Pharma-Aktien sind klassische Zufluchtswerte in unsicheren Börsenzeiten
US-Pharmabranche hofft auf Bush

Pharma-Aktien gelten als Zuflucht in unsicheren Börsenzeiten. Bei einigen großen Namen fehlt allerdings der Nachschub an innovativen Medikamenten. Da hilft auch ein Wahlsieg Bushs nichts.

NEW YORK. Die Republikaner sind gut für Pharma-Aktien. Diese Faustregel gilt an der amerikanischen Börse schon seit Jahren. Analystin Christina Heuer von der Investmentbank Salomon Smith Barney versucht, das auch statistisch zu belegen: In den vergangenen neun Wahljahren haben die Pharmawerte zum Jahresende 5 % besser als der Standard&Poor's 500-Index abgeschnitten, wenn Republikaner gewonnen haben, rechnet sie vor. In den Jahren, in denen Demokraten die Wahl gewannen, büßten sie dagegen 12 % gegenüber dem Index ein.

Keine Höchstpreise für Medikamente

"Mit einem Sieg von Bush fallen die Befürchtungen weg, dass die Regierung die Preise von Medikamenten beschränken könnte", erklärt Herman Saftlas, Analyst der Rating-Agentur Standard & Poor's die Vorliebe der Investoren für Bush. Gore wolle Höchstpreise für einige verschreibungspflichtige Medikamente festlegen, um sie für mehr Verbraucher zugänglich zu machen. Bush hingegen sieht in seinem Programm vor, ältere Bürger finanziell bei Medikamenten zu unterstützen, ohne jedoch deren Preise festzuschreiben.

Außerdem sahen Gores Pläne vor, den Patentschutz bei Medikamenten zu beschränken, damit Generika-Hersteller schneller die billigen Nachahmer-Produkte produzieren können. Vor allem Pfizer müsste dann um die Patente es beliebten Arthritis-Medikaments Celebrex, des Alzheimer-Mittels Aricept und des Potenzmittels Viagra fürchten. Alle drei Produkte werden vor allem von älteren Patienten gekauft. Mit der immer wahrscheinlicheren Wahlentscheidung zu Gunsten von Bush könnten die Pharmawerte also weiter gut laufen. Allerdings ist ein Bush-Sieg bereits in den Preisen vorweggenommen.

Pharma-Aktien sind zudem klassische Zufluchtswerte in unsicheren Börsenzeiten - wie der gesamte Gesundheitssektor. "Das ist eine defensive Strategie", sagt Saftlas. Außerdem werden der Branche auf Grund des steigenden Altersdurchschnitts in Amerika gute Wachstumschancen eingeräumt.

John Manley, Marktstratege bei der Investmentbank Salomon Smith Barney, setzt auf den gesamten Gesundheitssektor: "Wir kommen zu dem Schluss, dass die Gewinne sich weiter gut entwickeln werden. Insbesondere die Pharma- Aktien, die mehr als zwei Drittel der Marktkapitalisierung des Gesundheitssektors ausmachen, sind historisch sehr konsistent gewachsen", sagt Manley.

Wachstum fällt in Zukunft mager aus

S & P-Analyst Saftlas gibt aber zu bedenken, dass die Pharmaindustrie derzeit eine Talsohle durchschreitet. Während in den vergangenen Jahren zweistellige Wachstumsraten - teilweise um die 15% - die Norm waren, müssten sich Anleger in den nächsten Jahren mit einstelligen Zuwachsraten begnügen.

Viele Patente der großen Pharmawerte laufen in diesem Jahr oder im kommenden Jahr ab, darunter auch die beliebte Glückspille Prozac von Eli Lilly. "Und wir sehen nicht viele große neue Medikamente kommen", sagt Saftlas über die Entwicklungen in den Laboren der großen Medikamentehersteller. Nicht umsonst sind die Pharmariesen in der Vergangenheit verstärkt Allianzen mit kleineren Biotechnologie-Unternehmen eingegangen - in der Hoffnung, dass sie ihren Medikamente-Nachschub aufbessern können.

Von den großen Pharma-Namen empfiehlt Saftlas vor allem Bristol-Myers Squibb. Das Unternehmen komme gut bei seiner Restrukturierung vorwärts. Es trennt sich von seiner Kosmetiksparte und konzentriert sich auf sein Hauptgeschäft. Außerdem sei abzusehen, dass das Unternehmen bald mit interessanten Medikamenten auf den Markt komme. Auch Eli Lilly hat nach Ansicht von Saftlas einige erfolgversprechende Medikamente in fortgeschrittenen Testphasen.

Aktienexperte Jim Kelly von Goldman Sachs empfiehlt ebenfalls Bristol-Myers Squibb, unter anderem wegen des Erfolges mit dem Medikament Taxol.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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