Pharmagewinn steigt um ein Drittel
Aventis will Pharma-Lizenzen ergattern

Beim Arzneimittelhersteller Aventis hat im dritten Quartal vor allem die Impfstoff-Sparte mit einem starken Wachstum überrascht. Das Management des Pharmakonzerns hat seine Prognosen für das Gesamtjahr nochmals leicht angehoben, konnte damit aber die Börse nicht mehr beeindrucken.

shf FRANKFURT/M. Der deutsch- französische Aventis-Konzern sieht sich weiter auf Kurs, den Gewinn im Kerngeschäft Arzneimittel 2001 um mehr als ein Drittel zu steigern. Finanzchef Patrick Langlois hat die bisherigen Prognosen sogar leicht angehoben. Er stellte ein Umsatzplus von 14 % (gegenüber bisher 13 %) und einen Anstieg des Gewinns je Aktie auf 2,05 Euro in Aussicht. Beim künftigen Wachstum setzt Aventis auf den Kauf von Lizenzen an aussichtsreichen Medikamenten und auf Marketing-Kooperationen in den USA.

Der Nettogewinn des drittgrößten europäischen Pharmaherstellers dürfte 2001 noch etwas stärker als die bisher prognostizierten 35 % zulegen. Die neuen Umsatz- und Ertragsziele kamen für die Börse nicht überraschend. Die Aventis-Aktie musste einen Teil der Vortagesgewinne wieder abgeben und notierte am Nachmittag sogar im Minus.

Der Straßburger Konzern, der vor zwei Jahren aus der Fusion von Hoechst und Rhone-Poulenc entstand, steigerte seinen Pharmaerlös bis Ende September um rund ein Zehntel auf knapp 13 Mrd. Euro. Bereinigt um Desinvestitionen und Währungseffekte ergab sich ein Plus von 14 %. Der vergleichbare Vorsteuergewinn verbesserte sich um 30 % auf 2 Mrd. Euro, das Ergebnis je Aktie sogar um 42 % auf 1,47 Euro.

Aventis hat auf dem US-Markt überdurchschnittlich zugelegt. Allerdings haben sich bei einigen Bestsellern, darunter das Krebsmedikament Taxotere und das Allergiemittel Allegra, die Steigerungsraten gegenüber dem ersten Halbjahr zum Teil deutlich abgeschwächt, was wiederum bei einigen Analysten für Enttäuschung sorgte. Im Bereich Blutplasma-Produkte wurde der Konzern von den Produktionsproblemen beim Vorlieferanten Bayer gebremst. Überraschend stark entwickelte sich das Impfstoffgeschäft, das um rund ein Drittel zulegte.

Die vor wenigen Wochen an Bayer verkaufte Agrochmie-Tochter Aventis Crop Science steigerte den Umsatz in den ersten neun Monaten um knapp 5 % auf 3,2 Mrd. Euro. Langlois geht davon aus, dass die Transaktion im ersten Quartal 2002 von den Kartellbehörden genehmigt wird. Über einen Verkauf des Bereichs Tierernährung verhandelt der Konzern exklusiv mit dem Finanzinvestor CVC Capital Partners.

Für die 25-prozentige Aventis-Beteiligung am Chemieunternehmen Rhodia hatte die niederländische DSM Interesse signalisiert, das aber nicht in Verhandlungen mündete. Eine Trennung von diesem Paket ist in Verbindung mit einer bis 2003 laufenden Anleihe ohnehin vorgezeichnet. Wenn es sinnvolle Lösungen gebe, sei auch ein vorzeitiger Verkauf denkbar, sagte Langlois gestern. Allerdings werde man auf keinen Fall eine feindliche Übernahme von Rhodia unterstützen.

Er bekräftigte zugleich das Ziel, die durch Desinvestitionen gestärkte Finanzkraft für den Ausbau des Pharmageschäfts zu nutzen. Aventis werde "aggressiv" Lizenzen an neuen Produkte erwerben. Der Konzern hat bereits Rechte an einem Infektionsmedikament der Biotechfirma Virpophara erworben und gilt als Hauptinteressent an einer Neuentwicklung der Altana AG gegen Asthma. Eine US-Zulassung für das neue Antibiotikum Ketex erwartet Aventis gegen Ende 2002.

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