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Petersdom neben Palmen in einer afrikanischen GeisterstadtDPA-Datum: 2004-06-28 08:38:05

Yamoussoukro (dpa) - Afrikanische Sonne wird von riesigen Glasfenstern in buntes Licht verwandelt. So muss es im Inneren eines Kaleidoskops aussehen. Auf dem blitzblanken Marmorboden bilden sich farbige Inseln, Tausende von Farbnuancen fließen ineinander über.

Yamoussoukro (dpa) - Afrikanische Sonne wird von riesigen Glasfenstern in buntes Licht verwandelt. So muss es im Inneren eines Kaleidoskops aussehen. Auf dem blitzblanken Marmorboden bilden sich farbige Inseln, Tausende von Farbnuancen fließen ineinander über.

Der Blick nach oben verliert sich in einer gigantischen Kuppel, die von 60 Säulen getragen wird. «Sie ist größer als der Petersdom in Rom», flüstert der Führer mit Ehrfurcht und Stolz. Gemeinsam mit der einzigen Besucherin wirkt er etwas verloren in der Basilika von Yamoussoukro, der Hauptstadt der Elfenbeinküste.

Der Vergleich mit dem Petersdom liegt auf der Hand: Die Marienkirche von Yamoussoukro ist ein skurriler Nachbau der Hauptkirche der Katholiken. Sie liegt inmitten von Palmenplantagen am Rande eines afrikanischen Dorfes, das seiner Ernennung zur Kapitale nie gerecht wurde. Von allen Verwaltungshauptstädten, die neben den wahren Metropolen ihres Landes verblassen, ist Yamoussoukro vermutlich die ausgefallenste.

Der frühere Präsident Felix Houphouet-Boigny - von Einheimischen «Uffèbini» ausgesprochen oder schlicht «der Alte» genannt -, hatte viel vor mit seinem Heimatdorf, das etwa 200 Kilometer von der quirligen Küstenstadt Abidjan entfernt ist. Sitz der UNESCO, der Kulturorganisation der Vereinten Nationen, sollte es werden, Ausgangspunkt einer Renaissance des afrikanischen Christentums und die Eliteschmiede der Nation. Um das erwartete Verkehrschaos zu verhindern, ließ «der Alte» weitsichtig sechs- und achtspurige Straßen anlegen.

Doch so recht wurde aus seinen hochfliegenden Plänen nichts. Die UNESCO lobte zwar das schöne Konferenzzentrum mit 22 Sitzungssälen und Böden aus italienischem Marmor - doch einziehen wollte sie nicht. Das dörfliche Umfeld entsprach nicht unbedingt den Vorstellungen der UN-Funktionäre. Bis heute ist dort kein einziges Ministerium und keine Botschaft angesiedelt, die breiten Straßen sind so leer, dass man getrost Slalom darauf fahren kann.

Auch der Papst zierte sich, die absichtlich etwas größer geratene Petersdom-Variation als Geschenk an die katholische Kirche anzunehmen. Es hatte viel Kritiker gegeben, vor allem aus dem Westen, die meinten, das Geld hätte besser in die Entwicklung des Landes investiert werden sollen. Den Auftraggeber der monumentalen Bauwerke rührte das nicht: Die Kirche habe weniger gekostet als ein Kampfflugzeug, pflegte er zu antworten. Und die Kathedralen Europas seien auch zu Zeiten errichtet worden, in denen das Volk arm war.

Ein Meisterwerk ist die in nur drei Jahren erbaute Basilika allemal, wenn auch kein rein afrikanisches. Der Architekt Pierre Fakhoury ist Ivorer (Einwohner der Elfenbeinküste) libanesischer Herkunft. Viele Facharbeiter stammten aus Frankreich, die Glasfenster wurden in Bordeaux entworfen, die Aufzüge in den Säulen, mit denen man zur Kuppel hinauffahren kann, hat ein Elsässer gebaut. Die Kopie der berühmten Pietà, der Marienstatue Michelangelos, hingegen hat ein lokaler Bildhauer aus einheimischem Tropenholz geschaffen.

Zwar sind gerade mal 15 Prozent der etwa 17 Millionen Einwohner katholisch - doch für die ist die Kirche ein wichtiger Wallfahrtsort. Das meint zumindest Klos Zbigniew, einer der polnischen Pallottiner an dem Gotteshaus. Diese Ordensgemeinschaft kümmert sich um die Seelsorge an dem bizarren Ort. Am Samstagabend leitet er den Kinderchor in der kleinen Kapelle im Untergeschoss der Kirche. Zu Elektro-Orgel und afrikanischen Trommeln schwingen sie begeistert die Hüften und lassen vergessen, dass sie ihren Gottesdienst in einer der erstaunlichsten Kirchen der katholischen Welt feiern.

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