Pfizer will den Konkurrenten Pharmacia schlucken – Coca-Cola und Qwest planen Änderung der Bilanzierungspraktiken
US-Börsen landen sanft nach steilem Sinkflug

Nach einer katastrophalen Woche an den New Yorker Märkten rauschten die US-Börsen am Montag zunächst weiter in die Tiefe. Die Indizes fingen sich kurz vor Handelsschluss dann jedoch. Zeitweise hatte der Dow Jones mehr als 5 % verloren. Er schloss dann um nur noch 0,52 % niedriger. Die Nasdaq schloss höher.

peb/HB NEW YORK. Es geht wohl weiter abwärts an den amerikanischen Aktienmärkten und daran kann auch der amerikanische Präsident nichts ändern. Zwar beschwor George W. Bush am Montag das Potenzial der amerikanischen Wirtschaft. Die Anleger beeindruckte dies aber zunächst wenig. Selbst die Übernahme des Pharmaherstellers Pharmacia durch den Konkurrenten Pfizer konnte den Absturz der Kurse nicht aufhalten. Die durch immer neue Bilanzskandale genährte Vertrauenskrise der Anleger überwog diese Unternehmensmeldung. Die US-Aktienmärkte sind - gemessen an bestimmten marktbreiten Indizes - auf den tiefsten Stand seit 1997 gefallen. Der Dow-Jones-Index liegt indes noch um knapp 600 Punkte über seinem Tief vom September des vergangenen Jahres.

Die Aktienindizes in New York erholten sich kurz vor Börsenschluss kräftig. Der Dow-Jones-Index der 30 wichtigsten Industriewerte schloss um nur noch 0,52 % niedriger. Der deutlich breiter gefasste Standard-&-Poor?s-500-Index büßte 0,5 % ein. Der technologielastige Nasdaq-Composite-Index konnte sich sogar mit 0,6 % ins Plus retten.

Händler setzen ihre Hoffnung in den nächsten Tagen auf gute Quartalsergebnisse in der anstehenden Berichtssaison. Allerdings rechnen von Thomson First Call befragte Analysten damit, dass die Ergebnisse der im S&P-beinhalteten Unternehmen im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 1,5 % niedriger ausfallen. Rund zwei Drittel der 500 im Standard-&-Poor?s-Index gelisteten Unternehmen werden in den nächsten zwei Wochen ihre Bilanzen der Öffentlichkeit präsentieren.

Wichtigste Unternehmensmeldung war die geplante Fusion der Pharmaunternehmen Pfizer und Pharmacia. Pfizer bestätigte vor Handelsbeginn, den kleineren Rivalen für 60 Mrd. $ in Aktien übernehmen zu wollenDie Pharmacia-Aktionäre sollen 1,4-Pfizer-Aktien je Pharmacia-Titel erhalten. Dadurch würde der weltweit größte Pharmakonzern mit einem Weltmarktanteil von mindestens 10 % entstehen. Die Papiere von Pharmacia legten mehr als 20 % zu - Pfizer verloren dagegen 11 %. Und das obwohl Pfizer zuvor bekannt gegeben hatte, im zweiten Quartal Umsatz und Gewinn gesteigert zu haben.

Angesichts der Bilanzskandale versuchen US-Unternehmen zu retten, was zu retten ist. Das Telekommunikationsunternehmen Qwest wird möglicherweise seine Bilanz für das Jahr 2001 neu aufstellen, um so seine angeschlagene Glaubwürdigkeit wieder herzustellen. Durch die Revision könnte der Umsatz für 2001 um mehr als eine Mrd. $ sinken. Der Verlust könnte sich nach Analystenschätzungen um 800 Mill. $ bzw. 0,50 $ je Anteilsschein erhöhen. Die neue Ehrlichkeit wurde honoriert: Qwest lagen zum Schluss mit 3,5 % im Plus.

Auch der Getränkekonzern Coca Cola reagiert auf die Bilanzierungstricks und will künftig seine Aktienoptionen für Mitarbeiter als Kostenpunkt in die Bilanz einstellen. Das könnte den Gewinn um rund ein US-Cent je Aktie schmälern. Immerhin: Die wirtschaftliche Realität würde besser wiedergegeben, erklärte der Konzern. Die Anleger hoffen auf Nachahmer. Coca-Cola half die Offensive wenig: Die Aktie gewann magere 0,7 % hinzu.

Zu den größten Verlierern gehörten die US-Versorger. Nach anderen Energieunternehmen sind zuletzt Duke Energy und El Paso ins Visier der Börsenaufsicht geraten. Dabei geht es um den Vorwurf, innerhalb der Branche Scheingeschäfte abgeschlossen zu haben. Als Folge stuften die Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley die Papiere von Duke Energy herab. Duke verloren 15,4% und El Paso 3,3 %. Ebenfalls zu der Führern der Negativ-Liste zählten FleetBoston Financial. Das Kreditinstitut will wegen hoher Verluste den Investment-Banking-Bereich, der unter Robertson Stephens firmiert, schließen. FleetBoston büßten 7,2% ein.

Zufrieden zeigte sich dagegen einer der größten Verlierer der vergangenen Woche: Home Depot. Analysten prognostizieren dem Heimausstatter für das zweite Quartal einen Nettogewinn von 0,47 $ pro Aktie. Home Depot konnten so immerhin um 3,1 % klettern.

Quelle: Handelsblatt

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