Personalkarussell
EnBW-Finanzchef tritt zurück

Der drittgrößte deutsche Energieversorger Energie Baden-Württemberg (EnBW) verliert noch vor dem Abschied von Vorstandschef Gerhard Goll seinen Finanzvorstand. Der Aufsichtsrat habe den seit eineinhalb Jahren amtierenden Finanzvorstand Reinhard Volk auf eigenen Wunsch zum 30. Juni von seinem Amt entbunden, teilte EnBW am Mittwoch in Karlsruhe mit.

WiWo/ap KARLSRUHE. Volk hatte maßgeblich den ursprünglich für diesen Monat geplanten Börsengang vorbereitet, der im Januar kurzfristig verschoben worden war. Nach Ansicht von Branchenkennern rückt der Börsengang mit dem Abschied von Volk in noch weitere Ferne. Vor einer Woche hatte Vorstandschef Goll spätestens für Mitte 2003 seinen Rückzug in den Ruhestand angekündigt.

Eine Begründung für den Rücktritt von Volk gab EnBW nicht. Ein Nachfolger solle in Kürze benannt werden, hieß es lediglich. Vorstandschef Goll drückte sein Bedauern über den Schritt aus: "Herr Dr. Volk hat in der Zeit seiner Tätigkeit für EnBW vieles angestoßen und erreicht", erklärte er. Der 51-jährige Volk, der vorher Geschäftsführer der Expo GmbH war, hatte erst im Februar eine Anleihe über 1,75 Milliarden Euro in zwei Tranchen erfolgreich platziert. Mit dem Bond will EnBW die Übernahme der Neckarwerke Stuttgart finanzieren.

Mit der geplanten Erhöhung des Streubesitzes auf 20 bis 25 von derzeit 1,6 Prozent hätte der Karlsruher Energieversorger seine Unabhängigkeit von dem bisher beherrschenden Aktionär Electricite de France (EdF)vergrößert. Der scheidende Vorstandschef Goll gilt als Verfechter der Unabhängigkeit des Unternehmens. In einem Interview hatte er in der letzten Woche gefordert, sein Nachfolger müsse darauf achten, dass aus der Partnerschaft mit den Franzosen kein "Vasallentum" werde. Die Suche nach einem neuen Mann an der Spitze werde sich noch einige Zeit hinziehen, hatte es zuletzt aus dem Aufsichtsrat geheißen.

Zwar hält der französische Staatskonzern nach der Übernahme des Landesanteils seit Juli 2000 nur 34,5 Prozent der Anteile an der 1998 aus einer Fusion entstandenen EnBW, hat diese aber mit der exakt gleich hohen Beteiligung der Oberschwäbischen Elektrizitätswerke (OEW) gepoolt, an der neun Landkreise in Ost- und Süd-Württemberg beteiligt sind.

Die Demission von Volk und Goll deute darauf hin, dass sich die EdF mit ihrem Widerstand gegen einen Börsengang durchgesetzt habe, hieß es in Frankfurter Investmentbank-Kreisen. Nach deren Angaben hat die EdF die Option, das Paket der OEW zu einem hohen Preis in den nächsten zwei Jahren zu übernehmen. Ein Sprecher der EnBW bestritt eine derartige Absprache. Die beiden Personalien hätten nichts miteinander zu tun. EnBW wolle seine Börsenpläne wieder aufnehmen, so bald sich eine mittelfristig stabile Lage an den Märkten abzeichne. "Wir beobachten die Entwicklung." Der von den OEW gestellte EnBW-Aufsichtsratschef Wolfgang Schürle, im Hauptberuf Landrat des Alb-Donau-Kreises (Ulm), war für eine Stellungnahme am Mittwoch nicht zu erreichen.

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