Pfarrer: "Er konnte Kriegswunden heilen"
Prinz Claus beigesetzt

In einer bewegenden Trauerfeier ist Prinz Claus der Niederlande am Dienstag in der Oraniergruft in Delft beigesetzt worden. Knapp 2 000 geladene Gäste nahmen Abschied von dem Prinzen, der am 6. Oktober im Alter von 76 Jahren gestorben war.

HB/dpa DEN HAAG. Nur die engste Familie geleitete den Toten zu seiner letzten Ruhestätte unter dem Mausoleum von Wilhelm von Oranien. Unter den Trauernden in der Neuen Kirche in Delft waren vier Königspaare, Vertreter von 13 Fürstenhäusern sowie als einziges Staatsoberhaupt Bundespräsident Johannes Rau mit seiner Frau Christina.

Der mit der niederländischen Flagge geschmückte Sarg war zuvor in einem feierlichen Zug aus dem Den Haager Königsschloss Noordeinde nach Delft gebracht worden. Etwa 40 000 Trauernde säumten bei trüber aber trockener Witterung die ungewöhnlich stillen Großstadtstraßen, als der Prinz in einer von sechs Pferden gezogenen, mit violettem Stoff ausgeschlagenen Kutsche seine letzte Reise machte. 6 000 Soldaten und Veteranen bildeten auf dem neun Kilometer langen Weg die Ehrenwache. Sechs Infantriekompanien und zwei Militärkapellen gaben dem Toten zusammen mit der Königsfamilie in Delft das Geleit.

Der ehemalige deutsche Diplomat, der 36 Jahre lang mit der niederländischen König Beatrix verheiratet war, wurde in der sehr persönlich gehaltenen Trauerfeier nachdrücklich für seine Bereitschaft gewürdigt, "sich einem Volk zu geben, das nicht das seine war, das aber das seine wurde". Der reformierte Pastor Carel ter Linde hob dabei Claus' Einsatz für Gerechtigkeit und Menschlichkeit hervor. Zugleich pries er den Mut, mit dem der in den letzten Jahren seines Lebens schwer kranke Prinz "die Schläge ertrug, die ihm zunehmend die Lebenskraft geraubt" hatten.

Auch der Dichter und frühere katholische Pfarrer Huub Osterhuis - wie ter Linde lange ein persönlicher Freund des Toten - erinnerte daran, wie Claus in den Niederlanden "vom Fremden zu einem von allen Geliebten" geworden sei. Als Deutscher sei Claus im Stande gewesen, niederländische Kriegswunden zu schließen, betonte er. Zu seinen Ehren sang die Trauergemeinde in deutscher Sprache die Hymne "So nimm denn meine Hände". Darauf habe auch der Prinz gehofft, der kein Kirchgänger gewesen sei und die Heilige Schrift erst in späteren Lebensjahren ausführlich kennen gelernt habe, sagte Oosterhuis.

Die Königin und ihre Söhne kämpften sichtlich bewegt mit den Tränen. Prinz Johan Friso, der als einziger Sohn noch nicht verheiratet ist, hielt seiner Mutter die Hand und stützte sie beim Gang zur Gruft, in die nur die engste Familie ging. Prinz Bernhard, der 91 Jahre alte Vater der Königin, sowie die Schwestern von Beatrix und deren Angehörige nahmen auch am Abschied von Claus teil, gingen aber nicht zur Begräbnisstätte, in der bereits 43 Oranier ruhen. Ex- Königin Juliana, die unter Altersdemenz leidende Mutter von Beatrix, war nicht in der Kirche.

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