Pflichtangebot soll vermieden werden
Kommentar: Abgekartetes Spiel

Ein abgekartetes Spiel spielen die Akteure bei der Übernahme der Mobilcom-Aktien durch France Télécom.

Die Franzosen hätten schon längst faktisch eine 68-prozentige Mehrheit an dem Büdelsdorfer Unternehmen, lassen sie wissen und verweisen auf den Optionsvertrag von vor zwei Jahren, der France Télécom den Erwerb des Aktienpakets von Firmengründer Gerhard Schmid ab 2003 ermöglicht. Noch im März war die Strategie eine andere: Damals hieß es, eine Bankengruppe werde den 28,5-prozentigen Anteil übernehmen.

Das Spiel ist ebenso durchsichtig wie perfide: Man will verhindern, allen anderen Mobilcom-Aktionären den Kauf ihrer Papiere zum gleichen Preis anbieten zu müssen, den Gerhard Schmid bekommt. Das nämlich verlangt das deutsche Übernahmegesetz seit Anfang des Jahres, wenn ein Gesellschafter mehr als 30 Prozent eines Unternehmens übernimmt.

Wurde vor wenigen Wochen noch - zu Recht - vermutet, durch die zwischengeschaltete Bankengruppe werde das Übernahmegesetz umgangen, muss nun der ernüchternde Befund lauten: Das Gesetz selbst eröffnet die Möglichkeit, das Pflichtangebot zu vermeiden. Denn nach dem Gesetz wären die Anteile von Mobilcom-Gründer Schmid dann dem französischen Unternehmen zuzurechnen, wenn sie sich bei der Ausübung der Stimmrechte abstimmen. Der Hinweis auf den Optionsvertrag soll jetzt offensichtlich dokumentieren, dass dies bereits vor 2002 der Fall war. France Télécom selbst hatte bislang allerdings immer nur einen Mobilcom-Anteil von 28,5 Prozent gemeldet.

Jetzt ist die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht gefragt, die die Einhaltung des Übernahmegesetzes überwacht. Sie sollte den Begriff Option im etymologisch und juristisch korrekten Sinne interpretieren: Der Vertrag gibt der France Télécom nur die "Möglichkeit", Schmids Aktien zu erwerben. Diese haben die Franzosen jedoch erst, wenn sie die Option auch ausüben.

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