Personeller Umbruch hinterlässt Spuren
Der Trainer tanzt nicht mehr

Ende der Euphorie beim VfL Bochum: Das Team von Trainer Neururer steckt nach dem 0:1 in Mainz mitten im Abstiegskampf. "Peter der Große", wie er vergangenen Saison liebevoll getauft wurde, denkt inzwischen sogar an Rücktritt.

MAINZ. Die Hände waren tief in der Hosentasche vergraben. Sein Blick ging ins Leere. Stocksteif stand er auf dem Feld und schaute in seiner offenen Lederjacke beinahe traurig seinen Fußballern beim Aufwärmen zu. Der Trainer tanzt nicht mehr am Spielfeldrand, so wie man es von ihm kennt. Peter Neururer, eigentlich ein extrovertierter Typ, ahnte wohl schon vor dem Spiel im Mainzer Bruchwegstadion, was auf ihn zu kommen würde. Auch während des Spiels änderte sich die Pose vom Trainer des Fußball-Bundesligisten VfL Bochum kaum. Hier und da mal ein paar zaghafte Anweisungen. Und immer die offene Jacke, als wolle er dem eisigen Wind trotzen. Wahrscheinlich hat er ihn gar nicht mehr wahrgenommen, so geschockt war er von der Leistung seiner Mannschaft in der ersten Halbzeit.

"Für diese erste Halbzeit kann ich mich nur bei den Fans entschuldigen", sagte Neururer nach der 0:1-Niederlage bim FSV Mainz 05 durch das Tor von da Silva nach 19 Minuten. Und es hätten durchaus zwei bis drei Gegentore mehr sein können. "Unsere Offensive und vor allem unser Mittelfeld fielen völlig aus", schimpfte Neururer nach der Partie. Lange nahm er sich Zeit für die Journalisten und stellte sich der Situation. Und diese Situation heißt Abstiegskampf pur. Mit großen Ambitionen waren die Bochumer in die Saison gestartet - und sind nur deshalb nicht Letzer, weil die Konkurrenten im Abstiegskampf ebenfalls patzten. Das unglückliche Ausscheiden im Uefa-Pokal gegen Lüttich will Neururer nicht als Grund für die schwachen Leistungen gelten lassen. "Das war ein psychologischer Hammer, aber das ist nicht der Grund für das schlechte Spiel heute", sagte Neururer.

Hoffnung hatten die Bochumer gesammelt nach dem guten Auftreten beim 1:3 gegen den FC Bayern vor einer Woche, wo der VfL bis kurz vor Schluss geführt hatte.

"Aber exakt dieselbe Mannschaft spielt dann hier so eine erste Halbzeit", sagte Neururer. Er hatte dem Team in der Halbzeitpause die Meinung gesagt. Danach lief es besser - für einen Sieg reichte es nicht. Rückendeckung bekam Neururer von Manager Dieter Meinhold: "Er hat in der Halbzeit deutliche Worte gefunden und richtig ausgewechselt. Er hat für den Verein viel getan und wir werden auch da wieder gemeinsam raus kommen, deshalb haben wir keine Trainerdiskussion in Bochum." Und wenn, dann würde Neururer diese Diskussion selbst anstimmen. "Wenn ich merke, dass ich die Mannschaft nicht mehr erreiche und keinen Einfluss mehr habe, dann wäre ich fehl am Platz", stellte Neururer klar. "Aber so weit sind wir noch lange nicht."

Ein Grund für die sportliche Krise ist sicherlich der personelle Umbruch. Wichtige Spieler wie Hashemian und Fahrenhorst sind gegangen und vermeintlich gute Neue wie Preuß oder Lokvenc sind gekommen. "Das war am Anfang schwierig, aber in den vergangenen Wochen habe ich schon Fortschritte gesehen", sagt Manager Meinhold. Nur in Mainz waren sie kaum zu sehen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%