Pessimistische Aussichten
Inflationsprognose für die Euro-Zone angehoben

Die Europäische Kommission rechnet EU-Kreisen zufolge im Durchschnitt von 2002 nicht mehr mit einem Rückgang der Inflationsrate in der Euro-Zone unter die EZB-Toleranzgrenze von zwei Prozent.

Reuters BRÜSSEL. In ihrer am Mittwoch anstehenden Frühjahrsprognose werde die Kommission aber zugleich ihre Wachstumserwartungen für die Euro-Zone und Deutschland etwas anheben, erfuhr Reuters am Dienstag aus den Kreisen in Brüssel.

Die durchschnittliche Preissteigerung werde auf 2,2 Prozent für dieses und auf 2,0 Prozent für kommendes Jahr geschätzt. Im Vergleich zu ihrer Herbstprognose erhöhe die Kommission ihre Wachstumsaussichten 2002 für die Euro-Zone auf 1,4 (1,3) Prozent und für Deutschland auf 0,8 (0,7) Prozent. Die deutsche Neuverschuldung werde der Schätzung zufolge 2002 und 2003 die Defizitgrenze des Stabilitätspakts von drei Prozent nicht überschreiten. Die Prognose soll am Mittwoch von der Kommission beschlossen werden.

Inflationserwartung deutlich pessimistischer als im Herbst

Mit ihrer Inflationserwartung weicht die Kommission deutlich von ihrer Herbstprognose ab. Im November hatte die Kommission noch für 2002 und 2003 eine Preissteigerungsrate von jeweils 1,8 Prozent vorhergesagt.

Der Ende Mai aus seinem Amt scheidende EZB-Vizepräsident Christian Noyer schloss am Dienstag vor EU-Abgeordneten nicht aus, dass ein weiter hoher Ölpreis zu einem langsameren Absinken der Inflationsrate führen könnte als erwartet. Zugleich bekräftigte er aber, dass die Europäische Zentralbank (EZB) in den kommenden Monaten einen Rückgang der Inflationsrate unter zwei Prozent erwarte. Im März war die Jahresteuerung in der Euro-Zone auf 2,5 (Februar 2,4) Prozent gestiegen.

Deutliche Konjunkturbelebung 2003 erwartet

Weiter optimistisch zeigt sich die Kommission für die Wirtschaftsentwicklung im kommenden Jahr. Den Kreisen zufolge prognostiziert sie für 2003 ein Anziehen des deutschen Wachstums auf 2,7 Prozent (Herbstprognose 2,8 Prozent) und hält an der Erwartung eines Wachstums in der Euro-Zone von 2,9 Prozent im kommenden Jahr fest. Damit würde die deutsche Wirtschaft näher zu den übrigen Euro-Länder aufschließen.

Die sechs führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute hatten für Deutschland am Dienstag ein Wachstum von 0,9 Prozent in diesem und 2,4 Prozent für das kommende Jahr vorhergesagt. Die Bundesregierung hatte zuletzt an ihrer Wachstumsprognose für Deutschland von 0,75 Prozent für 2002 festgehalten.

Deutsche Neuverschuldung wohl unter der Maastrich-Grenze

Das deutsche Staatsdefizit wird den Angaben zufolge die im Stabilitätspakt vorgeschriebene Obergrenze von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) nicht überschreiten. Die Neuverschuldung der öffentlichen Haushalte werde in der Frühjahrsprognose in diesem Jahr auf 2,8 Prozent des BIP geschätzt und damit um 0,1 Prozentpunkte höher als noch im Herbst. Im kommenden Jahr werde die Defizitquote auf 2,1 Prozent sinken (Herbstprognose 2,2 Prozent).

Anfang des Jahres war die Kommission mit ihrer Forderung nach einer Frühwarnung wegen des hohen deutschen Staatsdefizits am Widerstand der Bundesregierung gescheitert. Die Bundesregierung strebt bis 2004 einen nahezu ausgeglichenen Staatshaushalt an. Dafür gilt ein Wachstum von durchschnittlich 2,5 Prozent in den nächsten beiden Jahren als Voraussetzung.

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