Personalsorgen ebben nicht ab
Völler hält den Ball wieder flach

Die Erfahrungen des Hinspiels im Kopf und die Bedeutung des Rückspiels in Hamburg vor Augen hat DFB-Teamchef Rudi Völler zehn Tage vor dem "Endspiel" gegen Island erneut davor gewarnt, die Skandinavier zu unterschätzen.

HB BERLIN. "Island ist wie eine Reihe anderer Nationalteams viel stärker als noch vor zehn Jahren", sagte der DFB-Teamchef vier Wochen nach seiner Wutrede von Reykjavik. Am Donnerstag will er in Frankfurt/Main sein Aufgebot für das entscheidende EM-Qualifikationsspiel am 11. Oktober gegen die Nordländer bekannt geben. Deutschland reicht ein Remis, um sich als Sieger der Gruppe fünf direkt für die EM-Endrunde 2004 in Portugal zu qualifizieren. Beim Hinspiel in Reykjavik hatte der Vize-Weltmeister nur mit großer Mühe und Glück ein 0:0 erreicht.

"Es geht ans Eingemachte", erklärte Völler in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" (Mittwoch-Ausgabe) und verdeutlichte damit, dass er in der Partie in der ausverkauften Hamburger AOL-Arena (17.00 Uhr/ZDF) trotz der guten Ausgangsposition große Brisanz sieht. Als Warnung führte er das Beispiel der tschechischen Mannschaft an, die vor allem mit einem 1:3 gegen die Isländer die WM 2002 verpasst hatte. Zudem habe das eigene 1:1 in der laufenden Qualifikation zu Hause gegen Litauen eine wichtige Erfahrung vermittelt: "Weil es gezeigt hat, dass wir nur mit Leidenschaft und Laufbereitschaft alles herausholen können", unterstrich Völler.

Zudem plagen den Teamchef zum Gruppen-Finale erneut Personalsorgen: Neben den Langzeitverletzten Dietmar Hamann, Torsten Frings, Christian Ziege, Jörg Böhme, Paul Freier sowie den Rehabilitanden Christoph Metzelder und Sebastian Deisler stehen auch Jens Nowotny (Formrückstand) sowie Jens Jeremies (Entzündung im Knie) und Tobias Rau (Oberschenkelverletzung) nicht zur Verfügung. An eine verpasste Qualifikation verschwendet Völler aber ebenso wenig einen Gedanken wie an ein mögliches Scheitern bei der EM 2004 und der WM 2006, womit auch der bei den Fans beliebte Völler zum Buhmann werden könnte: "Wenn du dich zu sehr damit beschäftigst, verlierst du den Blick für das Wichtige."

Mit den heftigen öffentlichen Reaktionen auf seinen verbalen Rundumschlag in Island sei ihm aber bewusst geworden, "was auf uns alle und besonders auf mich zukommt, wenn 2006 die WM im eigenen Land ist", bekannte Völler. Als Fehler sieht er seine harsche Abrechnung mit den Kritikern um Günter Netzer weiterhin nicht: "Ich bin nicht stolz darauf, die meisten Leute haben jedoch verstanden, was ich gemeint habe." Weiter aber wolle er sich zu den Ereignissen von Reykjavik nun nicht mehr äußern.

Sportlich erwartet Völler vor dem "Endspiel" gegen die Isländer vor allem, dass mehr Spieler als zuletzt Verantwortung übernehmen. Michael Ballack, der bei den letzten Länderspielen nicht in der Form war, "wie wir ihn gerne hätten", müsse unterstützt werden, sagte Völler: "Er braucht ein paar weitere Spieler, die diese Last mittragen können." Insgesamt habe Ballack seit den K.o.-Spielen um die WM-Teilnahme gegen die Ukraine "eine super Entwicklung genommen, er ist ein absoluter Führungsspieler". Der Bemerkung von Netzer, Ballack habe wegen seiner DDR-Mentalität Führungsmängel, widersprach der Teamchef erneut resolut: "Das war zu heftig."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%