trainiere er den Torjubel mehr als den Torschuss“, klagte kürzlich die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ und zählte genervt auf: Säge und Salto, Eisenbahn und Eckfahnentanz, Babyschaukel und Bauchrutscher, Füße küssen, Schuhe putzen. „Und immer wieder diese seltsame Lust, sich das Trikot vom Leib zu reißen. Kleiner Tipp: Schaut doch mal euren Fans beim Jubel zu. Der ist echt.“

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