Phänomen Volker Finke
Der SC Freiburg steigt schuldenfrei auf

Nach dem schwierigsten Aufstieg seiner Trainer- Laufbahn war Volker Finke "unendlich erleichtert" und "unglaublich glücklich". Der 55 Jahre alte Pädagoge hat mit der Rückkehr seines SC Freiburg in die Fußball-Bundesliga wieder ein Kunststück geschafft.

HB/dpa DÜSSELDORF/FREIBURG. Während sein Team die Rückfahrt nach dem 2:1 in Burghausen zur Party machte, saß Finke im SWR-Fernsehstudio und blickte in die Zukunft. Schuldenfrei und mit einem 24-Millionen-Euro-Etat gehen die Breisgauer die 1. Liga an. "Mit unserem Budget stehen wir auf einem Abstiegsplatz. Aber wir sind zuversichtlich, dass wir den Klassenverbleib schaffen."

Zum dritten Mal nach 1993 und 1998 stieß der eigenwillige Coach die Tür zum Oberhaus auf. Und dennoch schwärmte Finke am Sonntagabend von seinem schönsten Aufstieg - 1990 mit dem TSV Havelse in die 2. Liga. "Da hat kein Spieler mehr als 1000 Mark verdient." Sein späterer Musterschüler und Nationalspieler Jens Todt gar nur 400.

In Freiburg bastelt er nun weiter an seinem Lebenswerk. Nach 12 Jahren will er noch "so viel als möglich in Bewegung setzen" und bleiben, "so lange jeden Tag etwas passiert, was dir Freude macht". Präsident Achim Stocker hatte ihm schon mal einen Vertrag auf Lebenszeit angeboten, doch sein Erfolgscoach verlängerte wieder nur um ein Jahr.

Als Volksheld taugt er in Freiburg trotz seiner enormen fachlichen Qualitäten nicht. "Die Penetranz, mit der Finke seine Ziele verfolgt, ist nicht immer kompatibel mit der badischen Gemütlichkeit", schrieb die "Badische Zeitung" (Montagausgabe). Der frühere Gymnasiallehrer für Sport und Geschichte ist einer, der beim Kneipenbesuch Wert darauf legt, selbst zu bezahlen. Und er lässt das Umfeld seine Allmacht mitunter deutlich spüren.

Beim SCF hat Finke, wie er zu Recht feststellt, "die Infrastruktur komplett aufgebaut". Er fühlt sich für alles verantwortlich und daher riet er seinen Spielern schmunzelnd via TV, "für die Aufstiegszigarre bitte auf den Parkplatz zu fahren". Schließlich habe der Verein zum ersten Mal einen "Klasse-Bus".

"Normalerweise dauert die Rückfahrt sechs Stunden. Ich weiß allerdings nicht, wie oft wir anhalten und Nachschub holen müssen", meinte Tobias Willi vor der Heimreise. Alles andere als der Wiederaufstieg, so der Torschütze, "wäre eine Katastrophe gewesen". Finke selbst hat daran nach eigenen Angaben nie gezweifelt: "Aber ich musste immer die Botschaft senden, dass es kein Selbstgänger ist." Zudem seien die gruppendynamischen Prozesse nicht immer einfach: "Da saßen in der 2. Liga plötzlich Spieler auf der Bank, die ein paar Monate vorher noch im UEFA-Cup gespielt haben."

So hielt sich Siegtorschütze Abder Ramdane bei den ersten spontanen Feierlichkeiten abseits. Der Franzose wird derzeit vom OGC Nizza beobachtet. "Meine Zukunft liegt in Freiburg", sagt er trotzig. Aber: "Ich habe nicht alles vergessen, was in dieser Saison passiert ist."

Finke war nach dem Abpfiff direkt in die Kabine geeilt. "Solche Momente genießt man gerne alleine, wie man bei Franz Beckenbauer bei der WM gesehen hat."

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