Permanente Fernüberwachung der Vitalfunktionen
Ferndiagnose soll Kranken Leben erleichtern

Komplexe Netze aus medizinischen Messgeräten und moderner Kommunikationstechnik sollen die Zahl der Arztbesuche für chronisch Kranke in Zukunft verringern. Ein Konsortium aus 14 Unternehmen und Institutionen will jetzt Standards etablieren, mit deren Hilfe Geräte verschiedener Hersteller miteinander kommunizieren können.

DÜSSELDORF. Ein am Körper getragenes Funknetz soll den Alltag chronisch Kranker erleichtern: Messgeräte ermitteln permanent Vitalwerte - etwa Blutdruck oder Pulsfrequenz - und senden sie via Bluetooth an ein Handy, das bei Abweichungen vom Sollwert automatisch den behandelnden Arzt informiert. Die Entwicklung solcher "Body Area Networks (BAN)" hat sich Mobihealth - ein Konsortium aus 14 Unternehmen und Instituten aus Medizin, Kommunikation und Elektronik - zum Ziel gesetzt.

"Wir wollen bis November 2003 ein marktreifes Produkt haben", sagt Mobihealth-Projektkoordinator Rainer Herzog von der Ericsson GmbH. Das Konsortium kann sich auf die Erfahrung von Unternehmen mit telemedizinischen Einzellösungen stützen, die sich bereits in der Praxis bewähren. So zeichnet die scheckkartengroße Rhythmcard der Chemnitzer Medi AG das EKG auf, wandelt es in akustische Signale um, die der Herzpatient dann per Telefon an den Arzt sendet. Das EKG-Handy Vitaphone der Mannheimer Vitaphone GmbH arbeitet mit dem satellitengestützten "Global Positioning System (GPS)", um den Patienten im Notfall orten zu können.

Ein medizinisches BAN kann allerdings aus mehreren solcher Geräte bestehen. Damit die einzelnen Geräte zuverlässig miteinander kommunizieren können, muss ein einheitliches Datenformat vorgegeben werden. Hier könnte der vom Europäischen Komitee für Normung (CEN) entwickelte Standard "Vital Signs Information Representation (Vital)" zum Zug kommen. Er definiert ein Daten- und Kommunikationsmodell für die geräteunabhängige Übertragung und Darstellung von Vitalwerten und garantiert, dass Messgeräte verschiedener Hersteller die Daten alle in derselben Weise aufbereiten.

Ob das Mobihealth-Konsortium Vital einsetzen wird, ist allerdings noch nicht entschieden. Kein Zweifel besteht dagegen an der Verwendung des Mobilfunkstandards UMTS als Kommunikationsmedium zwischen BAN und Arzt - eine Entscheidung, die Mobihealth einen EU-Zuschuss von 4,9 Mill. Euro bescherte. UMTS erlaubt eine permanente Verbindung zwischen den beiden Kommunikationspartnern und bietet genügend Bandbreite für die Übertragung von Videos oder Bildern.

Eine Arbeitsgruppe der Bochumer Bergmannsheil Universitätsklinik testet in einem anderen Projekt bereits den Einsatz der mobilen Bildübertragung mit freiwilligen Probanden. Mit exakten ärztlichen und technischen Anweisungen und ausgestattet mit einer digitalen Fotokamera sowie einem Computer mit Anbindung an das Mobilfunknetz können ausgewählte Patienten Wunden zu Hause auskurieren - also früher das Krankenhaus verlassen. In der täglichen Tele-Sprechstunde informiert sich der Arzt über den Patienten und überwacht die Heilung anhand der übermittelten Digitalfotos.

Allerdings kommen nur wenige Freiwillige mit genügendem technischen Verständnis in den Genuss der frühzeitigen Entlassung. Zudem muss sichergestellt sein, dass im Heilungsprozess keine Komplikationen drohen. Denn der Erfolg der E-Health-Systeme ist nicht nur eine Frage der technischen Machbarkeit. Dazu gehören auch eine Risikoabschätzung durch den Arzt sowie verantwortungsbewusste Patienten. Gerade hier stellt Mobihealth-Koordinator Herzog einen positiven Trend fest: "Viele Patienten informieren sich über ihre Krankheit und übernehmen zunehmend Verantwortung für sich."

Rüdiger Meierjürgen, bei der Barmer Ersatzkasse für den Bereich der Prävention zuständig, schätzt das Potenzial elektronischer Kommunikationsmöglichkeiten positiv ein: "Sie eröffnen neue Formen der Beratung und Schulung und können Qualität und Effizienz der Versorgung verbessern." Er gibt aber zu bedenken, dass die neuen Kommunikationsformen den persönlichen Dialog zwischen Arzt und Patient keinesfalls ersetzen dürfen. "Sie sind allenfalls eine Ergänzung", sagt er.

Immerhin hat die Barmer Ersatzkasse als erste Krankenkasse bereits einen Schritt für eine Akzeptanz der Telemedizin gemacht. Sie schloss einen Rahmenvertrag für ein Angebot, bei der das Internet als Plattform für die Patientenbetreuung (Disease Management) dient: Rund 1 000 asthmakranke Kinder und Jugendliche halten über das Forum Telemedizin (www.forum-telemedizin.de) Kontakt mit ihren Ärzten, übermitteln aktuelle medizinische Parameter und nehmen an einem E-Learning-Programm teil, das die herkömmliche ambulante Schulung ergänzt und intensiviert.

Quelle: Handelsblatt

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