Pfeife selber schnitzen
Rauchen mit Köpfchen

Kriminalisten und Tabakspfeife gehören spätestens seit Sherlock Holmes und Kommissar Maigret zusammen. Der Hamburger Kommissar Klaus-Dieter Billerbeck geht noch einen Schritt weiter: Er fertigt selbst Pfeifen an.

Wenn der Kommissar sein Pfeifchen schmauchte, war er nie so recht zufrieden: "Ich hatte eine bestimmte Vorstellung von meinem persönlichen Pfeifendesign, aber ich fand es nirgendwo", erzählt Klaus-Dieter Billerbeck. Der Kommissar war Pfeifenraucher, wie viele seiner Kollegen in Film und Literatur. Auch der legendäre Comic-Kommissar Nick Knatterton brauchte seine Pfeife zum "Kombinieren".

Billerbecks Händler reagierte gelassen und logisch: Er drückte seinem unzufriedenen Kunden einen Bruyèreholzrohling in die Hand mit der Aufforderung, sich doch selbst seine Pfeife zu schnitzen. Zu Billerbecks Einwand, er habe zwei linke Hände, meinte er nur: "Probieren Sie?s doch einfach mal." Billerbeck tat?s - offenbar mit Erfolg.

Das war 1987, noch während seiner aktiven Dienstzeit. Schon bald brauchte der Kommissar eine Sondergenehmigung des Hamburger Polizeipräsidenten und einen Gewerbeschein fürs Pfeifenmachen. Heute - Billerbeck ist inzwischen 66 Jahre alt und im Ruhestand, zumindest was seine Laufbahn als Kommissar betrifft - sind seine "Bills" gesuchte Sammlerstücke.

Kein Wunder, denn Billerbeck legt nicht nur großen Wert darauf, dass seine Werke Unikate sind. Auch das so genannte Kitten, das Verschließen und Kaschieren von kleinen Wurmlöchern im Holz, ist bei einer Bill tabu, im Gegensatz zu industriell gefertigten Pfeifen.

Auch lehnt Billerbeck es kategorisch ab, seine fertigen Pfeifen zu lackieren. "Erstens platzt Lack auf Grund der Temperaturunterschiede oft nach einiger Zeit ab , und zweitens wirkt ein Finish mit Hartwachspolitur weitaus edler", erklärt der Pfeifenexperte. Denn nur so entsteht der seidige Glanz des edlen Wurzelholzes der "Erica Arborea", des Bruyèreholzes, aus dem Billerbeck seine Pfeifen herstellt - übrigens mit selbst entwickelten Maschinen.

Um den Status des Unikats zu unterstreichen, wird jede Pfeife, bevor sie die Werkstatt verlässt, genau dokumentiert. Billerbeck fertigt von dem guten Stück ein Foto an, verpasst ihm eine fortlaufende Nummer und trägt beides in eine Kartei ein. Sozusagen als Steckbrief der Pfeife und als Reminiszenz an seinen ehemaligen Beruf. 1152 lautet die Nummer des letzten Eintrags.



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