Pfizer will Aidsmittel verschenken – Bayer stiftet Präparate gegen Schlafkrankheit
Spenden polieren Pharma-Image auf

Mit großzügigen Spenden versucht die Pharmabranche derzeit den Imageschaden zu reparieren, den ihr der Streit um patentgeschützte Aids-Medikamente in Südafrika zugefügt hat. Dabei steht gleichsam die "Creme de la Creme" der Branche in der ersten Reihe, die Topadressen haben großzügige Spenden bekannt gegeben. Für Kattrin Lempp, deutsche Sprecherin der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen, ist dies "ein Signal für den Druck, der auf den Konzernen lastet".

HB NEW YORK/DÜSSELDORF.

Die Branche hatte gegen Südafrika wegen der Verletzung des Patentschutzes ihrer Aids-Präparate geklagt. Die südafrikanische Regierung hatte dagegen mit der großen Zahl der HIV-Infizierten im Land am Kap argumentiert. Der anschließende Prozess hatte weltweit für Schlagzeilen gesorgt, woraufhin die Konzerne ihre Klage letztendlich zurückzogen und eine radikale Preissenkung ankündigten. Dann nahmen die Spenden zu.

"Die Pharmaindustrie möchte nicht als Raubritter dastehen", interpretiert Merrill-Lynch-Analyst Andreas Schmidt die Spendierlaune der Konzerne. Außerdem hätten einige einflussreiche Fonds-Manager Druck gemacht, die an einem positiven Branchen-Image interessiert seien.

Welle wohl kalkulierter Großzügigkeit

Der führende Hersteller von Aidsmedikamenten, Glaxo Smithkline Plc, London, hatte erst am Montag angekündigt, Aids- und Malaria-Medikamente in 63 Entwicklungsländern zum Selbstkostenpreis zur Verfügung zu stellen. In der vergangenen Woche bekräftigte der größte amerikanische Pharmakonzern Pfizer Inc., New York, dass er die Spenden des Aidsmittels Diflucan ausweiten will. Insgesamt 50 Millionen Betroffene in Entwicklungsländern sollen Zugriff auf das Medikament erhalten.

Zuvor hatte der Schweizer Konzern Novartis AG, Basel, angekündigt, er werde ein neues Malaria-Medikament für die afrikanischen Länder zum Herstellungspreis an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verkaufen.

Auch die Aventis S.A., Straßburg, will der WHO bei der Bekämpfung von Krankheiten in den armen Regionen der Welt helfen. Insgesamt 25 Mill. $ wird Aventis über fünf Jahre zur Verfügung stellen, um die Forschung und Produktion von Mitteln gegen die Schlafkrankheit zu unterstützen. An der Spende beteiligt sich auch Bristol-Myers Squibb Co., New York. Die Amerikaner folgen damit dem Beispiel des Konkurrenten Merck & Co., New Jersey, der bereits seit 1987 gratis Medikamente gegen Flussblindheit in Tropenländer liefert.

Vorwürfe, die Hilfsaktionen sollten nur den Imageschaden wettmachen, der durch die Auseinandersetzungen in Südafrika entstanden ist, weist die Pharmaindustrie zurück: "Wir reagieren nicht auf externen Druck", sagt Mark Grayson, Sprecher des US-Pharmaindustrieverbandes PHRMA, der auch in den USA tätige europäische Unternehmen vertritt. Grayson weist auf verschiedene Projekte hin, in denen sich die Industrie bereits seit Jahren in Entwicklungsländern engagiert.

An sich sind Spenden der Pharmahersteller nichts Außergewöhnliches. Im Falle von Katastrophen und Kriegen koordiniert der German Pharma Health Fund (GPHF) die Spendentätigkeit der großen deutschen Hersteller. Zusätzlich kündigte die Bayer AG, Leverkusen, jetzt gegenüber dem Handelsblatt an, dass sie der WHO die Medikamente Germarin und Lampit gegen die Afrikanische Schlafkrankheit für die nächsten fünf Jahre kostenlos zur Verfügung stellt. Den Wert dieser Spende wollte ein Unternehmenssprecher aber nicht beziffern. Die Boehringer Ingelheim Pharma KG verweist auf ihr bereits seit längerem laufendes Spenden-Programm mit dem Aids-Medikament Viramune hin.

Ärzte wollen bei Versorgung nicht auf Barmherzigkeit angewiesen sein

Grundsätzlich begrüßt die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen die jüngsten Initiativen der Pharmakonzerne. "Für uns ist die Reaktion der Industrie ein großer Erfolg", sagt Rachel Cohen, US-Sprecherin der Kampagne für den Zugang zu lebenswichtigen Medikamenten. Doch Spenden allein könnten nicht die Lösung sein. Denn das Leben der Menschen in den armen Ländern dürfe nicht von der Barmherzigkeit der Pharmakonzerne abhängen. Langfristig sei eine besondere Preispolitik für die Entwicklungsländer erforderlich.

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