Personelle Konsequenzen gelten als sicher
Düsseldorf sucht Nachfolger für Sengera

Die nordrhein-westfälische Landesregierung will Konsequenzen aus der Schieflage der WestLB in London ziehen. Nach Handelsblatt-Informationen wackeln die Stühle von Vorstandschef Sengera und drei weiteren Vorstandsmitgliedern.

fs/ms/pk/pot/uhl FRANKFURT/M. Die Topmanager der WestLB müssen wegen der Rekordverluste des Instituts um ihre Posten bangen. In Berliner Regierungskreisen hieß es, Sengeras Posten stehe auf der nächsten Aufsichtsratssitzung zur Disposition. Auslöser der Turbulenzen ist die Schieflage des Bereichs Sonderfinanzierungen, der von der früheren Star-Investmentbankerin Robin Saunders geführt wird.

Wie das Handelsblatt erfahren hat, ist die Suche nach einem Nachfolger für Sengera bereits angelaufen. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Peer Steinbrück habe die Angelegenheit zur Chefsache erklärt. Ein Sprecher des Regierungschefs lehnte eine Stellungnahme ab. Die WestLB gehört der Landesbank NRW, die wiederum zu 43 % im Besitz des Landes ist. Die übrigen Eigentümer sind je zwei regionale Sparkassenverbände und Landschaftsverbände.

In die Schusslinie geraten sind nach Angaben aus Düsseldorfer Landtagskreisen außer Sengera auch die WestLB-Vorstände Adolf Franke und Andreas Seibert, die für Risikomanagement beziehungsweise Global Specialized Finance verantwortlich sind. Auch Vorstand Johannes Ringel, seit Anfang des Jahres direkter Vorgesetzter von Saunders, gilt als gefährdet. "Dann wäre die Bank in kürzester Frist vier Vorstände los. Das würde die Bank vollends in Schwierigkeiten bringen", sagte ein Landtagsabgeordneter, der mit den Vorgängen befasst ist. Auch im Eigentümerkreis der Bank gelten "personelle Konsequenzen im Vorstand als sicher".

Über die Zukunft von Vorstandschef Sengera wird nach Angaben aus Eigentümerkreisen schon in zwei bis drei Wochen entschieden, wenn die Untersuchung der Londoner Geschäfte von Saunders abgeschlossen ist. Dabei handelt es sich um eine Sonderprüfung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). Auf dem Prüfstand steht das Beteiligungsgeschäft beim TV-Leasinganbieter Boxclever. Wegen Abschreibungen in Höhe von 430 Mill. Euro musste die WestLB ihren Verlust für das Geschäftsjahr 2002 nachträglich auf 1,7 Mrd. Euro nach oben korrigieren - das war der höchste Verlust aller deutschen Banken im vergangenen Jahr. Nach Abschluss der Bafin-Prüfung soll eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung einberufen werden.

Ein Sprecher der WestLB sagte dagegen, es habe bisher keine Personaldiskussion stattgefunden. Allerdings wurde in Eigentümerkreisen betont, dass sich die Kritik an Sengera vor allem in den Sparkassenverbänden, aber auch in den Landschaftsverbänden verschärft habe. "Sengera steht mit Sicherheit nicht mehr in der Sonne", sagte ein Insider. Ende der neunziger Jahre habe Sengera als Vorstand die Saunders- Geschäfte mit verantwortet. Auch der nordrhein-westfälische Finanzminister Jochen Dieckmann, der künftig das Land im Aufsichtsrat der Bank vertreten wird, verlangt Aufklärung über Sengeras Rolle.

Der Vorstandschef könnte damit über eines seiner ambitioniertesten Auslandsprojekte stolpern. Getrieben vom Ehrgeiz, die Düsseldorfer Bank zu einem wichtigen Akteur auf der internationalen Finanzbühne zu machen, hielt das damalige Vorstandsmitglied seit Ende der neunziger Jahre seine schützende Hand über die Londoner Filiale. Auch Saunders hatte Sengera gleich auf ihrer Seite, als sie 1998 von der Deutschen Bank zur WestLB stieß. Nach einer Reihe spektakulärer Erfolge kamen bei der Finanzierung des Wembley-Stadions erste Zweifel an ihren Transaktionen auf. Weitere Kritik entzündete sich am Salär der Starbankerin. In Londoner Finanzkreisen wird kolportiert, Saunders habe im vergangenen Jahr 15 Mill. Pfund (rund 21 Mill. Euro) verdient.

Eine kleine Chance wird Sengera gleichwohl noch eingeräumt. Im Umfeld der Bank hieß es, er könne möglicherweise dann überleben, wenn sich keine personelle Alternative böte. In Teilen des Vorstands werden auch seine Erfolge beim Umbau der Bank, die sich auf den Wegfall der Staatsgarantien im Jahr 2005 vorbereitet, und die Fortschritte bei den Kostensenkungen herausgestellt.

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