Persönliche Boten statt verräterischer Telefonkontakte
Bin Laden vertraut auf "No-Tech"

Osama bin Laden hat sein letztes Telefonat geführt, als dieses von Geheimdiensten abgehört wurde. Seitdem vertraut er auf verschlüsselte elektronische Kommunikation und Boten.

ap NEW YORK. Internationale Polizeibehörden und Geheimdienste haben zuletzt kaum noch eine konkrete Spur von Osama bin Laden aufnehmen können. Seit ein Gespräch des mutmaßlichen Terroristenführers mit einem Satellitentelefon von US-Agenten abgefangen wurde, hat sich dieser geschworen, nie wieder zu telefonieren - so berichtet es der ehemalige Leiter des Geheimdienstes der US-Luftwaffe (Air Intelligence Agency), Marc Enger.

"Unglücklicherweise sprechen jetzt andere Leute für ihn", sagt Enger. "In einer unverfänglichen Unterhaltung kann man das nicht mehr heraushören." So soll bin Laden jetzt auf persönliche Boten wie Familienmitglieder vertrauen, um seine Anweisungen zu geben. "Das ist noch nicht einmal Low-Tech", sagt der ehemalige Kommunikationsspezialist beim Geheimdienst NSA, Wayne Madsen. "Das muss man wohl wirklich als No-Tech bezeichnen."

Die vermutlich an den Flugzeugentführungen vom 11. September beteiligten Terroristen hatten nach Erkenntnissen der Ermittler nicht so große Berührungsängste gegenüber elektronischen Kommunikationsmitteln. Die Fahnder haben Kontakt mit Firmen wie America Online (AOL) und Earthlink aufgenommen, um Informationen über das Nutzungsverhalten der Verdächtigen im Internet zu erhalten. Auch in Deutschland führt das Bundeskriminalamt (BKA) offenbar Ermittlungen zur elektronischen Kommunikation von Verdächtigen. Das BKA habe um Kundendaten gebeten, und wenn es einen begründeten Anfangsverdacht gebe, sei man gesetzlich verpflichtet, die Behörden mit Informationen zu versorgen, sagte ein Sprecher des E-Mail-Anbieters GMX. Für weitergehende Informationen wie die Einsicht in den E-Mail-Verkehr von Kunden sei eine richterliche oder staatsanwaltschaftliche Anordnung nötig.

Verschlüsselte E-Mails

Die CIA warnte im vergangenen Jahr davor, dass terroristische Organisationen besonders gesicherte Internet-Verbindungen nutzen könnten. Mehrere Gruppen, darunter auch die El Kaida von Bin Laden, nutze die Verschlüsselung von E-Mails, sagte damals CIA-Direktor George Tenet im Senat. Nach Ansicht Madsens könnten sich die Entführer der vier Passagierflugzeuge über unverfänglich klingende Botschaften auf bestimmten Web-Seiten verständigt haben - unbemerkt von den technisch ausgefeiltesten Überwachungsmechanismen der Geheimdienste.

Einige Geheimdienstagenten sollen Enger zufolge berichtet haben, dass Bin Laden die Technik der Steganographie einsetzt - dabei werden geheime Informationen so in Bilddateien eingefügt, dass sie nicht bemerkt werden können. Zudem liegen die Botschaften in verschlüsselter Form im Strom der Bits und Bytes vor, so dass ihre Entschlüsselung ein weiteres Problem darstellt. Solange man nicht das Originalfoto in der Hand habe, könne man nicht erkennen, ob es sich bei einem Bild um den Träger einer steganographischen Botschaft handle, erklärt Enger.

Der ehemalige NSA-Techniker Madsen erinnert sich, dass es die USA schon einmal mit einem Gegner zu tun hatten, der ganz spezielle Kommunikationsmittel einsetzte: Der somalische Milizenführer Mohamed Farah Aidid nutzte Trommeln, um seine Botschaften zu übermitteln. "So etwas können Spionagesatelliten nicht auffangen", erklärt Madsen.

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