Pharmakonzern macht weniger Profit
Roche will sich vom Vitamingeschäft trennen

Aufgrund der Trennung vom Vitamingeschäft sucht Franz B. Humer, Verwaltungsratspräsident und operativer Chef des Basler Konzerns, deshalb nun nach einer optimalen Lösung für das Vitamin- und Feinchemikalien-Geschäft.

ef RISCH. Roche ist bei Vitaminen weltweit Marktführer. Deshalb kommt ein Verkauf an einen der großen Wettbewerber - wie etwa die BASF - aus kartellrechtlichen Gründen nicht in Frage. Denkbar sei eine Abspaltung nach dem Modell des Riech- und Aromenherstellers Givaudan, sagte Humer. Aber auch der Verkauf an einen Konzern, der angesichts vergleichbarer Kundenstruktur an dem Geschäft interessiert sein könnte, sei möglich. Das Vitamingeschäft soll in jedem Fall als Einheit erhalten bleiben.

Für Roche-Chef Humer stehen die Interessen des Bereichs und die der Aktionäre im Vordergrund. Deshalb will sich Humer auch nicht unter Zeitdruck setzen lassen. Das Vitamingeschäft hat Roche in den vergangenen Jahren nur operativ Freude bereitet. So hat der Konzern wegen unerlaubter Preisabsprachen bereits 1,5 Mrd. sfr Strafe zahlen müssen. Zu weiteren 1,4 Mrd. sfr ist er verurteilt. Hinzu kommt eine neu gebildete Rückstellung in Höhe von 760 Mill. sfr für mögliche Ansprüche von US-Kunden.

Roche wird weiter von den Mitgliedern der Gründerfamilie beherrscht. Sie kontrollieren die etwas mehr als 50 % der allein stimmberechtigten Aktien. Mit dem zweitgrößten Aktionär, dem Nachbarn Novartis AG (Aktienanteil gut 20 %) gebe es keine Gespräche über eine engere Kooperation, erklärte Humer erneut. Novartis-Chef Daniel Vasella hatte angekündigt, die Roche-Aktien verkaufen zu wollen, wenn sich keine strategische Zusammenarbeit realisieren lasse.

Für das Kerngeschäft ist Humer für 2002 und auf mittlere Sicht zuversichtlich. So soll die Restrukturierung der Pharmasparte, die 2001 das Ergebnis mit 777 Mill. sfr belastete, in diesem Jahr voll greifen. Für die Sparte erwartet der Roche-Chef ein Wachstum im mittleren bis hohen einstelligen Bereich. Gebremst wird die Umsatzentwicklung durch das Auslaufen eines wichtigen Patents in den USA. Für die Diagnostika prognostiziert er erneut ein zweistelliges Wachstum. Besonders erfreulich sei, dass die Margen zulegten. Denis Anderson, Analystin von Bank Bär, bezeichnete die Roche-Perspektiven als "wenig inspirierend".

Der Basler Konzern ist heute klar Weltmarktführer bei Diagnostika und baut die Position stetig aus. Humer rechnet 2002 mit einem Anstieg des Betriebsergebnisses. Dagegen dürften die Finanzerträge wegen des schwachen Börsenumfeldes deutlich geringer als 2001 ausfallen. Der Roche-Chef unterstrich, dass der Konzern im Pharmageschäft in den vergangenen Jahren Fortschritte gemacht habe. So verfüge Roche über eine gut gefüllte Pipeline mit 46 neuen Wirkstoffen, die sich in allen Entwicklung-Stadien befinden. 2001 erzielten vier Medikamente Umsätze von mehr als 1 Mrd. sfr. Vor wenigen Jahren gab es lediglich ein Medikament dieser Umsatzgröße. Besonders stolz ist Humer auf das Therapiegebiet Onkologie. Roche ist nach der Einführung von drei neuen Medikamenten bei der Krebstherapie nun weltweit die Nummer Eins.

Der Roche-Umsatz ist 2001 um 6 % auf 29,2 Mrd. sfr gestiegen. Der Konzerngewinn ist um 57 % auf 3,7 Mrd. sfr eingebrochen. Klammert man alle Sonderposten aus der Rechnung aus, errechnet sich ein Minus von 4 % auf 4,8 Mrd. sfr. Die Erhöhung der Dividende um 13 % auf 1,30 sfr pro Aktie beziehungsweise Genussschein soll die Zuversicht des Konzerns widerspiegeln.

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