Persil-Hersteller: Vom Chemie- zum Konsumgüterkonzern
Analysten entdecken Henkel

"And the winner is .... - Henkel!" Wer hätte zu Jahresanfang gedacht, dass der Waschmittel- und Kleber-Konzern am 20. September der beste Titel im Deutschen Aktienindex sein würde.

FRANKFURT/M. Bis jetzt konnte man sogar schreiben: der einzige Titel, der Anlegern Gewinne brachte. Aber leider rutschte die Jahresperformance des Düsseldorfer Unternehmens bis zum späten Donnerstagnachmittag ins Minus. Mit einem winzigen einstelligen Verlust steht Henkel aber immer noch weit besser da als die Dax-Schlusslichter wie Epcos und MLP mit über 80 % Minus oder der Dax-Schnitt mit gut 40 % Miesen.

Solide, mit Marken wie Persil, Spee, Pritt und Drei-Wetter-Taft in jedem Haushalt präsent - so kennen Verbraucher Henkel seit eh und je. Doch am Kapitalmarkt galten die Düsseldorfer lange als Chemiekonzern, wegen der umfangreichen Aktivitäten in diesem Bereich.

Doch die Wahrnehmung ändert sich seit dem Verkauf der Chemiesparte Cognis. "Bei immer mehr Banken wechselt die Zuständigkeit für Henkel von den Chemieanalysten auf die Konsumgüter-Experten", sagt Fondsmanager Anko Beldsnijder von Griffin Capital. Für die Aktie bedeute das Kurspotenzial. Denn: "Im stabilen Konsumgüterbereich sind ganz andere Bewertungen üblich als beim zyklischen Chemiegeschäft", sagt Beldsnijder, der die Aktie in seinen Fonds übergewichtet hat.

Henkel verdient an Markenprodukten für Konsumenten weit besser als im industriellen Geschäft, etwa mit Gewerbeklebstoffen. "In dem Maße, in dem das Unternehmen sich auf Konsumgüter konzentriert, verdient die Aktie eine höhere Bewertung", sagt Analystin Daniela Dörr vom Bankhaus Metzler. Gegenüber reinrassigen Konsum-Aktien wie Unilever (Bulle und Bär vom 16.08.02) und erst recht der chronisch überteuerten L?Oreal notiert Henkel mit einem Abschlag.

Doch die bisherige Begründung für diesen Abschlag ist brüchig geworden - eben die veraltete Branchenwahrnehmung Henkel = Chemie. Auch die Analysten der Deutschen Bank meinen, dass der Bewertungsabschlag von Henkel gegenüber seinen Konkurrenten übertrieben ist. Obwohl sie die langfristigen Aussichten eher skeptisch einschätzen (Urteil "Market Perform"), sehen sie darin eine Trading-Chance für kurzfristig orientierte Investoren.

Auf längere Sicht wird die Kursentwicklung davon abhängen, wofür Henkel-Chef Ulrich Lehner die rund sieben Mrd. Euro ausgibt, die seit dem Verkauf von Randaktivitäten in seiner Kriegskasse liegen. Dabei habe der Konzernchef keine Eile, meldet das Manager Magazin in seiner heute erscheinenden Ausgabe. Ein Grund für seine Gemütlichkeit liegt wohl darin, dass Zukäufe im Kosmetik- und Haarpflege-Bereich zur Zeit sehr teuer wären. Deshalb denkt Henkel auch darüber nach, sich im industriellen Geschäft, etwa mit Klebstoffen, zu verstärken. In die Chemie wird der Konzern aber wohl nicht zurückkehren, sagen Analysten.

Ein weiteres Plus für die Henkel-Aktie ist das gegenwärtige Marktumfeld. Denn in der Börsenkrise profitiert die Aktie von ihrem Image als "defensiv", also wenig konjunkturempfindlich. Weil die Leute auch in der Wirtschaftsflaute Waschmittel, Klebestifte und Haarspray brauchen, sind die Erträge weniger abhängig von der gesamtwirtschaftlichen Lage als bei Maschinenbau-, Rohstoff- oder Hightech-Konzernen. Aus diesem Grund dürften Henkel-Aktien sich weiterhin überdurchschnittlich entwickeln, falls die Börsen unter Druck bleiben.

Sollten die Kurse jedoch nach oben drehen, dann dürften andere Titel aufholen, die zuvor stark abgestürzt sind. In diesem Fall könnte die nicht gerade billige Bewertung zum Problem werden. Immerhin liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis der Aktie auf Basis der 2002-Prognosen über 20 laut Bloomberg. Die Dividendenrendite ist mit 1,69 % keineswegs üppig. Günstiger sieht hingegen das Kurs-Cash-Flow-Verhältnis mit gut 10 auf Basis der jüngsten Geschäftszahlenaus.

"Die relativ hohe Bewertung resultiert daraus, dass die Henkel-Aktie sich im Abschwung sehr gut gehalten hat, während andere Titel stärker zurückfielen", sagt Analystin Dörr. Das ist die Kehrseite der Beliebtheit Henkels bei Investoren.

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