Archiv
Phänomen Schumacher: Superstar und Vater

Das Klischee vom Renn-Roboter und „Klon im Cockpit“ wird Michael Schumacher wohl nicht mehr los.

dpa SPA-FRANCORCHAMPS. Das Klischee vom Renn-Roboter und "Klon im Cockpit" wird Michael Schumacher wohl nicht mehr los.

Zu perfekt, zu dominant fährt der "Super-Super-Superstar", wie Formel-1-Boss Bernie Ecclestone den Ausnahmekönner adelte, die Konkurrenz seit Jahren in Grund und Boden. Mit jedem weiteren Sieg, Titel und Weltrekord untermauert der "Jahrhundert-Pilot" allerdings seinen Ruf, wodurch die andere Seite Schumachers - zumindest in der Öffentlichkeit - kaum sichtbar wird.

Schumacher scheint unter dem falschen Eindruck, ein emotionsloser Retorten-Rennfahrer zu sein, zu leiden. Allerdings trägt der 35 Jahre alte Kerpener durch sein - durchaus verständliches - Verhalten, sich abzuschotten, um im ganzen Trubel um seine Person nicht den Rest an Privatsphäre zu verlieren, selbst zu dieser Schubladen-Einordnung bei. "Ich bin kein Mensch, der gerne Emotionen zeigt, außer bei denen, die mich gut kennen", sagte er über seine Introvertiertheit. "Ansonsten kontrolliere ich mich, so gut es geht, was den Leuten vielleicht nicht das richtige Bild davon gibt, wer ich bin."

Damit muss und kann Schumacher leben. Zu oft hat der gelernte Kfz-Mechaniker im Lauf seiner kometenhaften Karriere teilweise schmerzlich erfahren müssen, wie sein Vertrauen zu angeblichen Freunden missbraucht oder sein Privatbereich ignoriert wurden. "In gewissem Maß lässt sich der goldene Käfig bei mir nicht vermeiden, weil ich nicht ganz so in die Öffentlichkeit gehen und mich am Stammtisch amüsieren kann", klagte der Mega-Star einmal. So sind Schumachers scheinbare Arroganz und Kälte meist reiner Selbstschutz.

Der Umzug des Jung-Millionärs in die Steueroase Monte Carlo Anfang der 90er Jahre hatte sicher finanzielle Gründe, geschah aber auch deshalb, um in der Anonymität des Treffpunkts der Stars und Sternchen untertauchen zu können. In Kerpen waren "Schumi"-Fans zuletzt nicht einmal mehr davor zurückgeschreckt, auf die Terrasse des deutschen Sporthelden vorzudringen, um ihr Idol beim Grillen zu begaffen.

Ende 1996 wechselte der inzwischen für Ferrari fahrende Champion vom Spielerparadies an der Côte d'Azur ins beschauliche Vufflens-le-Chateaux am Genfer See. Schumacher genießt mit seiner "Traumfrau" Corinna, mit der er seit neun Jahren glücklich verheiratet ist, sowie Gina Maria (7) und Mick (5) die Ruhe. "Ich bin ein normaler Vater, spiele mit meinen Kindern und mache, worauf sie Lust haben", hob der Familienmensch hervor. So oft der begeisterte Hobby-Kicker Zeit hat, trainiert und spielt er - ohne Rummel und Sonderstellung - beim Amateurclub FC Echichens.

Die Schweiz wird für die nächsten Jahre Schumachers Wahlheimat bleiben. "Eine Rückkehr nach Deutschland kommt für mich nicht mehr in Frage", hatte der durch die Formel 1 zum Weltbürger gewordene Fahrer schon vor längerem beschlossen. Aber seine Wurzeln sind dem trotz aller sportlichen Höhenflüge bodenständigen Schumacher weiter wichtig. Gerne kehrt er nach Kerpen zurück. Dort betrieben sein Vater Rolf und seine am Osterwochenende 2003 gestorbene Mutter Elisabeth eine Kartbahn, auf der er als vierjähriger Knirps den Grundstein für seine Karriere legte. Sich dort mit alten Kumpels über die alten Zeiten zu unterhalten, macht Schumacher viel Spaß.

Zu Schumachers Prinzipien zählen Treue und Solidarität. 1998, als Ferrari knapp den Titel verpasst hatte, rettete er Teamchef Jean Todt vor dem drohenden Rausschmiss. Die beiden verbindet inzwischen eine tiefe Freundschaft. Weit mehr als nur eine Mill. schwere Geschäftsbeziehung ist die Partnerschaft mit Willi Weber, der 1989 als Manager des viel versprechende Talents eingestiegen war.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%