Personenwahlkampf der Grünen erfolgreich
Forscher: Schröder beliebter - Stoiber kompetenter

Das Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen SPD und Union hat nach Meinung von Experten seine Gründe vor allem in der großen Popularität von Bundeskanzler Schröder und der höher eingeschätzten Wirtschaftskompetenz von Herausforderer Edmund Stoiber.

HB/dpa BERLIN. Schröder habe seinen Vorsprung bei der Beliebtheit vor Stoiber zuletzt weiter ausbauen können, teilte die Forschungsgruppe Wahlen in einer ersten Analyse für dpa am Sonntagabend mit. Diese Überlegenheit konnte Stoiber mit seinem Vorteil bei der Wirtschafts- und Arbeitsplatzkompetenz zum Teil kompensieren.

Parteienforscher interpretierten das Patt ähnlich. Der Hamburger Politologe Joachim Raschke sprach von einem "Wahlergebnis der Ratlosigkeit" bei den Wählern. "Sie können sich Stoiber nicht als Kanzler vorstellen und Schröder seine schlechte Leistungsbilanz bei der Arbeitslosigkeit nicht verzeihen", sagte er.

SPD-Anhänger enttäuscht

Der Marburger Politikwissenschaftler Theo Schiller sieht in der Enttäuschung bei den SPD-Anhängern den Hauptgrund für die Verluste der Sozialdemokraten. Dies sei auch die Ursache für den überraschend deutlichen Erfolg der Grünen, sagte er im Hessischen Rundfunk. Wegen enttäuschter Erwartungen in der Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik seien viele Wähler weggeblieben.

Die Zugewinne der Union resultierten laut Forschungsgruppe unter anderem aus Stimmengewinnen in der klassischen Wählerschaft der SPD: Bei den Arbeitern konnte die Union um 7 Prozentpunkte zulegen. Die SPD hingegen erlitt überdurchschnittliche Verluste bei den Arbeitern (minus 5). Die Union wurde im Westen der Republik stärkste Partei, landete aber im Osten weit hinter der SPD. Im Vergleich zur Wahl vor vier Jahren konnten sich CDU/CSU im Westen um rund 3 Punkte verbessern. Die SPD wiederum erreichte im Osten ein Plus von rund 4 Punkten und verlor 4 Punkte im Westen.

Personenwahlkampf der Grünen erfolgreich



Die deutlichen Zugewinne der Grünen seien vor allem das Ergebnis des taktischen Wahlverhaltens von SPD - und Grünen-Anhängern, erklärte die Forschungsgruppe. Hier habe sich ein Erfolg eines erstmals von den Grünen forcierten Personenwahlkampfes mit Spitzenkandidat, Außenminister Joschka Fischer, gezeigt. Dieser habe Befürchtungen im rot-grünen Wählerlager aktiviert, das eine mögliche rot-gelbe Koalition entschieden ablehnt.

Die Grünen haben nach Ansicht des Düsseldorfer Parteienforschers Ulrich von Alemann ein "sensationelles Wahlergebnis" erzielt. Mit Zuwächsen von etwa 2 Prozentpunkten hole die Partei ihr bestes Ergebnis überhaupt bei Bundestagswahlen, sagte er im Westdeutschen Rundfunk. Sein Kollege Raschke sprach von einer idealen Ausgangssituation für die Grünen. Das Hochwasser und der drohende Irak-Krieg seien ihre Themen gewesen. "Sie hätten auch ohne Joschka Fischer gut abgeschnitten."

Möllemann-Eklat kostet FDP Stimmen

Das enttäuschende Ergebnis der FDP führten die Forscher unter anderem auf den Eklat um FDP-Vize Jürgen Möllemann zurück. Am Freitag hätten 48 Prozent der Wähler den Rücktritt von Möllemann von seinen Parteiämtern befürwortet, berichtete das ZDF. Raschke sagte zum Abschneiden der FDP: "Wenn ihre Wähler nicht wissen, ob die Partei sie zu Stoiber, Schröder oder Haider führt, hat sie schon halb verloren." Möllemann hatte mit Kritik an Israel und an dem Vize- Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Michel Friedman, scharfe Reaktionen hervorgerufen.

Das Scheitern der PDS an der 5-Prozent-Hürde hat nach Ansicht von Experten vor allem personelle Gründe - den Rücktritt von Gregor Gysi von seinem Amt als Berliner Wirtschaftssenator. Der Politologe Karl- Rudolf Korte sagte in der ARD: "Ohne Kopf ist eine Partei nicht wählbar." Raschke machte auch den "unglaubwürdigen Abgang von Gregor Gysi" für die Schwäche verantwortlich. Zudem hätten ihr SPD und Grüne ihr diesmal das Friedensthema weggenommen. "Sie ist dabei, ihre Rolle als Protestpartei zu verlieren."

Den Erfolg der SPD bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern führen die Analytiker vor allem auf die Beliebtheit von Regierungschef Harald Ringstorff (SPD) zurück. Trotz großer wirtschaftlicher Probleme und der hohen Arbeitslosigkeit zeigten sich nach einer ZDF-Umfrage 67 Prozent der Wähler zufrieden mit der Arbeit von Ringstorff. Die erheblichen Stimmeneinbußen der PDS sind nach Meinung des Rostocker Parteienforschers Nikolaus Werz auch auf den "Gysi-Effekt" zurückzuführen.

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