Personenwahlkampf angestrebt
Schröder klammert sich an seine Popularität

Nicht auf die SPD, sondern auf ihren Kanzler kommt es an. Nach der Niederlage der Partei in Sachsen-Anhalt will Gerhard Schröder den Wahlkampf ganz auf seine Person und das Duell mit Stoiber zuschneiden.

BERLIN. Wenn sich der Kanzler da nur nicht irrt. "Wollt Ihr Schröder?" – "Nein", ruft das Publikum. "Wollt Ihr Stoiber?" – "Nein", schallt es erneut. "Ja, was wollt Ihr denn?" – "Maoam", brüllen die Leute in dem berühmten Werbespot.

"Gar nichts", meinten hingegen 46 Prozent der Wahlberechtigten in Sachsen-Anhalt - und gingen nicht zur Wahl. Also, was denn? Westerwelle statt Maoam?

Für Gerhard Schröder jedenfalls ist seit der schmerzlichen Niederlage vom Sonntag ganz klar, was er künftig will. Es werde einen stark personalisierten Bundestagswahlkampf geben, betonte der Kanzler und SPD-Chef gestern in Berlin. Am Ende gehe es im Bundestagswahlkampf um die Frage: "Wollt Ihr weiterhin Bundeskanzler Schröder oder wollt Ihr den Stoiber?" Damit zielt Schröder auf seine im Direktvergleich zu Stoiber deutlich besseren Popularitätswerte, während die SPD im Vergleich der Parteien weiterhin klar hinter der Union liegt.

Im Zuge der geplanten Personalisierung des Wahlkampfs soll nach dem Willen der SPD auch die Auseinandersetzung mit der Union deutlich verschärft werden. "Wir müssen jetzt härter gegen Stoiber vorgehen", forderte SPD-Fraktionschef Peter Struck. Der Unionskandidat müsse "sich endlich im Bundestag stellen". Auch SPD-Generalsekretär Franz Müntefering will "den Helm fester schließen". Für die SPD gebe es "keinen Wahlspaziergang, sondern einen Wahlkampf".

Genau wie sein Generalsekretär sieht auch der Kanzler die Ursache der schmerzlichen Niederlage von Magdeburg in der Landespolitik und dem dortigen Personal. Außerdem habe Unionskandidat Edmund Stoiber eine "Stimmungskampagne" gegen Sachsen-Anhalt geführt, klagte Müntefering vor der Presse.

Schröder flieht vor den Medien

Schröder selbst scheute gestern einen Auftritt vor den Medien. Er habe sich nur kurz mit dem inzwischen von allen Ämtern zurück getretenen Wahlverlierer Reinhard Höppner vor den Kameras zeigen wollen, hieß es in der SPD.

Müntefering räumte ein, dass das überraschend schlechte Wahlergebnis wie ein "Eimer kaltes Wasser" gewirkt habe. "Das erschreckt, wirft einen aber nicht um." Zugleich warnte er Stoiber davor, den in Sachsen-Anhalt begonnenen "Miesmacher-Wahlkampf" auf Bundesebene auszudehnen. Der Generalsekretär warf dem Unionskandidaten vor, er sei angetreten, um Deutschland im Wahlkampf schlecht zu reden. Mit Blick auf das Frühjahrsgutachten der Wirtschaftsforschungsinstitute betonte er, es bestehe eine gute Chance, aus der wirtschaftlichen Talsohle heraus zu kommen. Er sei im übrigen zuversichtlich, dass die den Urnen oder der SPD in Sachsen-Anhalt ferngebliebenen Wähler bei der Bundestagswahl dennoch für Schröder stimmen würden.

Als schwerwiegendstes Ergebnis der Landtagswahl wird in der SPD die Veränderung im Bundesrat gesehen. Mit einer CDU/FDP-Koalition in Magdeburg erhalten die unionsgeführten Länder eine Stimmenmehrheit in der Länderkammer. Müntefering warnte die Union vor einer Blockadepolitik.

Nach Einschätzung der Wahlforscher ist die Landtagswahl kein Probelauf für den Bund. Es werde aber jetzt für die SPD schwerer, bis zum 22. September aus der Defensive herauszukommen. Die Ursachen für das Desaster liegen hauptsächlich im Land, meinen die Demoskopen. 61 Prozent der Wähler hätten aus landespolitischen Erwägungen heraus entschieden. In dem Ergebnis spiegele sich vor allem die Enttäuschung über die Regierung und die schlechte Wirtschaftslage. In den Kernfeldern Arbeitsmarkt und Wirtschaft liege die Union und die FDP klar vorne. Beide profitierten zudem von einem starken Zuspruch der Jungwähler.

Daniel Goffart
Daniel Goffart
Handelsblatt / Ressortleiter
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