Pflege von Körper und Seele statt Training
Ballack hängt durch

Rudi Völler braucht ihn unbedingt in der Chefrolle, doch erst einmal kämpft Michael Ballack mit sich selbst.

dpa MIYAZAKI. "Er hängt im Moment in einem kleinen Loch, aber da werden wir ihm heraushelfen", sagte Völler am ersten Tag in Japan über sein neues "Sorgenkind", das statt Training intensive Pflege von Körper und Seele benötigt. Dass der beste deutsche Spieler der Saison auch bei den ersten Übungseinheiten in Miyazaki fehlte und stattdessen intensiv im Hotel am schmerzenden rechten Fuß behandelt werden musste, sah Völler acht Tage vor dem Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft noch nicht als dramatisch an. Die Mittelfuß-Prellung, "die Michael seit Wochen mit sich herumschleppt", sei nicht so tragisch, beruhigte Völler. Und ergänzte: "Sein WM-Einsatz ist nicht in Gefahr.". Der Nachsatz macht allerdings weniger Mut: "Ich hoffe, dass er in den nächsten Tagen wieder voll ins Training einsteigen kann."

Es ist nicht nur der geprellte Mittelfuß, der Anlass zur Sorge gibt und den torgefährlichen Mittelfeldspieler nur unter Einnahme von Schmerzmitteln die letzten Spiele mit Bayer 04 Leverkusen durchhalten ließ. Die Mammutsaison mit am Ende drei verspielten Titeln steckt ihm insgesamt schwer in den Knochen - und nach dem Ausfall von Sebastian Deisler lastet auch noch endgültig der ganze Druck als Denker und Lenker im Mittelfeld auf den Schultern des 25-Jährigen. "Er ist im besten Fußball-Alter, er hat eine überragende Saison gespielt. Wir werden alles tun, damit er zum ersten Spiel topfit ist", erklärte Völler, der einem voll belastbaren Ballack zutraut, sogar zum Superstar der WM in Japan und Südkorea aufzusteigen. Trainer Klaus Toppmöller verabschiedete den 22-maligen Nationalspieler vor dem verlorenen Champions-League-Finale gegen Real Madrid mit einer Lobeshymne in Richtung seines neuen Arbeitgebers FC Bayern München: "Michael ist ein Jahrhunderttalent. Er kann besser als Franz Beckenbauer werden", glaubt Bayer Leverkusens Coach.

Noch vor einem Jahr war Ballack wegen seiner aufreizend lässig wirkenden Spielweise als "kleiner Kaiser" charakterisiert worden, bis er sich mit 17 Bundesliga-Treffern sowie jeweils sechs Toren in der Champions League und in der WM-Qualifikation als echter Erfolgsgarant etablierte. Mit seinen drei Toren in den Alles-oder-Nichts-Spielen gegen die Ukraine verlieh ihm Völler den "Ritterschlag". In den zwei Jahren seiner Amtszeit als Teamchef habe Ballack "den größten Sprung" von allen Nationalspielern gemacht, hob der Teamchef hervor: "Er ist in den zwei Jahren zu einer Führungsperson geworden." Ganz entscheidenden Anteil an dieser Entwicklung hat Toppmöller. "Er hat mir bewusst gemacht, dass viel von mir erwartet wird", hat Ballack dazu kürzlich gesagt. In Leverkusen ist er dem Anspruch in seinem letzten Jahr gerecht geworden - bei der WM soll er aber eine ganze Nation zufrieden stellen.

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