Petrus ist unberechenbar
Mimosen unter den Mormonen

Das Wetter in Salt Lake City stößt auf unterschiedliche Resonanz.

Es ist wie überall auf der Welt. Auch der offizielle olympische Wetterbericht ist, formulieren wir es mal so, nicht mehr als ein grober Anhaltspunkt. Petrus trotzte den schlechteren Prognosen der Meteorologen meist standhaft und gönnt Salt Lake City seit Beginn der Spiele fast durchweg schönstes Winterwetter. Am Montag endlich lagen die Wetterfrösche mal richtig, als es erstmals seit langem wieder einen weitgehend bedeckten Tag gab.

Trotz der nur bescheidenen Trefferquote mangelt es den Verantwortlichen nicht an Offenheit. Im Gegenteil. Sie stellen sich den Fragen nach der durchwachsenen Bilanz und bieten der Weltpresse Interviews an. Von sechs Uhr morgens bis sechs Uhr abends sind Journalisten herzlich willkommen, im Salt Lake City Weather Forecast Office vorbeizuschauen und sich über alles Erdenkliche rund um das Thema Wetter zu informieren. Fürs Fernsehen wurde sogar ein kleines Studio eingerichtet.

Während den meisten Olympiabesuchern eine falsche Prognose noch relativ egal ist (vor allem dann, wenn überraschend die Sonne scheint), stöhnen zum Beispiel die fürs richtige Skiwachs zuständigen Serviceleute reichlich über unerwartete Witterungsbedingungen.

Die Einheimischen wiederum sind froh, dass die grauen Seiten von Stadt und Region in der Utah-Sonne gar nicht so trist wirken. Und doch haben die Mimosen unter den Mormonen einen Grund zur Klage. "Ist eigentlich viel zu kalt für diese Jahreszeit", schütteln sie sich. Hat man ihnen nicht gesagt, dass die Salzseestadt Ausrichter von Winterspielen ist?

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