Pharma-Reimporte: Kommentar: Aufwand ohne Nutzen

Pharma-Reimporte
Kommentar: Aufwand ohne Nutzen

Gute Absicht - zweifelhafte Wirkung. Dieses Urteil drängt sich auf beim Blick auf die jüngste Entwicklung auf dem deutschen Pharmamarkt.

Gute Absicht - zweifelhafte Wirkung. Dieses Urteil drängt sich auf beim Blick auf die jüngste Entwicklung auf dem deutschen Pharmamarkt.

Der kräftig wachsende Marktanteil reimportierter Arzneimittel mag dabei vordergründig durchaus als Erfolg der Krankenkassen erscheinen. Denn zumindest rein theoretisch sollte der verstärkte Import von preiswerten Medikamenten aus Spanien, Italien oder Griechenland dazu beitragen, die strapazierten Finanzen der Kassen zu entlasten. Aber wie viel von den innereuropäischen Preisdifferenzen wird am Ende tatsächlich ankommen bei den deutschen Apotheken?

Der Rahmenvertrag, den die Spitzenverbände der Krankenkassen mit den Apotheken vereinbarten, gibt den Importeuren im Prinzip einen Freibrief. Er garantiert ihnen für die kommenden beiden Jahre ein Marktwachstum von mindestens 50 Prozent völlig unabhängig davon, wie groß die Preisdifferenzen zu den Originalmedikamenten noch sind. Die Importeure werden sich völlig rational verhalten, wenn sie das zum Teil durchaus beachtliche Preisgefälle für die eigene Tasche nutzen.

Vertreter der Pharmabranche schätzen sogar, dass der deutsche Fiskus durch verminderte Gewinne bei den Originalherstellern letztlich mehr Steuern verliert, als die Kassen an Arzneimittelausgaben einsparen. Auch der erhebliche Logistik- und Verwaltungsaufwand bei Apotheken, Großhandel und Importeuren selbst stellt das System des Pharma-Re- und Parallelimports volkswirtschaftlich in Frage. Und fast noch problematischer erscheint die Wirkung auf die Industrie. Aus deren Sicht läuft der freie Warenverkehr zwischen regulierten Pharmamärkten vor allem darauf hinaus, das jeweils niedrigste Preisniveau EU-weit auszubreiten. Der Pharmastandort Europa gerät damit zusätzlich in Verruf. Im Endeffekt leisten die Importquoten also nicht viel mehr, als industriepolitisch weiteres Porzellan zu zerschlagen, ohne dabei etwas zu gewinnen.

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