Péter Esterházy mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet
Komödiantischer Unruhestifter

Volles, graues Haar berührt seine Schultern. Den dunklen Anzug trägt er ohne Krawatte, das Gesicht lächelt freundlich. Er könnte Lehrer sein oder Mathematiker oder Schriftsteller. Auf jeden Fall aber muss er Humor haben. Péter Esterházy erfüllt in gewisser Weise jedes dieser Klischees. Am Sonntag wurde der ungarische Autor in der Frankfurter Paulskirche mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Damit steht er in einer Reihe mit Albert Schweitzer, Hermann Hesse, Astrid Lindgren und Václav Havel.

FRANKFURT. Die Verleihung des Friedenspreises ist eine traditionsreiche Veranstaltung. Der Bundespräsident nimmt an einer solchen Feier teil, auch Minister, Diplomaten und hochrangige Vertreter aus Wirtschaft und Gesellschaft.

Reden, die vor einem derart erlauchten Publikum gehalten werden, können Sprengstoff beinhalten. Das war so, als Günter Grass 1997 in seiner Laudatio auf den türkischen Preisträger Yasar Kemal die Kurdenpolitik der Bundesrepublik kritisierte. Oder ein Jahr später bei Martin Walser, der den Begriff "Moralkeule" prägte und eine monatelange Diskussion über den Umgang mit der deutschen Vergangenheit auslöste.

Péter Esterházy aber ließ seiner Selbstironie am Sonntag freien Lauf. "Im Traum stand ich in der Paulskirche, und, oh Entsetzen, ich hatte keine Krawatte an." Ohne Martin Walser zu nennen, nahm er sich vor, immer wieder das Wort "Keule" in seine Rede einzubauen - indem er etwa Kochrezepte zitierte.

Es ist diese Art des intellektuellen Umgangs mit politischen Themen, die ihn auszeichnet. "Sie sind ein schrecklicher Unruhestifter", sagte "Zeit"-Herausgeber Michael Naumann in seiner Laudatio. "Ihre komödiantische Ruhelosigkeit irritiert den Leser."

Als der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 1950 zum ersten Mal vergeben wird, liegt Péter Esterházy noch in den Windeln. Er wird als Spross eines großen, alten Adelsgeschlechts in Budapest geboren. Sein Name: Péter Graf Esterházy, Freiherr von Galántha, Erbgraf zu Forchtenstein, Herr auf Czákvár und Gesztes.

In Ungarn regieren die Kommunisten. Seine Familie wird als Volksfeind eingestuft und in ein abgelegenes Dorf verbannt. Die Schlösser und Ländereien der Esterházys werden enteignet und verstaatlicht - das Ende einer Jahrhunderte alten Dynastie.

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