Performance drifftet auseinander
Wachstumssorgen belasten Biotechsektor

Die führenden amerikanischen Biotechfirmen wachsen weiterhin zweistellig. Aber die Erträge halten nicht Schritt mit dem Umsatz. Am Finanzmarkt wächst daher die Sorge um Aussichten und Bewertungen.

FRANKFURT/M. Die Probleme und Unsicherheiten der Pharmabranche entfalten zusehends auch im Biotechbereich Einfluss. Bei Analysten wächst die Sorge, dass sich Wachstumsraten bei großen Biotechfirmen abschwächen.

Was in den vergangenen Wochen bereits zu deutlichen Kursrückgängen bei europäischen und amerikanischen Biotech-Werten führte, ist aus den bisher vorliegenden Quartalszahlen nur bedingt abzuleiten. Die führenden US-Biotechfirmen meldeten bisher für das erste Quartal ein Umsatzwachstum von durchschnitlich etwa 16 %, und expandieren damit mehr als doppelt so schnell wie die großen Pharmakonzerne. Deren Erlöse legten im Schnitt nur noch um 6 % zu. Ein anderes Bild dagegen bietet sich auf der Ertragsebene: Während sich bei "Big Pharma" die Nettogewinne im Schnitt im Schnitt doppelt so stark verbesserten wie die Erlöse, fiel bei den Biotechs das Gewinnplus nur halb so stark aus wie die Umsatzsteigerung. Damit setzt sich in der Branche ein Trend fort, der bereits die vergangenen Jahre prägte. Viele Biotechfirmen neigen nach wie vor dazu, ihre Erlöse in die Forschung oder den Aufbau von Vertriebsaktivitäten zu reinvestieren. Rückhalt dazu gibt unter anderem der starke Kapitalzufluss, den man im Jahr 2000 verbuchte.

Die Unruhe im Analystenlager resultiert nun vor allem aus der Frage, ob das Wachstuma ausreicht, die hohen Bewertungen zu rechtfertigen. Immerhin zahlte die Börse für die großen US-Biotechfirmen bisher mehr als das Vierzigfache der erwarteten Gewinne. "Sie sind damit die mit Abstand teuersten Werte der Branche," urteilten jüngst die Experten der Commerzbank.

Dabei ist die Performance der Biotechs, ähnlich wie im Pharmabereich, äußerst heterogen. Die Gewinnentwicklung im 1. Quartal bewegt sich nach den bisher vorliegenden Zahlen zwischen einem Plus von 45 % bei Idec und einem Rückgang von 25 bei Genzyme General. Biogen konnte zwar den Umsatz um 22 % steigern. Stark erhöhte Marketingaktivitäten sorgten jedoch für einen stagnierenden Gewinn. Bei Genentech, der Nummer Zwei der Branche, stieg das vergleichbare Quartalsergebnis um 30 %. Die deutlich negative Kursentwicklung der vergangenen Wochen reflektiert indessen vor allem Zweifel, dass der Biotech-Pionier sein angestrebtes Ertragswachstum von 25 % bis 2005 einhalten kann.

Genzyme enttäuschte mit einem schwachen Wachstum im 1. Quartal, hat jedoch das Ziel bekräftigt, den Gewinn im Gesamtjahr um 25 % zu steigern. Und Marktführer Amgen, der sich gerade durch die Übernahme von Immunex verstärkt, hob am vergangenen Freitag die Umsatzprognose für 2002 an. Der Biotech-Riese erwartet nun mehr als 20 % Wachstum. Ebenso stark soll der Gewinn zulegen.

Insgesamt dürften damit die führenden US-Biotechunternehmen weitere Marktanteile im Arzneimittelgeschäft gewinnen. Etwa zwei Dutzend Firmen der Branche haben inzwischen eigene Pharmaprodukte auf dem Markt.

Ebenso wie die etablierten Pharmahersteller mussten allerdings auch Biotechfirmen bei der Neuzulassung von Medikamenten in jüngerer Zeit zahlreiche Rückschläge verkraften. Prominente Beispiele sind etwa Verzögerungen bei dem Krebsmedikament Erbitux von Imclone Systems oder dem von Genentech entwickelten Medikament Xanilem gegen Schuppenflechte. Zudem leidet auch der Biotech-Sektor darunter, dass sich der erhoffte Innovationsschub durch die Genomforschung länger hinauszögert als erwartet. Manche Beobachter sehen sogar eine gewisse Durststrecke, obwohl die Branche derzeit mehr als 250 Projekte in fortgeschrittener Entwicklung bearbeitet. Genzyme-Chef Termeer etwa spricht von einer fünfjährigen Phase mit geringer Produktivität bei den Neuzulassungen. Allerdings werde in diesem Zeitraum eine Basis geschaffen für starkes Wachstum in der Folgeperiode.

Zugute kommt der Branche unterdessen, dass für die bereits zugelassenen Medikamente vorerst kaum Patentabläufe drohen. Und das Umsatzpotenzial vieler Medikamente gilt als längst nicht ausgereizt. Allerdings dürften sich die Wachstumsraten der Topprodukte nicht zuletzt aufgrund des Basiseffekts abflachen. Das von Genentech und Idec entwickelte und äußerst erfolgreiche Krebsmedimanet Rituxan konnte 2001 den Umsatz noch nahezu verdoppeln. Im ersten Quartal dagegen legten die Erlöse mit Rituxan "nur noch" um 44 % zu.

Quelle: Handelsblatt

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