Persönlicher Gruß zu Weihnachten
Ihr Postsäcklein kommet

Wer ungern Weihnachtskarten verschickt, hat von Kontaktpflege keine Ahnung. Ein origineller und persönlicher Jahresgruß bietet eine günstige Gelegenheit, sich fürs neue Jahr in Erinnerung zu bringen: besonders, weil der jährliche Strom an Geschenken versiegt.

Die kuscheligste Weihnachtskarte verschickt in diesem Jahr die Berliner Agentur Publicis: Das Schaf auf Vorder- und Rückseite lässt sich ausschneiden und aufstellen - und ist beklebt mit einem echten Stück Wolle. "Streicheln Sie sein weiches Fell, wenn Sie traurig sind", rät das Unternehmen seinen Kunden und Geschäftspartnern. "Zählen Sie es, wenn Sie nicht schlafen können." Die Anwaltskanzlei Clifford Chance Pünder dagegen grüßt kühl mit drei Fotos eines modernen Kunstwerks, das "Assoziation Weihnachtsstern" heißt. Auf der Unicef-Postkarte der Münchener Beratungsagentur Argonauten erkennen die Kunden die Skyline ihrer Stadt wieder. Mummert & Partner steht eher auf goldene, eingerahmte Kirchen und Sun Microsystems auf ein nutzwertiges "We?re Open / Not disturb!"-Schild.

Ob konservativ oder hip, mit transparenter Einlage oder Fotos der Mitarbeiter, ob für einen guten Zweck oder für etwas Zweckvolles - vor dem Fest der Besinnung besinnen sich Unternehmen auf ihre Kunden und Geschäftspartner. Weihnachtskarten zu verschicken gehört zum guten Ton, wirklich ansprechende sind jedoch selten. Dabei wäre der jährliche Gruß eine gute Gelegenheit, wichtige Kontakte zu pflegen.

"Es ist unglaublich, was die Firmen in der Adventszeit verschicken", sagt Dieter Castenow von der gleichnamigen Werbeagentur aus Düsseldorf. "Die behandeln das Thema so nachlässig, dass es fast eine Beleidigung ist." "Blöd finde ich, wenn da nur ein Stempel als Unterschrift steht", sagt Ulrich Tödtmann, Prokurist beim Energieversorger MVV aus Mannheim. Für ihn ist die persönliche Nachricht genauso wichtig wie die äußere Form.

Umso wichtiger ist eine gute Mischung, da die Weihnachtskarten in diesem Jahr eine noch größere Bedeutung haben: Wer in schwierigen Zeiten dadurch auffällt, dass er großzügig Geschenke verteilt, "könnte auch ein falsches Signal setzen", sagt Wigan Salazar, Leiter Public Affairs bei Publicis Berlin.

Das Streichelschäfchen der Berliner Agentur hält sich dagegen von den Kosten her in einem vertretbaren Rahmen: Publicis verschickt rund 650 Karten an Medienvertreter sowie alte und potenzielle Kunden. Die Druckkosten belaufen sich auf 850 Euro. Das Lammfellchen klebten Auszubildende an einem Nachmittag auf die Karten. Die Idee dazu entwarfen die kreativen Junioren aus sämtlichen Vertretungen von Publicis in Deutschland.

Viel Arbeit also, um einen persönlichen Gruß im Corporate Design der Berliner Filiale zu verschicken. Nicht alle Unternehmen betreiben diesen Aufwand und organisieren die Weihnachtsgrüße zentral. Bei der Düsseldorfer Werbeagentur BBDO etwa bleibt es den Mitarbeitern selbst überlassen, wie sie sich an ihre Kunden wenden.

Eine Methode, die auch ins Auge gehen kann: Nicht jeder hat ein gutes Händchen oder Lust aufs Auswählen einer Grußkarte. "Die sollte sich aber aus der Masse an Sendungen hervorheben", sagt Salazar. Das müsse nicht unbedingt etwas Flippiges sein, auch dürfe die Marke des Unternehmens dezent abgebildet werden. "Die Unternehmen sollten auf alle Fälle die Chance nutzen, sich positiv in Erinnerung zu bringen."

Das dies nicht für die Katz ist, bestätigt auch Tödtmann von MVV. "Ich sammle immer alle Karten und lese sie mir Anfang des Jahres erneut durch. Das ist auch eine gute Gelegenheit, das vergangene Jahr noch mal Revue passieren zu lassen." Umso wichtiger ist es, dass Form und Inhalt ansprechend sind. "Die Geschäftsführung eines Unternehmens sollte unbedingt deutlich machen, dass sie den Weihnachtsgruß für ein wichtiges Instrument der Kontaktpflege hält", rät Salazar.

Weil dies meistens nicht der Fall ist, kürt Werbeagenturchef Castenow zusammen mit seinen Mitarbeitern die schlechteste Weihnachtskarte des Jahres. "Ein regionales Telekommunikationsunternehmen ist schon ziemlich dicht dran", witzelt er. Die Kreation "Grüner Stern von Bethlehem auf blauem Untergrund" kommt bei Castenow und seinen rund 20 Mitarbeitern am schlechtesten an: "Warum fallen die Unternehmen in der Adventszeit immer in so einen Folklorerausch?".

Beliebt sind leider auch Standardsätze wie: "Für die gute Zusammenarbeit möchten wir uns bedanken" oder oberflächliche Gefühlsduseligkeiten, etwa "Peace, Joy and Happiness" - alles vorgedruckt versteht sich. Wenn sich dann noch eine Karte an mehrere Personen gleichzeitig richtet, ist der negative Eindruck perfekt.

Publicis hat da mit seinen Streichelschäfchen sicher die besseren Karten. Angeblich war ein Bundestagsabgeordneter so begeistert, dass er das Schaf ausgeschnitten und auf den Schreibtisch gestellt hat. Vielleicht auch wegen der Aufforderung: "Wenn was schief läuft: Einfach schwarze Tinte über das Fell schütten, Schuld draufschieben und zum Sündenschaf machen."

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