Pfiffe und beißende Kritik
HVB-Aktionäre sind stinksauer

Mit beißender Kritik und Pfiffen für die Führungsriege haben die Hypo-Vereinsbank-Aktionäre den ersten Verlust in der Konzerngeschichte quittiert. "Die Aktionäre sind stinksauer", sagte Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), am Mittwoch auf der Hauptversammlung in München.

HB/dpa MÜNCHEN. Die Probleme der Bank seien zu einem guten Teil hausgemacht. Die HVB sei bei allen großen Pleiten als Kreditgeber dabei gewesen. Vorstandschef Dieter Rampl verwies auf die schwierige Branchenlage und auf den laufenden Konzernumbau. Die Bank sei mit der geplanten Abspaltung des Geschäfts mit gewerblichen Immobilien und dem Verkauf von Anteilen an der profitablen Tochter Bank Austria auf gutem Weg.

Im Kreuzfeuer der Kritik stand insbesondere der frühere Vorstands-Chef Albrecht Schmidt, der im Januar direkt per Gerichtsbestellung in den Aufsichtsrat gewechselt war und dort gleich den Vorsitz übernahm. "Unter der Führung von Herrn Schmidt hat sich die Lage der Hypo-Vereinsbank deutlich verschlechtert", erklärte Helmut Hipper von Union Investment. Die Fonsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken wollte daher wie auch die Schutzvereinigungen gegen die nachträgliche Wahl Schmidts in den Aufsichtsrat stimmen.

Im vergangenen Jahr hatte Deutschlands zweitgrößte Bank einen Verlust von 858 Mill. ? gemacht. "Da gibt es nichts zu beschönigen", sagte Rampl. Allerdings verwiesen er und Schmidt auch auf die schlechte Branchenlage. Man habe unter allen Kreditinstituten nicht am schlechtesten abgeschnitten.

Rampl sieht die Bank mittlerweile wieder auf Kurs. "Wir sind strategisch sauber aufgestellt." Im ersten Quartal schrieb die HVB zumindest operativ wieder schwarze Zahlen. Ihren dringenden Kapitalbedarf will die HVB mitte des Jahres mit dem Verkauf von 25 % der Bank Austria größtenteils stillen. "Der Börsengang wird Erfolg haben", sagte Rampl. Das Interesse bei den Investoren sei groß. Er betonte aber, die HVB wolle eine Drei-Viertel-Mehrheit behalten und keine weiteren Anteile verkaufen. Der geplante Verkauf wurde auch kritisiert. "Sie sind gezwungen, eine gute Bank in schlechten Zeiten zu verkaufen", sagte ein SEB-Fondsmanager. Die anteiligen Gewinne der Bank Austria würden in den nächsten Jahren fehlen.

Die Ziele für das Gesamtjahr bekräftigte Rampl. "Wir gehen von einer anhaltend schwachen wirtschaftlichen Gesamtsituation aus." Dennoch will 2003 die Bank einen Gewinn vor Steuern von 300 bis 600 Mill. ? erzielen. Darin seien noch keine Gewinne aus den geplanten Beteiligungsverkäufen enthalten, sagte Rampl.

Größtes Projekt der HVB ist die Abspaltung des Kredit-Geschäfts mit Gewerbeimmobilien, über die die Aktionäre am Abend abstimmen sollten. Die HVB Real Estate AG soll im vierten Quartal an die Börse gebracht werden. Die HVB-Aktionäre erhalten je vier HVB-Aktien einen Anteilsschein des neuen Unternehmens. Die Hypo-Vereinsbank selbst wird nicht mehr an der HVB Real Estate beteiligt sein und damit deutlich schrumpfen.

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