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Pflegebedingungen für Aidskranke in Afrika sind oft miserabel

Eine Decke für Erbrochenes ist das letzte, was eine Klinik in Südafrika Aidskranken mit auf den Weg gibt. Für mehr als die Pflege zu Hause reichen die Mittel nicht aus.

ap UMLAZI. Seit die Krankenschwester Prim Zungu wöchentlich in die kläglichen Hütte in Umlazi kommt, geht es Numbolelo etwas besser. Gut aber wird es ihr nie mehr gehen. Die Armut steht der Genesung der 23-Jährigen unerbittlich im Weg. In einer Hütte ohne Wasser und Strom sind die Pflegebedingungen miserabel. Und Mutter Jane, ohne Einkommen, kann ihrer Tochter keine teuren Medikamente finanzieren. Dennoch bleibt Südafrika keine andere Möglichkeit, als die Pflege zu Hause zu propagieren.

Die Krankenhäuser sind überlastet, die Behandlung dort zu teuer für das angeschlagene Gesundheitswesen. Immerhin tragen schätzungsweise 4,7 Mill. Südafrikaner das HI-Virus in sich. Auch Numbolelo Dlamini wurde mit einer Packung Tuberkulose-Medikamenten, Desinfektionsmittel, einem Paar Gummihandschuhen und Reinigungsmittel für ihre mit Erbrochenem verschmutzen Decken aus der Klinik entlassen. Für ihre Mutter ist seitdem eine Welt zusammengebrochen. Sie hat ihren Job verloren, weil sie sich um die kranke Tochter kümmern muss. Sie kann sich aber nicht ausreichend um Numbolelo kümmern, weil sie ihre Arbeitsstelle nicht mehr hat und keine Geld nach Hause bringt.

Hilfe gibt es nur gegen die Stigmatisierung

Etwas Erleichterung zumindest kam schließlich mit der Krankenschwester von der Organisation Highway Hospice. Prim Zungu bringt Tabletten mit, tröstet und baut die abgemagerte Numbolelo auf, wenn sie die Hütte nahe Durban besucht. Die Situation kann sie zwar nicht ändern, gestehen auch die Hilfsorganisationen ein. Aber zumindest könnten die Pflegekräfte die Angehörigen in der letzten Phase des Lebens des Aids-kranken Familienmitglieds unterstützen, sagt Liz Floyd vom Aids-Projekt in der Gauteng-Provinz um Johannesburg.

Außerdem helfen die Besuche, die Stigmatisierung von Aids-Kranken zu überwinden, sagt Nkosozana Ngidi vom Highway Hospice. Wenn sie wüssten, dass sie Hilfe bekommen, versuchten die Betroffenen weniger, ihre Krankheit zu verbergen. Und noch ein Aspekt ist nach Meinung der Helfer von Bedeutung: Die Pflege zu Hause bekräftige die traditionelle Rolle der Familie und der Nachbarschaft, erklärt Mandla Majola von der Treatment Action Campaign, eine Lobby-Gruppe gegen Aids. "Als Afrikaner sind wir es nicht gewohnt, dass jemand, der sehr alt oder sehr krank ist, weggenommen wird", sagt er. "Das ist nicht unsere Kultur. Wenn ich krank bin, kommt mein Nachbar herüber und wäscht und füttert mich."

Familie Dlamini indes muss weiter fast allein mit der Krankheit und den katastrophalen Lebensumständen kämpfen. "Ich will arbeiten. Ich muss arbeiten", sagt Jane Dlamini. "Niemand hilft mir. Ich bin ganz auf mich gestellt."

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