Pevenage: "Es hilft zu vergessen"
Gelbes Trikot als Frust-Killer

Das zweite Gelbe Trikot in Erik Zabels Karriere erfüllte seinen Zweck in erster Linie als Frust-Killer. Die Doping-Affäre um Jan Ullrich verfinstert die Stimmung im Telekom-Lager.

dpa REIMS. Das zweite Gelbe Trikot in Erik Zabels Karriere erfüllte seinen Zweck in erster Linie als Frust-Killer. "Es hilft, schneller zu vergessen", sagte Teamchef Rudy Pevenage in Gedenken an die Affäre Ullrich und erhob in der Champagner-Stadt Reims sein Glas zu Ehren seines seit Jahren verlässlichsten Mannes, der die Mienen der Arbeitskollegen und Offiziellen aufgehellt hatte. Der sonst auf Grün abonnierte Zabel hatte 1998 in Cork zum ersten Mal Gelb getragen, am Ende der 3. Etappe in Reims jetzt wieder. "Damals passierte es einfach so, diesmal war es hart erarbeitet", meinte der Sportler des Jahres, dessen dritter verpasster Etappensieg als kleiner Schatten auf dem Glückstag lag, den Telekom bitter nötig hat.

Auch aus der Chefetage des Unternehmens aus Bonn seien laut Zabel Glückwünsche gekommen, "obwohl die ja jetzt auch ihre eigene Tour de France fahren", meinte der Weltranglisten- und Tour-Spitzenreiter in Anspielung auf Konzern-Turbulenzen und Rücktritts-Gerüchte um Ron Sommer. Sollte der Telekom-Chef gehen, dürfte auch Jürgen Kindervater, für die Finanzierung des Team zuständig, kaum noch zu halten sein. Das wirft für die Zukunft neue Fragen auf.

Vor zwei Tagen hatte Kindervater erklärt: "Wir haben mit Teamchef Walter Godefroot, bei dem die Fahrer angestellt sind, noch einen Vertrag bis einschließlich 2003, den wir natürlich erfüllen. Ob wir Optionen für 2004 und 2005 nutzen, muss noch diskutiert werden." Zabel will seinen erfolgreichen Weg auf jeden Fall fortsetzen: "Ich fahre weiter, auch wenn Telekom aufhört." Auf die Frage, ob er von einem Karriere-Ende bei Telekom ausgehe, antwortete er: "Das weiß ich heute noch nicht." In Bezug auf den des Drogen-Missbrauchs überführten Ullrich sei klar: "Solche Nummer kann Jan nicht noch ein Mal bringen."

Vielleicht erklärte auch die Konstellation in der Führungs-Etage die eher getragene als überglückliche Miene Zabels am Abend des Triumphes. "Ich freue mich echt", sagte der 32-jährige Berliner, der in Reims wie in Luxemburg (hinter Rubens Bertogliati) mit Platz zwei hinter dem Australier Robbie McEwen vorlieb nehmen musste. In Saarbrücken ("Da hätte ich gerne gewonnen") war Zabel Dritter hinter dem spanischen Doppel-Weltmeister Oscar Freire und McEwen, der im Giro auch den überragenden Mario Cipollini bezwungen hatte.

"Erik ist immer vorne, die anderen Sprinter nur an manchen Tagen - das ist der Unterschied. Ich bin optimistisch. Der 12. Etappensieg für Erik kommt noch", meinte Team-Manager Godefroot, der sich auf die Konstanz und Klasse des ehrgeizigen Primus aus Unna immer verlassen konnte. Zabels sechs Grüne Trikots in Folge sprechen dafür. Allerdings steckt die Mannschaftsführung in der Zwickmühle. "Wir wissen nicht, wie lange wir noch die Kletterer, die drei Tage mit allen anderen hart für Erik gearbeitet haben, belasten können", gab Godefroot zu bedenken. Giuseppe Guerini (Italien), Bobby Julich und Kevin Livingston (beide USA) spekulieren auf Etappensiege in den Bergen.

Das neue "Maillot Jaune", das seine Frau sofort an sich nahm, wird zu Hause in Unna zunächst auf dem Bügel landen. "Ich habe vor einigen Jahren begonnen, wichtige Trikots einzurahmen und an die Wand zu hängen. Aber ich bin dann nicht mehr nach gekommen. Das Gelbe Trikot von 1998 hängt auch noch irgendwo", sagte Zabel, der bei der diesjährigen Tour kaum Gefahr laufen dürfte, weitere Kleidungsstücke in der Signalfarbe sammeln zu können, weil mit dem Team-Zeitfahren der Kampf der Giganten um den Toursieg erst richtig begann. "Seit Luxemburg hatte Erik die Chance, Gelb zu holen. Die letzte Möglichkeit hat er genutzt", erkannte Godefroot und hofft auf weitere Freudentage in schweren Zeiten.

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