Personalchef der Hypo-Vereinsbank fordert vom Bund Anreize für den Wohnungsbau
Immer mehr Banken planen Entlassungen

Die anhaltende Börsen- und Konjunkturflaute zwingt die deutsche Kreditwirtschaft zur drastischen Senkung der Personalkosten. Nach Commerzbank und DZ Bank stehen nun auch bei der Hypo-Vereinsbank betriebsbedingte Kündigungen ins Haus. HVB-Personalvorstand Siebertz will das Tempo beim Stellenabbau weiter forcieren.

HB FRANKFURT/MÜNCHEN. Nach der Commerzbank und der DZ Bank in Frankfurt sind im Rahmen des angekündigten Stellenabbaus in der Kreditwirtschaft nun auch bei der Hypo-Vereinsbank betriebsbedingte Kündigungen wahrscheinlich. "In der Vergangenheit ist es uns immer gelungen, auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. Ich kann nicht versprechen, dass es ohne geht", sagte Paul Siebertz, Personalvorstand der Hypo-Vereinsbank gegenüber Volontären der Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten. Der Ergebnisdruck zwinge die Bank, die Kosten mit erhöhtem Tempo zu senken.

Bis 2004 sollen nach derzeitigem Stand 9100 der konzernweit 72 000 Stellen abgebaut werden. Vor allem im kommenden Jahr will Siebertz Stellen kürzen. In Deutschland sollen 170 Filialen geschlossen werden. "Wir dünnen unser Netz dort aus, wo es besonders dicht ist", präzisierte Siebertz die Pläne. Traditionell ist die Hypo-Vereinsbank besonders in Bayern und in den norddeutschen Gebieten der Vereins und Westbank - präsent.

Hypo-Vereinsbank, Dresdner, Deutsche Bank und Commerzbank haben bislang den Abbau von rund 30 000 Stellen angekündigt. Vor wenigen Tagen vermeldete auch die DZ Bank, die aus der Fusion von GZ und DG Bank hervorgegangen ist, 1000 der insgesamt 5300 Arbeitsplätze streichen zu müssen. Ein Sprecher des Instituts bestätigte, dass dazu auch auf betriebsbedingte Kündigungen zurückgegriffen werde. Seit Ankündigung der Fusion hätten 700 Mitarbeiter das Haus verlassen. Hierbei sei weitestgehend die natürliche Fluktuation ausgenutzt worden, sagte Christopher Pleister, Aufsichtsratsvorsitzender der DZ Bank.

Lediglich die Deutsche Bank und die Dresdner Bank halten offiziell bislang daran fest, ohne betriebsbedingte Kündigungen auszukommen. Nicht ohne Grund, denn sie sind kostspielig, weil sie Abfindungszahlungen nach sich ziehen. Die Unternehmensberatung Deloitte Consulting rechnet vor, das im Durchschnitt, je nach Länge der Betriebszugehörigkeit, 20 000 bis 50 000 DM je Mitarbeiter anfallen. Allein bei der Commerzbank fallen Restrukturierungskosten in Höhe von insgesamt 600 Mill. DM an.

Der Personalvorstand der Hypo-Vereinsbank will denn auch die ganze Palette an Instrumenten nutzen, mit denen die Bank auch nach ihrer Fusion im Jahr 1998 den Stellenabbau anging. "Hohe Abfindungen sind heutzutage nicht üblich", sagt er. Siebertz Problem: Die klassischen Instrumente, die für einen sozialverträglichen Stellenabbau bereit stehen, dürften weitgehend ausgereizt sein.

Stichwort Altersteilzeit: Inzwischen nutzen laut Siebertz bereits 800 Mitarbeiter im Alter zwischen 55 und 60 dieses Angebot. Insgesamt wurden bislang 1500 Stellen mithilfe dieses Verfahrens abgebaut. Die Beschäftigten der Hypovereinsbank sind im Branchenvergleich mit 36,3 Jahren jedoch überdurchschnittlich jung.

Auch weil dieses Verfahren in der Vergangenheit intensiv genutzt wurde, dürften die Spielräume jetzt geringer sein. Auch die Teilzeitquote mit rund 18 % ist bereits recht hoch. Seit April diesen Jahres gibt es bei den Münchnern eine Betriebsvereinbarung, mit der die Wochenarbeitszeit - etwa in einer Filiale - bis auf 31 Stunden abgesenkt werden kann.

Bislang wird davon der Bank zufolge jedoch kein Gebrauch gemacht. Da die Bank im ersten Jahr 70 und im zweiten Jahr 60 % der Einkommenseinbußen ausgleichen würde, ergäbe sich auf der Kostenseite erst auf längere Sicht eine Entlastung.

Hinrich Feddersen, Bundesvorstandsmitglied bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, hatte gefordert, Streichungen mit der Einführung der 31-Woche zu verhindern. Zuletzt hatte Verdi den Vorstand der DZ Bank dazu aufgerufen, den Stellenabbau mit Hilfe von Kurzarbeit anzugehen. Trotz der aktuell schwierigen Situation gebe es keinen Anlass, betriebsbedingte Kündigungen auszusprechen.

Bei der Hypo-Vereinsbank wird Siebertz zufolge die "virtuelle Beschäftigungsgesellschaft" eine besondere Rolle spielen. Über die HVB Transfair und die Tochterfirma HVB Profil sollen die Betroffenen über Projektarbeit und den Einsatz als "Springer" für neue Aufgaben qualifiziert oder an andere Banken und Unternehmen außerhalb des Konzerns vermittelt werden. Seit der Fusion wirkte HVB Transfair durchaus erfolgreich: Nur 6 % von 840 Mitarbeitern mussten den Konzern verlassen.

Inzwischen sei es jedoch wegen des schlechten Marktumfelds deutlich schwieriger, Mitarbeiter zu vermitteln, sagte Siebertz. Auch bei den Banken sei beim Stellenabbau das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. "Da ist noch einiges zu erwarten."

Auch Deutsche und Commerzbank haben derartige Transfergesellschaften. Die Deutsche Bank hat dazu mit dem Zeitarbeitsunternehmen Manpower das Unternehmen Bankpower gegründet, die Commerzbank kooperiert mit Adecco. Doch die Ergebnisse sind ernüchternd. Kaum ein Betroffener nehme das Angebot an, durch Zeitarbeit bei externen Unternehmen den dauerhaften Jobwechsel einzuleiten, berichtet Verdi-Bankenexperte Gerald Herrmann.

Um den Stellenabbau im Bereich der Immobilienfinanzierung abzufedern, forderte Siebertz von der Bundesregierung "entsprechende Anreize". "Wir brauchen den Wohnungsbau als Konjunkturlokomotive." Denkbar seien Maßnahmen wie zu Anfang der neunziger Jahre, etwa eine Erhöhung der degressiven Abschreibung.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%