Pessimismus breitet sich aus
Euro stürzt nach Ifo-Daten ab

Die Stimmung in der Wirtschaft Westdeutschlands ist so schlecht wie zuletzt im Mai 1999. Die Konjunktur trübt sich nachhaltig ein. Der Druck auf die EZB steigt, die Zinsen erneut zu senken. Die Wachstumsprognose wurde auf weniger als 2 % reduziert.

HANDELSBLATT, ari/pw FRANKFURT/M. Der Kurs des Euros ist im Gefolge schlechter Konjunkturdaten aus dem Euro- Raum auf ein Sechs-Monats-Tief zum Dollar gefallen. Bei Verlusten von rund einem US-Cent sank die europäische Währung gestern bis auf 86,5 US-Cent. Seit Jahresbeginn hat der Euro damit rund 8 % gegenüber dem Dollar verloren. Stefan Schneider von Deutsche Bank Research rechnet damit, dass der Euro-Kurs in den nächsten zwölf Monaten zwischen 85 und 90 US-Cent schwanken wird.

Den Absturz des Euros löste die deutliche Stimmungsverschlechterung in der gewerblichen Wirtschaft Westdeutschlands aus. Der Ifo-Geschäftsklima-Index für April fiel von 93,9 auf 92,5 Punkte, stärker als erwartet. Der Saldo aus positiven und negativen Stimmen rutschte von minus 7,3 auf minus 10,1 Prozentpunkte. Das ist der tiefste Wert seit Mai 1999. Nach Ansicht des Ifo-Instituts hat die deutsche Konjunktur ihren Tiefpunkt noch nicht erreicht. Der Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Juergen B. Donges, hält es für unwahrscheinlich, dass Deutschland beim Wachstum dieses Jahr noch eine zwei vor dem Komma erreicht.

Auch die Deutsche Bundesbank spricht im Monatsbericht Mai von einer "deutlichen Abkühlung" des Konjunkturklimas. Im ersten Quartal hätten die Firmen ihren Auftragsbestand abgearbeitet, so dass sich die gesamtwirtschaftliche Produktion "noch relativ gut" gehalten habe. Die Bundesbank schätzt das Wachstum im ersten Quartal auf rund 0,5 % zum Vorquartal. Das Statistische Bundesamt wird heute seine offiziellen Daten veröffentlichen.

Mit den schlechten Nachrichten aus Deutschland, der größten Wirtschaft im Euro-Raum, kommt die Europäische Zentralbank (EZB) zusätzlich unter Druck, ihre Zinsen zu senken. "Je früher, um so besser", fordert Willi Leibfritz vom Ifo-Institut. Er hält wie Schneider eine weitere Senkung um 25 Basispunkte für gerechtfertigt. Die EZB hatte die Zinsen am 10. Mai um 25 Basispunkte auf 4,5 % gesenkt. Für die heutige Sitzung des EZB-Rats rechnen Analysten jedoch noch nicht mit einem Zinsschritt.

Denn die negativen Inflationsnachrichten aus Euro-Land halten an. Schätzungen für die Mai-Teuerung in Italien zeigen nur eine leichte Beruhigung. Brandenburg meldete für Mai einen Anstieg um 0,7 % zum Vormonat. Analysten rechnen für Mai im Euro-Raum mit einer Beschleunigung der Inflation von 2,9 % auf mindestens 3 %. Erst ab Juni wird ein Rückgang erwartet.

Mit Sorge betrachten die Volkswirte die angesichts der Eskalation im Nahen Osten steigenden Ölpreise. Zusammen mit dem schwachen Euro könnte dies die EZB von Zinssenkungen abhalten, sagt Michael Heise von der DG Bank. Schneider hingegen sieht im Euro-Kurs kein Hindernis für die Geldpolitik. Erst wenn der Euro dauerhaft unter 85 US-Cent falle, seien damit neue Preisrisiken verbunden.

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