Personal wird vor allem in verwandten Finanzdienstleistungssektoren gesucht
Der Leasingbranche fehlen Fachkräfte

Der Leasingbranche geht es recht gut. Sie verzeichnet schon seit Jahren überdurchschnittliche Zuwachsraten. Den Bedarf an Mitarbeitern kann sie nicht aus eigenen Reihen decken.

BAD HOMBURG. Konjunkturellen Widrigkeiten und einer zunehmenden Arbeitslosigkeit zum Trotz geht es der Leasingbranche gut. Sie verzeichnet seit Jahren überdurchschnittliche Zuwachsraten und kann den Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern auf Grund der hohen fachlichen und persönlichen Anforderungen und des schnell wachsenden Geschäfts nicht allein aus den eigenen Reihen decken. In der Branche sind nach Schätzungen eines Insiders 18 000 bis 20 000 Personen beschäftigt.

Nach dem jüngsten Leasing-Konjunkturtest des Ifo-Instituts gehen 23 % der befragten Gesellschaften von steigendem Personalbedarf aus, 73 % rechnen mit gleich bleibenden Beschäftigtenzahlen, und nur 4 % schätzen, dass die Zahl ihrer Mitarbeiter zurückgeht. Die Leasingwirtschaft teilt sich dabei in institutionelle Anbieter mit Banken- und Unternehmer-Background und Gesellschaften, die Herstellern und Händlern leasingtypischer Investitionsgüter wie Maschinen und Autos nahe stehen.

Nach Tätigkeitsbereichen unterscheidet man zwischen Mobilienleasing (hier zwischen Direkt- und Vertriebsleasing) sowie Immobilien- und Großanlagenleasing. Eine Sonderrolle spielt das Autoleasing, welches in Händler-, Flotten- und Full-Service-Geschäft aufgeteilt wird. Bisher kam etwa jede zweite D-Mark, die in der deutschen Wirtschaft durch Außenfinanzierung der Betriebe investiert wird, von einer Leasinggesellschaft.

Statistisch gesehen gibt es in Deutschland über 1 000 Leasinggesellschaften, Marktbedeutung haben jedoch nur weniger als 300. Davon repräsentieren die 230 im Bundesverband Deutscher Leasing e.V. -Unternehmen zusammengeschlossenen Unternehmen rund 95 % des Neugeschäfts. Gegliedert nach Ballungszentren sitzen die meisten Anbieter in Hamburg, gefolgt von München, Köln/Düsseldorf, Stuttgart und Frankfurt.

Dabei gibt es vielfältige Tätigkeitsbereiche in Leasinggesellschaften. Geschäftsführung und Vertrieb bzw. Kundenakquisition zur Gewinnung von Leasingnehmern bzw. Herstellern/Händlern bei Vertriebsleasing stehen als "Motoren" der Gesellschaften auf der Wertigkeitsskala ganz oben. Die Bonitätsprüfung zur Absicherung der Kunden-, Lieferanten- und Objektrisiken sowie etwaiger Vertragsrisiken ist nicht minder wichtig, entscheidet sich hier doch Wohl und Wehe der Leasingengagements. Die professionelle Vertragsabwicklung im Dreiecksverhältnis zwischen Leasinggesellschaft, Leasingnehmer und Lieferant sowie die Verwaltung der Vertragsbestände, oft über viele Jahre, schließt sich an.

Für die Verwertung der Objekte nach der Mietzeit, die entweder von dem Leasingnehmer oder vom Lieferanten übernommen oder am freien Markt angeboten werden können und für die Sanierung Not leidend gewordener oder leistungsgestörter Leasingverträge ist in der Regel ein gesonderter Bereich zuständig. Abgerundet werden die Einsatz- und Tätigkeitsbereiche durch Stabsstellen z.B. für Organisation/DV, Recht, Steuern und Personal sowie, last, but not least, durch den Bereich (Re-)Finanzierung und Rechnungswesen, der für das "Zahlenwerk" der Gesellschaften und die Mittelbeschaffung verantwortlich ist.

Bei den Autoleasinggesellschaften werden zusätzlich meist Organisationseinheiten für die Full-Service-Abrechnung und bei den Immobilienleasinggesellschaften Fachbereiche für die technische Projektsteuerung und das Baumanagement der Immobilien unterhalten.

Leasinggesellschaften sind überwiegend kleine und mittelständische Unternehmen, die meist nicht selbst ausbilden - den Leasingkaufmann als Lehrberuf gibt es noch nicht. Auf Grund ihrer Betriebsgröße bieten sie kaum Trainee-Programme an. Daher müssen Fach- und Führungskräfte vielfach von außen "eingekauft" werden. Doch die in den genannten Tätigkeitsbereichen nötige überdurchschnittliche Dienstleistungsbereitschaft, hohes Engagement, Servicedenken und Flexibilität sind in "verwandten" Dienstleistungssektoren wie Banken, Versicherungen, Bausparkassen meist nicht zu finden. Von fachlichen Defiziten ganz zu schweigen.

Der hohe Anspruch, den die Leasinggesellschaften stellen müssen, ergibt sich aus der Komplexität des Geschäfts, das durch steuer- und zivilrechtliche sowie betriebswirtschaftliche Besonderheiten und durch das "Dreiecksverhältnis" zwischen Kunde, Leasinggesellschaft und Lieferant eine überdurchschnittlich hohe Personalqualität in allen Bereichen erfordert. Mitarbeiter aus alternativen Finanzdienstleistungsbranchen, besonders aus Banken, die eigentlich geeignet wären, zögern oft, weil sie die vermeintliche Einseitigkeit der Spezialisierung scheuen und fürchten, dass ihnen der Weg zurück zum Generalisten versperrt wäre.

Dabei eröffnet gerade die Leasingbranche hervorragende Karrierechancen und kürzere Karrierewege als im Bankgeschäft. Wer sehr gut ist, schafft es schnell nach oben. Man muss aber dazu bereit sein, ständig auf den Kunden zuzugehen und sich mehr als gewöhnlich zu engagieren.

Das Konzept der systematischen Akquisition von Personal in verwandten Branchen fußt auf der Erfahrung, dass Fachkräfte bei einem Branchenwechsel stärker angespornt, motiviert und längerfristig gebunden werden. Sie werden in der Leasingbranche unvorbelastet, integrationsfähig und oft als "Querdenker", die vorhandene Strukturen in Frage stellen, akzeptiert. Weiter basiert die Idee auf der Voraussetzung, dass das suchende Leasingunternehmen bei den Mitarbeitern aus den Alternativbranchen gewisse fachliche Defizite akzeptiert, die in der Regel durch eine höhere persönliche Qualifikation und stärkeres Engagement der neuen Kollegen deutlich überkompensiert werden.

Dies trifft für Aufgaben im Vertrieb bzw. in der Kundenakquisition z.B. auf gestandene Außendienstmitarbeiter aus der Industrie- und Kreditversicherung zu. Aber auch auf erfolgreiche Verkäufer besonders leasingtypischer, hochwertiger Investitionsgüter, speziell im Bereich Vertriebsleasing, und auf Fachleute in der Immobilienakquisition und im Immobilien-Consulting für Investoren von Gewerbeimmobilien/Büroimmobilien auf höchstem Level, die im Immobilienleasing eingesetzt werden können.

Für das Auto- bzw. Flottenleasing eignen sich hervorragende Großkundenverkäufer in großen Autohäusern. Darüber hinaus zählen natürlich auch besonders agile Bank-Firmenkundenbetreuer, die Groß- und Mittelstandskunden akquirieren, zur Zielgruppe für alle Vertriebspositionen, vorausgesetzt, sie verfügen über eine echte Verkäuferpersönlichkeit und außergewöhnlichen Einsatzwillen.

Die Bonitätsprüfung (Risiko-Management) stellt eine Achillesferse jeder Leasinggesellschaft dar. Das schließt Kompromisse bei der fachlichen Eignung aus. Somit können hier vorrangig Kreditsachbearbeiter/-referenten aus dem Back Office der Banken und Sparkassen, aber auch analytische Kräfte aus der Debitorenprüfung von Factoring-Unternehmen und Kreditversicherungen berücksichtigt werden. Die Vertragsabwicklung und Bestandsverwaltung (Customer-Service) öffnet sich für Bestandsmanager in Sachversicherungen und für serviceorientierte Mitarbeiter mit Organisationstalent aus Branchen, deren Kunden über eine längere Zeit im Bestand sind. Aber auch Back-Office-Kräfte aus dem mittelständischen Firmenkundengeschäft der Banken kommen in Frage.

Kreative und durchsetzungsstarke Köpfe werden in der Verwertung und Sanierung von Leasingobjekten bzw. -engagements benötigt. Denn hier ist kaum ein Fall wie der andere. Wirtschaftlich denkende, agile Gerichtsvollzieher und Rechtspfleger, Mitarbeiter aus dem Kreditmanagement der Industrie, aus Sanierungsabteilungen der Banken, oder Maschinenhändler, die zupacken und selbstständig arbeiten, können in Betracht kommen.

Der Bereich Recht und Steuern kann selten mit bereits ausgebildeten Leasingspezialisten besetzt werden. Es bietet sich an, in den gehobenen und höheren Dienst der Finanzverwaltung und in den Kreis der jüngeren Steuerberater von WP/STB- Gesellschaften zu schauen. Oft findet man junge, tüchtige Mitarbeiter im Kreis der Steuerfachgehilfen aus Steuerkanzleien. Für (Re-)Finanzierungen und Rechnungswesen finden sich nicht nur in Spezialfinanzierungsabteilungen der Banken, sondern auch im Treasury und im Finanz- und Rechnungswesen von Handel, Dienstleistung und Industrie oft interessante Kandidaten.

Wer sich als Interessent in diesen Fallbeispielen wiederfindet, sollte einen Versuch wagen und sich bei einer Leasinggesellschaft oder bei den auf die Branche spezialisierten Personalberatungen bewerben. Sind die persönlichen Eigenschaften gegeben, dauert es in den meisten Fachbereichen der Leasinggesellschaften nicht lange, um sich ein solides, fachliches Fundament anzueignen, wenngleich diese Lernphase nicht unterschätzt werden darf.

Neben dem Learning by Doing gibt es eine Reihe von Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten, z.B. Seminare des Bundesverbands, die breit angelegte Ausbildung zum Leasingfachwirt oder zum Finanzierungs- und Leasingwirt VWA bei der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie in Freiburg.

_______________

Andreas H. Stephan, Stephan Unternehmens- und Personalberatung GmbH, Bad Homburg.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%