Pessimistische Stimmung zur Gemeinschaftswährung
Euro sackt auf Rekordtief zum Dollar ab

Der Euro ist am Mittwoch im Nachmittagshandel auf ein neues Allzeittief von 0,8371 Dollar abgesackt und verlor dabei binnen Minuten 2 % an Wert.

Reuters FRANKFURT. Der Euro ist am Mittwoch im Nachmittagshandel auf ein neues Allzeittief von 0,8371 Dollar abgesackt und verlor dabei binnen Minuten 2 % an Wert. Händler machten für den Kursverlust die weiterhin pessimistische Stimmung zur Gemeinschaftswährung und Verkaufsaufträge nach der teilweisen Erholung der US-Aktienmärkte verantwortlich. Nach Äußerungen von Bundeskanzler Gerhard Schröder und des französischen Nationalbankchefs Jean-Claude Trichet kletterte die Währung kurz darauf wieder auf Kurse nahe 0,84 $. Unterstützt wurde die Erholung Händlern zufolge auch durch die Vorsicht am Markt wegen möglicher neuer Interventionen der G-7-Notenbanken und eine technische Gegenreaktion.

Gegen 18.00 Uhr MESZ notierte der Euro mit 0,8384/92 $ weiter unter der psychologisch wichtigen Marke von 84 US-Cents. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte am Mittag in Frankfurt den Referenzkurs mit 0,8525 $ ermittelt. Die US-Währung notierte mit 107,81/86 nach 107,98/09 Yen am Vorabend in New York.

Nach Einschätzung von Dorothea Huttanus, Devisenexpertin der DG Bank, ist der Kursverfall eine starke Gegenreaktion auf die vorangegangenen Kursgewinne. Der Euro hatte sich bis zum Vormittag auf ein vorläufiges Tageshoch von 85,81 Cents gefestigt. Hauptgrund dafür sei die Schwäche des US-Aktienmarktes gewesen. Als am Nachmittag an der Wall Street die Erholung eingesetzt habe, sei es zu massiven Euro-Verkäufen gekommen. "Die Händler haben mal wieder gesehen, dass es vergeblich ist, auf den Euro zu setzen", sagte Huttanus. Die negative Gegenreaktion falle beim Euro erfahrungsgemäß immer stärker aus als die positive kurssteigernde Bewegung. Aus technischer Sicht sei der kräftige Rutsch auf 83,71 Cents eindeutig auf eine Vielzahl von Stop-Loss-Orders zurückzuführen, die unter dem alten Rekordtief von 84,40 Cents gelegen hätten.

Händlern zufolge hatte sich der Euro bis kurz nach Beginn des Aktienhandels an der Wall Street bei Kursen oberhalb von 0,85 Dollar behauptet. Erst nach der teilweisen Erholung der Wall Street und der gleichzeitigen Verluste an den europäischen Aktienbörsen sei die Währung plötzlich unter starken Abwärtsdruck geraten.

Die Veröffentlichung des unerwartet starken Anstiegs der Verbraucherpreise in den USA im September hatte dem Euro zuvor deutlich Kursgewinne von rund einem halben Cent beschert. Das Arbeitsministerium im Washington hatte berichtet, die Verbraucherpreise seien im September um 0,5 % gegenüber dem Vormonat gestiegen und in der um Energie- und Nahrungsmittelkosten bereinigten Kernrate um 0,3 %. Von Reuters befragte Volkswirte hatten im Durchschnitt eine Anstieg der Verbraucherpreise um 0,4 % und in der Kernrate von 0,2 % prognostiziert.

Bundeskanzler Gerhard Schröder bekräftigte nach dem Kursrutsch der Gemeinschaftswährung seine Position, der Euro sei unterbewertet. Die Basis des Euro sei die wirtschaftliche Stärke Europas und angesichts dessen sei die Gemeinschaftswährung derzeit "wirklich unterbewertet", sagte Schröder am Mittwoch bei der Aufzeichnung der ZDF-Sendung "Was nun, Herr Schröder?". Einen plausiblen Grund für den schwachen Kurs gibt es seinen Worten nach jedoch nicht.

Der Gouverneur der französischen Nationalbank, Jean-Claude Trichet, bekräftigte unterdessen in Paris: "Ein starker Euro ist im europäischen Interesse. Ich werde dazu keinen weiteren Kommentar abgeben." Finanzminister Fabius hatte zuvor in der Nationalversammlung gesagt, alle Finanzminister der Euro-Zone stimmten darin überein, dass ein Interesse an einem stärkeren Euro besteht.

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