Personenwagen-Sparte Mercedes-Benz hält den Autokonzern auf der Spur: Daimler lebt von der Substanz

Personenwagen-Sparte Mercedes-Benz hält den Autokonzern auf der Spur
Daimler lebt von der Substanz

Daimler-Chrysler ist zwar wieder in den schwarzen Zahlen. Doch auf Konzernchef Jürgen Schrempp wartet noch viel Arbeit. Den Druck der Aktionäre wird er auf der Hauptversammlung zu spüren bekommen. Ein Blick in den Geschäftsbericht zeigt: Der Konzern zehrt weiter von seinem Vermögen.

STUTTGART. Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp bläst trotz seiner Sanierungserfolge kräftig der Wind ins Gesicht. Das wird er auf der Hauptversammlung am Mittwoch zu spüren bekommen. Der Autohersteller erwartet im Berliner Kongresszentrum rund 10 000 Aktionäre - unzufriedene institutionelle Anleger und Kleinaktionäre. Das drückt sich auch im Kurs der Daimler-Aktie von 29 Euro aus, der sich seit der letzten Hauptversammlung halbiert hat.

"Zetsche leistet bei der Sanierung von Chrysler einen tollen Job", räumt Karl Huber, Portfoliomanager bei Activest, der Fondsgesellschaft der Hypo-Vereinsbank, zwar ein. Doch er zweifelt weiter an Schrempps Vision der Welt-AG. Zumindest für die Anleger habe sich das Vorhaben bisher nicht gelohnt.

Ähnlich argumentiert Harald Sporleder, Fondsmanager bei der Allianz Dresdner Asset Management. Was Daimler derzeit operativ mache, sei zwar richtig. Das täusche aber nicht darüber hinweg, dass der Konzern immer noch eine große Baustelle sei. Dabei liege die Übernahme von Chrysler fünf Jahre zurück. Kritisch äußert sich auch der Vertreter der Kleinaktionäre, Jörg Pluta, von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz: "Von den selbst gesteckten Renditezielen ist man weit entfernt."

Denn Daimler zehrt weiter von seinem Vermögen. Das ist sehr bitter für Schrempp. In den 90er Jahren war er schließlich einer der Vorreiter des Shareholder-Value-Konzepts in Deutschland. Nach diesem Konzept schafft ein Unternehmen nur Mehrwert für die Aktionäre, wenn es so viel Gewinn erwirtschaftet, dass sein Kapital ordentlich verzinst wird. Aber einzig die Mercedes Car Group, zu der auch der Winzling Smart und die Nobelkarosse Maybach gehören, erreicht dieses Ziel. Portofolio-Manager Huber: "Mercedes hält alles über Wasser."

Daimler-Chrysler hat im vergangenen Jahr die Messlatte für die Mindestverzinsung des eingesetzten Kapitals auf 8 % nach Steuern gelegt. Doch es wurden im Konzern nur 6,7 % erreicht, die Kapitalkosten wurden somit nicht verdient. "Wir sind damit nicht zufrieden", räumte Finanzchef Manfred Gentz auf der Bilanzpressekonferenz im Februar offen ein. Und Fondsmanager Sporleder stellt fest: "Solange Daimler seine Kapitalkosten nicht verdient, hat das Unternehmen noch viele Aufgaben zu bewältigen."

Konzernchef Schrempp misst den Erfolg der Sparten an der Verzinsung des eingesetzten Kapitals vor Steuern. Die Industriesparten müssen mindestens 13 % erreichen, die Finanzdienstleistungssparte 14 %. Einsame Spitze ist die Mercedes Car Group mit 25 %. Alle anderen Sparten erreichen das Klassenziel nicht. Sanierungsfall Chrysler kam 2002 auf 6,8 %. Die Finanzdienstleistungen, also das umfangreiche Geschäft mit Leasing und Autokrediten, schafften nur 10,6 %.

Schlecht sieht es bei den Nutzfahrzeugen aus. Dort darf sich Daimler-Chrysler zwar weltweit als Nummer eins bezeichnen, schaffte aber nur eine magere Kapitalrendite von 2,1 %. Nicht nur die US-Nutzfahrzeugtochter Freightliner muss wieder flott gemacht werden. Auch die europäischen und südamerikanischen Mercedes-Laster und die Busse leiden unter der schlechten Konjunktur. Schrempps Rechnung zeigt auf, wo die Probleme stecken, wenn auch der Jahresabschluss auf den ersten Blick Entwarnung gibt. Der Autokonzern wies 2002 einen Jahresüberschuss von 4,7 Mrd. Euro aus, nachdem er 2001 einen Verlust von 662 Mill. Euro verbucht hatte.

Damit können sich Schrempp und sein Finanzchef Gentz wieder auf eine gesündere Basis stützen. "Die Bilanzstruktur hat sich deutlich verbessert", bestätigt Maria Bissinger von der Rating-Agentur Standard & Poor?s. Die Schulden wurden durch ein hartes Finanzmanagement reduziert. Das zeigt sich besonders bei den Finanzdienstleistungen, die bei Autokonzernen eine wichtige Rolle spielen.

Der Verkauf von Beteiligungen habe die Kassenlage verbessert. Für die restlichen Anteile am Debis Systemhaus und am Elektronikzulieferer Temic nahm Daimler 5,1 Mrd. Euro ein. Seither verfügt der Konzern wieder über eine positive Nettoliquidität: Das Guthaben übersteigt die Finanzschulden. Dabei haben die Stuttgarter 1,1 Mrd. Euro an ihren Pensionsfonds überwiesen. Die Löcher bei Daimler-Chrysler sind allerdings nicht so groß wie bei General Motors oder Ford. "Die Pensionsverpflichtungen sind bei Daimler wesentlicher überschaubarer", bestätigt Bissinger.

Quelle: Handelsblatt

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